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sowjetische Erfindung bezogen, die sog. Lida-Maschine. Dabei handelte es sich um
einen kleinen Sender, der 10-Hertz-Wellen ausstrahlte. Diese Wellen hatten
angeblich beruhigende Wirkungen und steigerten die Suggestibilität. Das
Merkwürdigste an diesem Gerät war, dass es auf einer altmodischen Vakuumröhren-
Technik beruhte. Ein Zuschauer, der als Kriegsgefangener in Korea war, berichtete,
er habe ein derartiges Gerät während eines Verhörs gesehen.370
Die mit der elektronischen Bewusstseinskontrolle und Verhaltensbeeinflussung
verbundenen Fragen sind so komplex und so schwierig zu beantworten, dass sie im
Grunde nur in einem eigenen Buch zufriedenstellend bearbeitet werden könnten.
Überdies wird die Forschung in diesem Bereich nicht nur durch die militärische bzw.
geheimdienstlichen Interessen an einer Geheimhaltung der wichtigsten Ergebnisse
erschwert. Zudem sind die relevanten und öffentlich zugänglichen Informationen
unter einem gewaltigen Papierberg verborgen.
Dieser Papierberg besteht aus Büchern, Aufsätzen und anderen Dokumenten, in
denen Verschwörungstheorien, Produkte geistiger Verwirrung und Tatsachen bunt
gemischt sind. Es kostet sehr viel Zeit, hier die Spreu vom Weizen zu trennen.
Ein Beispiel: 1967 veröffentlichte der frühere FBI-Agent und Journalist Arthur J. Ford
unter dem Pseudonym Lincoln Lawrence eine verschwörungstheoretische Schrift mit
dem Titel: „Were we controlled?“ Er entwickelte darin die Hypothese, dass der
Mörder J. F. Kennedys, Lee Harvey Oswald durch eine besonders raffinierten
Formen der elektronischen Bewusstseinskontrolle manipuliert wurde: RHIC und
EDOM. RHIC oder Radio Hypnotic Intercerabral Control funktioniert angeblich wie
folgt: Dem Opfer wird ein winziges Empfangsgerät ins Gehirn eingepflanzt. Danach
wird es hypnotisiert und abgerichtet, bestimmte posthypnotische Befehle
auszuführen. Das Opfer wird trainiert, auf die mit der Reizung einer bestimmten
Hirnregion verbundene Empfindung zu reagieren.
EDOM bedeutet Electronic Dissolution of Memory. Das entsprechende Gerät
blockiert, so behauptet Lawrence, durch Radio-Wellen und Ultraschall-Töne die
Aufnahme aktueller Informationen ins Gedächtnis und führt zu einer Störung des
Zeitgefühls.371 Weder die Hypothese, Oswald sei ein Opfer von RHIC und EDOM
gewesen, noch die Existenz dieser Methoden zur Bewusstseinskontrolle sind
bewiesen. Technisch sind diese Verfahren zweifellos möglich. Die Verwendung eines
Radio-Signals zur Auslösung einer posthypnotischen Handlung hätte sogar einen
beachtlichen Vorteil. Die hypnotische Steuerung erfolgt nämlich in diesem Fall nicht
über einen „normalen“ Sinneskanal. Der Trigger ist also der Aufmerksamkeit des
Wachbewusstseins noch besser entzogen. Die wahren Künstler unter den
Bewusstseinskontrolleuren rümpfen allerdings bei derartigen Überlegungen die
Nase. Sie wissen, dass sie auf solche Spielereien nicht angewiesen sind.
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Folter – das Beil der Persönlichkeitsspalter
Die effektivste Methode zur Steigerung der Suggestibilität ist vermutlich auch die
älteste: Folter bzw. extremer Stress. Man kann sich allerdings darüber streiten, ob
nicht auch viele der bisher geschilderten Methoden als Folter eingestuft werden
müssen. Es gibt hier sicher fließende Übergänge. In diesem Buch möchte ich jedoch
den Begriff der Folter für Verfahren reservieren, bei denen die Erzeugung von
extremem Stress durch physische und psychische Qualen im Vordergrund steht.
Ein Pionier der wissenschaftlichen Erforschung des Zusammenhangs von extremem
Stress und Suggestibilität war der berühmte russische Physiologe und
Nobelpreisträger Iwan Petrowitsch Pawlow. Pawlow studierte diesen Zusammenhang
an Hunden. Der britische Psychiater William Sargant wies jedoch in seinem Buch
über die Physiologie der Konversion und der Gehirnwäsche nach, dass sich Pawlows
Erkenntnisse nahtlos auf den Menschen übertragen lassen.372
Pawlow hatte sein wissenschaftliches Schlüsselerlebnis während der Leningrader
Flut im Jahre 1924. Zuvor hatte er einigen Hunden aus experimentellen Gründen
eine Reihe unterschiedlicher Verhaltensmuster eingepflanzt. Während der Flut waren
die Hunde im Leningrader Laboratorium Pawlows in Käfigen eingesperrt. Das
Wasser drang unter der Tür ins Laboratorium ein und stieg beständig. Schließlich
kämpfen die Hunde verzweifelt in ihren Käfigen um ihr Leben. Als es ihnen kaum
noch gelang, ihre Schnauzen über Wasser zu halten, kam im allerletzten Augenblick
Pawlows Assistent in Laboratorium und rettete die Hunde kurz vor dem Ertrinken. Es
zeigte sich bei späteren Tests, dass bei einigen Hunden die zuvor eingepflanzten
Verhaltensmuster vollständig gelöscht worden waren. Bei anderen Tieren blieben
diese Verhaltensmuster jedoch erhalten.373
Diese dramatische Ereignis nahm Pawlow zum Anlass, die Reaktionen von Hunden
auf extremen Stress genauer zu untersuchen. Hierzu verwendete der russische
Wissenschaftler vor allem vier Methoden:
Er steigerte die Intensität eines elektrischen Reizes bis zur Grenze des
Unerträglichen.
Er verlängerte die Intervalle zwischen einem Signalreiz und der damit
verbundenen Fütterung, ließ die Tiere also warten.
Er verwirrte die Hunde durch fortgesetzte, unregelmäßige positive und
negative Signale.
Er schwächte die Tiere körperlich, z. B. durch künstliche Magen- und
Darmstörungen, durch Beeinträchtigungen der Drüsenfunktionen und
Kastration.374
Pawlow gelangte zu der Überzeugung, dass jedes Tier seinen „Bruchpunkt“ hat. Wo
dieser Bruchpunkt liegt, hängt von der Individualität des Hundes ab. Sobald der
Bruchpunkt jedoch erreicht ist, gelangt das Tier in einen Extremzustand, der durch
das Auslöschen zuvor gelernter Verhaltensmuster und eine ausgeprägte Bereitschaft
zum Erlernen neuer Verhaltensweisen gekennzeichnet ist.
In seinen Experimenten mit Hunden entdeckte Pawlow vier Phasen der Reaktion auf
Stress:
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Die erste Stufe nennt Pawlow die Äquivalenzphase. In dieser Phase reagieren
die Tiere auf alle Reize unabhängig von ihrer Stärke gleich.
Die zweite Stufe bezeichnet Pawlow als paradoxe Hemmung. Wird der Stress,
verglichen mit der ersten Phase, stärker, so reagiert das Tier auf schwache
Reize mit heftigen und auf starke Reize mit schwachen Reaktionen.
Bei einer weiteren Steigerung des Stress-Niveaus gelangt der Hund in die
ultraparadoxe Phase. In dieser Phase verwandeln sich positive Reaktionen in
negative und umgekehrt. Hunde verhalten sich dann plötzlich aggressiv
gegenüber Menschen, die sie zuvor gemocht hatten und freundlich gegenüber
ihren vormaligen „Feinden“.
Wenn der Stress den Hund jedoch an seinen „Bruchpunkt“ treibt, erleidet er
den sogenannten transmarginalen Kollaps und tritt in die Phase der
„transmarginalen protektiven Inhibition“ ein. Das Tier hat plötzlich zahlreiche
frühere Verhaltensgewohnheiten verlernt. Er hat die wichtigsten
Orientierungspunkte in seiner Welt verloren und ist gezwungen, sich neue
Verhaltens- und Orientierungsmuster anzueignen. In diesem Zustand ist das
Tier höchstgradig beeinflussbar.375
Der Psychiater und Gehirnwäsche-Experte William Sargant zeigt am Beispiel von
„Kriegsneurosen“, politischer Gehirnwäsche und religiösen Bekehrungserlebnissen,
das Pawlows Erkenntnisse nicht nur für Hunde, sondern gleichermaßen auch für
Menschen gelten. Extremer Stress und psychische Traumatisierung können auch
Menschen an ihren Bruchpunkt führen in sein Nervensystem in den Zustand
„transmarginaler protektiver Inhibition“ versetzen. Pawlow verwendete diesen Begriff,
um damit auszudrücken, dass sich das Gehirn, sobald eine individuell
unterschiedliche Grenze überschritten ist, vor der Zerstörung zu schützen versucht,
indem es alle bisherigen Reaktionen als falsch verwirft und hemmt. Aus diesem
Grund versuchen versierte Folterer, ihren Opfern durch sorgfältig aufeinander
abgestimmte psychologische und körperliche Misshandlungen die Erfahrung zu
vermitteln, dass
sie in ihrem Leben bisher alles falsch gemacht haben,
die Folter der Beweis dafür sei,
und die Folter erst überstanden sein wird, wenn sie sich im Sinne der Folterer
grundlegend ändern.
Die extrem erhöhte Suggestibilität ist im übrigen nicht auf Stresssituationen
beschränkt die absichtlich herbeigeführt wurden. Sie ist ein allgemeines Merkmal der
menschlichen Stressverarbeitung. Die Stressforschung hat es als Phase 2 des sog.
Katastrophensyndroms (Desaster Syndrome) beschrieben. Dieses
Katastrophensyndrom besteht aus drei Stufen: In der Schockphase ist der Betroffene
gelähmt, benommen, apathisch und erlebt Kontrollverlust. Die sich anschließende
suggestible Phase ist durch Passivität und die Bereitschaft gekennzeichnet,
Anweisungen anderer Leute anzunehmen. Die Erholungsphase beginnt mit
Spannungen, Befürchtungen und generalisierter Angst, führt dann aber zu einem
schrittweisen Wiedererlangen des Gleichgewichts.376
Michel Foucault schildert in seiner Schrift „Überwachen und Strafen“ die Hinrichtung
des Vatermörders Damiens am 2. März 1757. Die überaus grausame Hinrichtung
zog sich über Stunden hin und gipfelte in einer Vierteilung mit Hindernissen. Die
Pferde waren nicht in der Lage, den Körper des Mannes auseinander zu reißen, so
dass die Henker mit Messern nachhelfen mussten. Der Verurteilte war immer ein
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großes Lästermaul gewesen, doch Augenzeugen berichteten, dass im während der
Torturen „...keine Blasphemie entkam; nur schreckliche Schreie ließen ihn die
übermäßigen Schmerzen ausstoßen und oft wiederholte er: ‚Mein Gott, hab
Erbarmen mit mir! Jesus hilf mir!“377 „Die Beichtväter näherten sich ihm und sprachen
lange zu ihm; er küsste gerne das Kruzifix, das sie ihm darboten; er schob die Lippen
vor und sagte immer: ‚Verzeihung, Herr!’“378 Aus physiologischer Sicht ist es
unerheblich, ob wir in diesem Opfer einen reumütigen Sünder sehen wollen; die
Schilderung seines Verhaltens lässt darauf schließen, dass sich sein Nervensystem
im Zustand der transmarginalen protektiven Inhibition befand.
Neuere Forschungen bestätigen die grundlegenden Erkenntnisse, die Pawlow vor
rund 100 Jahren aus seinen Studien mit Hunden ableitete: Informationen, die ein
Mensch während oder unmittelbar nach einer Folterung wahrnimmt, werden in einer
tiefen psychobiologischen Schicht gespeichert und vom alltäglichen Bewusstsein
getrennt. Sie werden dissoziiert und unterliegen einer psychogenen Amnesie, die nur
in Situationen mit den entsprechenden Reizmustern aufgehoben wird. Diese
Informationen können also nur durch bestimmte psychophysiologische Reize oder
Auslöser (Trigger) aktiviert werden. Dabei handelt es sich um Reize, die in der
ursprünglichen traumatischen Situation psychologisch bedeutsam waren. In
extremen Stress-Situationen, zu denen insbesondere die Folter zählt, entstehen
pathologische Angststrukturen, die mit erhöhter Erregung und Absorption verbunden
sind. Diese Angst-Strukturen sind extrem schwer zu löschen.379
Der Psychiater Harvey L. Schwartz schreibt hierzu: „Daher wird die Macht aller
Behauptungen, die während oder unmittelbar nach Episoden des Missbrauchs
gegenüber einem Opfer in einem veränderten Bewusstseinszustand geäußert
werden, durch die Abwesenheit eines aktiven kritischen Bewusstseins sowie
intolerable, unerträgliche und den Geist zertrümmernde Angst verstärkt.
Psychologisch versierte Missbraucher, die Bewusstseinskontrollmethoden
beherrschen, wissen, wie sie Veränderungen des psychischen Zustands hervorrufen,
diese ausbauen, verkapseln und die Trigger zu ihrer Auslösung einpflanzen können.
Sie wissen auch, wie sie die Motivations- und Überzeugungssysteme ihrer Opfer
anzapfen, verändern und durch Amnesien multiple Persönlichkeiten erzeugen
können.“
Diese multiplen Persönlichkeiten würden dann das normale Leben hart arbeitender
Bürger führen, stünden zugleich aber den Tätern als bewusstseinskontrollierte
mentale Sklaven zur Verfügung, ohne dass sie selbst oder andere etwas davon
wissen.380
Ein Überlebender aus einem satanischen Kult beschreibt eine grundlegende
Methode zur Steigerung der Suggestibilität durch Folter, die sich auch in zahlreichen
anderen Berichten findet:
„Zunächst nimmst Du ein Kind und steckst es in eine Kiste. Dann wirst du Würmer,
Wanzen und Schlangen in die Kiste und verschließt sie mit einem Deckel. Das Kind
wird gegen die Kistenwände schlagen bzw. treten und in heller Panik schreien. Dies
musst du ignorieren, bis das Kind kein Geräusch mehr von sich gibt. Dann nimmst
du den Deckel ab und prüfst die Muskelspannung des Kindes. Wenn das Kind
entspannt ist, hast du eine Persönlichkeitsspaltung (dissociated switch)
hervorgerufen. Dann kannst du das Kind trainieren, zu sein und zu tun, was du willst.
Das Kind wird ohne zu fragen gehorchen.“381
Wie wir aus den Berichten vieler Opfer absichtlicher Persönlichkeitsspaltung erfahren
haben, ist die Elektrofolter die bevorzugte Methode, um ein Opfer in den Zustand der
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transmarginalen protektiven Inhibition zu versetzen. Prinzipiell können aber beliebige
Foltermethoden eingesetzt werden, um den Prozess der Persönlichkeitsspaltung
einzuleiten, voranzutreiben und zu verstärken.
Die Elektrofolter hat sich aber als besonders geeignet erwiesen, weil sie nicht nur
äußerst schmerzhaft und leicht zu dosieren ist, sondern weil sie auch kaum äußerlich
sichtbare Spuren hinterlässt. Im übrigen können Elektrofoltergeräte auch
ferngesteuert werden; dies erleichtert die Konditionierung komplexer
Verhaltensmuster in realitätsnahen Situationen.
Ein derartiges Gerät wurde in den siebziger Jahren von der Farrall Company z. B. als
Hilfsmittel zur Verhaltensmodifikation auf Kongressen der American Psychological
Association offen angepriesen. In dieser Zeit wurden derartige Methoden der
„aversiven Konditionierung“ von manchen Experten der Psychiatrie und
Verhaltenstherapie als ethisch vertretbar eingestuft und praktiziert. Dies blieb in der
Zunft der Verhaltenstherapeuten jedoch nicht unwidersprochen.382
Das System der Farrall Company bestand aus einem kleinen Sender, der in der
Hand gehalten werden konnte, und einem Empfänger, der am Körper des Patienten
befestigt wurde. In ihren Unterlagen hob die Firma als besonderen Vorteil dieses
Gerätes hervor, dass der Therapeut während des von ihm ausgelösten Schocks
physisch vom Patienten getrennt sei. Damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass der
Patient den Schock nicht als Bestrafung durch den Therapeuten interpretiere,
sondern ihn mit den unerwünschten Verhaltensweisen assoziiere.383
Die Folter als isolierte Maßnahme ist allerdings nicht zur Bewusstseinskontrolle
geeignet. Wenn das Opfer eine „gewöhnliche“ Folterung überlebt, ist es oft psychisch
zerbrochen, aber niemals mental versklavt. Die Folter führt nur dann zur mentalen
Versklavung, wenn sie systematisch zur Persönlichkeitsspaltung und zur Dressur der
Alternativpersönlichkeiten benutzt wird. Sie ist dann eine Form der Konditionierung,
die mit anderen Methoden und Hilfsmitteln kombiniert wird. Für eine effektive und
langfristige mentale Versklavung ist die Folter in der Regel jedoch unerlässlich. Die
Gehirnwäscher nutzen die durch künstliche Amnesien unbewusst gewordene
panische Angst vor weiterer Folter als Motor, der die Spaltung der Persönlichkeit
aufrechterhält und die eingepflanzten Verhaltensmuster antreibt.
Was ich bereits zur Hypnose geschrieben habe, gilt gleichermaßen für die Folter: In
der Bewusstseinskontrolle ist Folter nicht alles, aber ohne Folter ist alles nichts. Dies
trifft aber nur dann zu, wenn die Folter in eine kommunikative Strategie eingebettet
wird. Diese Strategie verfolgt das Ziel, den Betroffenen davon zu überzeugen, dass
die vollständige Unterwerfung unter den Willen des Folterers die einzige Möglichkeit
ist, die er hat (weil ihm sogar der Tod oder die erlösende Ohnmacht verwehrt wird).
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Der innere Folterknecht
Viele Zeitgenossen vermeiden die Auseinandersetzung mit dem Thema „Folter“ –
und Texte zu diesem Thema werden nicht gern gelesen. Es gibt allerdings auch
Ausnahmen. Manche geben Wortfolgen wie „Mädchen nackt gefesselt und gefoltert“
in die Suchmaschinen ein. Ob dies allerdings auf die Absicht schließen lässt, sich
ernsthaft mit dem Thema „Folter“ zu beschäftigen, darf bezweifelt werden.
Außerhalb sadomasochistischer Phantasiewelten ist die Folter Tabu. Wer sich als
Gefolterter zu erkennen gibt, läuft Gefahr, wie ein Aussätziger behandelt zu werden.
Ein lieblos behandelter Hund macht eher Schlagzeilen als ein gefolterter Mensch.
Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Folter auch im 21. Jahrhundert nach
wie vor zum Alltag auf unserem Planeten gehört. Zyniker behaupten, hinsichtlich der
Folter unterschieden sich die Staaten im wesentlichen dadurch, dass die einen es
zugeben und die anderen nicht. Dies ist natürlich heillos übertrieben und
selbstverständlich lehnt der eigene Staat die Folter immer ab.
Und so würde ich dem Leser die Auseinandersetzung mit dem Thema „Folter“ auch
gern ersparen. Doch das geht nicht. Der Schmerz ist das schärfste Schwert zur
Spaltung der Persönlichkeit – und daran hat sich seit Jahrhunderten auch im Zeitalter
der modernen Technik nichts geändert. Die Folterer sind selbstverständlich „immer
die anderen“; doch „die anderen“ könnten unsere Nachbarn sein.
1963 veröffentlichte der amerikanische Psychologe Stanley Milgram seine berühmte
Untersuchung zum menschlichen Gehorsam. Zufällig ausgewählte
Durchschnittsamerikaner nahmen an diesen Experimenten teil. Sie bekamen dafür
4,50 Dollar. Es wurde ihnen mitgeteilt, dass sie das Geld nur für ihr Erscheinen im
Versuchslabor erhielten und unabhängig davon, was weiter geschehe, auf jeden Fall
behalten dürften. Bei dem Experiment ging es angeblich um die Wirkung der Strafe
beim Lernen. Dies jedenfalls wurde den Versuchspersonen erzählt. In Wirklichkeit
aber wurde die Bereitschaft zum Foltern erforscht.
Die Versuchsperson sollten die Rolle des Lehrers übernehmen. Die Schüler
kooperierten mit den Versuchsleitern, doch davon wussten die Versuchspersonen
natürlich nichts. Die angeblichen Schüler wurden auf einen Stuhl gefesselt. Eine
Elektrode wurde an ihren Handgelenken befestigt. Den Versuchspersonen wurde
suggeriert, die Elektrode sei mit einem Stromgenerator in einem Nebenraum
verbunden.
Die „Lehrer“ erhielten nun den Auftrag, den „Schülern“ bei einer falschen Antwort
einen Elektroschock zu verabreichen. Außerdem sollten sie den Schock nach jeder
falschen Antwort verstärken, indem sie die Intensität des Stromstoßes an ihrem
„Schockgenerator“ eine Stufe höher stellten.
Die „Schüler“ reagierten entsprechend mit abgestuften Schmerzäußerungen. Gab
eine Versuchsperson ein Zeichen, dass sie nicht mehr weitermachen wolle,
antwortete der Versuchsleiter mit einer Reihe von Antworten, die immer stärkeren
psychischen Druck auf die vermeintlichen Lehrer ausübten. Sobald das
„Schockniveau“ 300 Volt erreichte, hämmerten die Schüler unter Anzeichen
extremen Schmerzes gegen die Wand, an der sie – auf ihren Stuhl gefesselt –
saßen.
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Nur fünf der vierzig Versuchspersonen weigerten sich, den Befehlen des
Versuchsleiters über das 300-Volt-Niveau hinaus zu gehorchen. Weitere
Versuchspersonen stellten ihre Kooperation bei noch höheren „Stromstärken“ ein.
Insgesamt brachen ca. 35 Prozent das Experiment vorzeitig ab. Der Rest gehorchte
den Versuchsleitern bedingungslos, wenngleich zumeist unter extremem Stress.384
Wir würden dieses Experiment aus heutiger Sicht als ethisch verwerflich beurteilen,
weil es auf einer Täuschung der Versuchspersonen beruht.
Dank dieses Experiments ahnen wir aber, dass es gar nicht so schwer sein dürfte,
Menschen zu finden, die bereit sind, Elektroschocks zur absichtlichen
Persönlichkeitsspaltung auszuteilen. Den Versuchspersonen in Milgrams Experiment
wurde, wenn sie aufhören wollten, mitgeteilt, dass sie im Interesse des
wissenschaftlichen Fortschritts weitermachen müssten.
Wäre die Kooperationsbereitschaft nicht noch wesentlich stärker, wenn die
Stromstöße angeblich im Interesse der nationalen Sicherheit erteilt werden müssen?
Wenn es darum geht, Terroranschläge zu verhindern? Wenn dies zur
Bewusstseinskontrolle unbedingt erforderlich ist? Wenn feindliche Nationen auf
diesem Gebiet offenbar bereits die Nase vorn haben?385
Die Bereitschaft zum Foltern ist im übrigen nicht nur auf den
„Durchschnittsamerikaner“ beschränkt. Auch in anderen Ländern wurde Milgrams
Experiment mit ähnlichen Ergebnissen wiederholt.386
Natürlich erklärt Milgrams Experiment nicht das Verhalten berufsmäßiger Folterer,
diese werden systematisch ausgebildet. Aber es zeigt, wie groß das Reservoir für
den Folterer-Nachwuchs ist. So ergab z. B. eine griechische Studie zur Folter
während der Militärdiktatur, dass aus ganz normalen Leuten durch ein System von
Zuckerbrot und Peitsche bestialische Folterer gemacht werden können.387 1979
wurde Stanley Milgram in der CBS-Nachrichtensendung „Sixty Minutes“ gefragt, ob
er sich vorstellen könnte, dass Verbrechen wie jene der Nazis in den
Konzentrationslagern auch in den Vereinigten Staaten geschehen könnten. Er
antwortete, dass man das Personal für derartige Todeslager in jeder mittelgroßen
amerikanischen Stadt finden könne.388
Kindesmisshandlung ist auch eine Form der Folter. Niemand weiß genau, wie viele
Kinder misshandelt werden; aber die Experten sind sich einig, dass die Dunkelziffer
groß ist.389 Die Dunkelziffer ist auch das Ergebnis der Tatsache, dass viele Menschen
einfach wegsehen. Über Folter zu sprechen, ist Tabu. Über das Foltern von Kindern
zu reden, ist verschärft Tabu. Dieses Tabu schützt natürlich auch die Täter, die
Kinder einer Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung unterwerfen und
ihre kleinen Opfer dabei foltern. Um den größtmöglichen Effekt zu erzielen, müssen
die Bewusstseinskontrolleure mit den Eltern ihrer Opfer zusammenarbeiten. Die
unter den sog. Durchschnittsbürgern weit verbreitete Bereitschaft, unter bestimmten
Bedingungen zu foltern, hilft ihnen, kooperationsbereite Eltern zu finden.
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Die Folterprofis
Selbstverständlich ist die Spaltung der Persönlichkeit, unterstützt durch fachgerechte
Folter, keine Aufgabe, die Laien erfolgreich bewältigen könnten. Daher ist die
Mitwirkung von Ärzten und Psychologen natürlich unerlässlich. Der argentinische
Arzt Cesar A. Chelala berichtete in der Zeitschrift „World Health“ über das Schicksal
eines Freundes, des Pianisten Miguel Angel Estrella: „Nach seiner Entlassung aus
dem Gefängnis ... sagte er: ‚Sie (die Folterer) konzentrierten sich wie Sadisten auf
meine Hände. Sie jagten Elektrizität unter meine Nägel, ohne Unterlass, und später
hängten sie mich an meinen Armen auf. Nach zwei Tagen der Folter hatte ich
Schmerzen am ganzen Körper. Als ich zum letzten Mal gefoltert wurde, drohten sie
mir, sie würden meine Hände mit einer Kettensäge abtrennen, Finger für Finger, und
dann würden sie mich töten...’“390
Chelala lässt keinen Zweifel daran, dass die raffinierteren Foltermethoden nur mit
Hilfe von Ärzten und Psychologen verwirklicht werden könnten. Er zitiert die Aussage
eines Mitgefangenen Estrellas, des Architekturstudenten Alvaro Jaume. Dieser sei
vor der Folter von einem Arzt untersucht worden. Der Mediziner habe Jaume über
seine Familie befragt, über chronische und akute Erkrankungen, über alle Teile
seines Körpers, die wegen einer vorherigen Erkrankung empfindlich sein könnten.
Jaume glaubte, dass diese Informationen dazu führen würden, dass er weniger hart
gefoltert werden würde. Doch unter der Folter erkannte er dann den wahren Grund
für das Interesse des Arztes, als er dessen Stimme hörte: „Das ist schon in Ordnung,
ihr könnt weitermachen!“391
Es versteht sich von selbst, dass die zur Verfeinerung dieser Foltermethoden
notwendige Forschung nicht an Universitäten oder privaten Forschungszentren
realisiert werden kann. Diese Forschungen können natürlich nur in geheimen
Einrichtungen stattfinden, die sich vor Entdeckung schützen können. Eine derartiges
Folterforschungslabor gab es offenbar in der berüchtigten Colonia Dignidad. Gero
Gemballa zitiert in seinem Buch über diese Niederlassung deutscher Sektierer in
Chile einen Menschenrechtsbericht der Vereinten Nationen aus dem Jahr 1976.
Hier heißt es: „Die Colonia Dignidad befindet sich auf dem Weg zu den heißen
Quellen von Catillo, in Parral, 400 Kilometer südlich von Santiago, in der Provinz
Linares. Es handelt sich um eine landwirtschaftliche Siedlung, von der es heißt, sie
sei praktisch eine Stadt, mit Schulen, Krankenhäusern und der notwendigen
Infrastruktur für 500 Personen. Nach Zeugenaussagen wurden in der Colonia
Dignidad Häftlinge verschiedenen ‚Experimenten’ ohne irgendwelche Befragung
unterworfen: Hunde, die darauf dressiert sind, sexuelle Aggressionen zu begehen
und die Geschlechtsorgane von Männern und Frauen zu zerstören; ‚Versuche’ über
die Grenzen der Belastbarkeit mit verschiedenen Foltermethoden (Schläge,
Elektroschocks, Aufhängen, usw.); Experimente, um die Häftlinge geistig zu
zerbrechen; lange Perioden von Isolierung und andere unmenschliche Bedingungen.
Zu vermerken ist noch, dass in diesem Lager die Gefangenen angeblich nichts von
ihren Wärtern hören außer den Befehlen zur Folter. In der Colonia Dignidad scheint
es ein besonderes Folterzentrum in einem unterirdischen Ort mit spezieller
Ausrüstung zu geben, wo es kleine, hermetisch abgeschlossene Gefangenen-Zellen
gibt. Den Häftlingen werden Leder-Kapuzen über den Kopf gezogen und mit
chemischen Klebemitteln an das Gesicht geklebt. Angeblich werden in diesen Zellen
Verhöre über eine Sprechanlage durchgeführt, während die Gefangenen nackt an
Metallroste gefesselt sind und Elektroschocks empfangen.“392
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In der Colonia Dignidad wurden also keineswegs nur die physischen Wirkungen der
Folter erforscht. Die psychologischen Aspekte wurden als ebenso wichtig erachtet.
So wurde zum Beispiel während der Folter Tschaikowsky-Musik gespielt. Später
wurde getestet, ob die Erinnerung an die Folter später beim anhören dieser Musik
ohne Folter die Hautwiderstandskurven ansteigen ließ.393
Man kann sich vorstellen, dass die Geheimdienste und die politischen Polizeien
brutaler Diktaturen Ausbildungsstätten unterhalten, in denen zukünftigen Folterern
die psychologischen und medizinischen Grundlagen ihres Handwerks vermittelt
werden. Es mag überraschen, dass sich mitten in den Vereinigten Staaten, in Fort
Benning im Bundesstaat Georgia eine Armee-Schule befindet, deren Zöglinge in den
Künsten des Folterns unterrichtet wurden. Es handelt sich dabei um die „School of
the Americas“. In dieser Schule wurden Zehntausende von Soldaten und Polizisten
aus Lateinamerika ausgebildet. Unter dem massiven Druck von
Bürgerrechtsbewegungen und religiösen Gruppen musste das Pentagon 1996 sechs
spanischsprachige Lehrbücher der „School of the Americas freigeben, die dort bis
1991 verwendet wurden. Diese Manuale beweisen, dass den Absolventen dieser
Schule auch Foltermethoden beigebracht wurden.394 Die Lehrpläne beruhten offenbar
auf einer ausgefeilten wissenschaftlichen Grundlage.
Der Kommunikationswissenschaftler Christopher Simpson wies in seiner Studie zur
psychologischen Kriegsführung der Vereinigten Staaten nach, dass z. B. die CIA
über ihre Tarnorganisation „Society for the Investigation of Human Ecology“395 die
Folterforschung des „Bureaus of Social Science Research“ (BSSR) unter der Leitung
von Albert Biderman finanzierte. Diese Forschung ließ sich von der Überzeugung
leiten, dass Verhöre von Gefangenen einfach als eine Anwendung der Prinzipien
verstanden werden könnten, die durch die allgemeine Kommunikationsforschung
herausgearbeitet worden waren.396
Es erübrigt sich, die Frage zu stellen, ob die CIA, Teile der amerikanischen
Streitkräfte oder andere US-Behörden nicht nur das Foltern gelehrt und erforscht,
sondern selbst gefoltert haben. Wer Tennis unterrichtet, muss selbst einmal das
Tennis spielen gelernt haben. Warum sollte dies beim Foltern anders sein?397
Nach Recherchen der Journalisten Egmont R. Koch und Michael Wech soll der CIA-
Wissenschaftler Frank Olson zu seinem Freund Norman Cournoyer gesagt haben:
„Norm, du wärest schockiert, wenn du wüsstest, mit welchen Methoden unsere Leute
arbeiten, um Geheimnisse aus Menschen herauszuholen. Sie arbeiten mit allen
möglichen Drogen, und sie foltern mit Strom... und sie scheren sich einen Teufel,
was mit ihren Versuchsobjekten geschieht.“398
Olson kam unter merkwürdigen Umständen ums Leben. Sein Sohn Eric vermutet,
dass er von der CIA ermordet wurde, weil er zuviel wusste und zuviel redete. Davon
berichte ich in einem späteren Kapitel. Man könnte diese Erinnerungen Cournoyers,
rund ein halbes Jahrhundert nach den angeblichen Äußerungen Olsons, als
Phantasien eines alten Mannes abtun. Doch eine Reihe der mutmaßlichen Opfer von
CIA-Gehirnwäscheprojekten behauptet, mit Elektrizität gefoltert worden zu sein. Und
damals wie heute war jedem Experten klar: Ohne Folter gibt es keine effektive
Gehirnwäsche und erst recht keine Bewusstseinskontrolle durch
Persönlichkeitsspaltung zur Erzeugung eines Mandschurischen Kandidaten.
Und die CIA, dies geht aus einer größeren Zahl von „deklassifizierten“ Akten hervor,
wollten den Mandschurischen Kandidaten schaffen – mit allen Mitteln. Welche Mittel
man dabei im Auge hatte, verrät ein Memorandum zum Projekt Artischocke aus dem
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Jahr 1952: „Der Einsatz von Hypnose mit Drogen, nach elektrischem Schock,
während des Schlafs, bei auditorischer und sensorischer Reizung, nach physischem
Zwang wie einem erzwungenen Wachzustand – all dies muss zu diesem Zweck
erforscht werden.“399 Bei aller Vorsicht in der Interpretation dieser Akten dürfte es
doch wohl keinen Zweifel daran geben, dass es sich bei diesem physischem Zwang
(„physical duress“) wohl um einen Euphemismus für Folter handelt.
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Satans Opferlamm
Das Thema „Folter“ steht im Mittelpunkt aller Berichte über den „satanisch rituellen
Missbrauch“. Beim satanisch rituellen Missbrauch werden häufig alle Methoden der
systematischen Persönlichkeitsspaltung und Dressur der Persönlichkeitsfragmente
eingesetzt, die wir bisher schon beschrieben haben. Das Besondere daran ist, dass
die entsprechenden Maßnahmen von mutmaßlichen Satanisten in angeblichen
satanischen Ritualen vollzogen werden. Es stellt sich natürlich die
Frage, ob es sich bei dieser Tätergruppe tatsächlich um Satanisten handelt oder ob
diese (zumindest zum Teil) den Satanismus nur vortäuschen, um ihre Spuren zu
verwischen.
Wenn sich ein Bewusstseinskontrolleur hinter einer Teufelsmaske verbirgt, wenn er
ein Kind vergewaltigt und foltert, dann wird das Kind im Falle einer Wiedererinnerung
an diese traumatische Szene vielleicht behaupten: „Der Teufel hat mir sehr weh
getan da unten!“ Es ist dann leicht, derartige Berichte von Kindern als Phantasie zu
entwerten. Das Foltern von Kindern ist ein Verbrechen – und kluge Verbrecher
neigen dazu, Polizei und Justiz in die Irre zu führen. Eine wichtige Methode zu
diesem Zweck besteht darin, die Glaubwürdigkeit von Opfer und Zeugen zu
untergraben.
In diesem Kapitel möchte ich mich den Erscheinungsformen und Funktionen der
Folter im sog. satanisch rituellen Missbrauch zuwenden. Da ich mich dabei im
Zusammenhang dieses Abschnitts auf die Folter zur Persönlichkeitsspaltung
konzentrieren möchte, werde ich das „satanische Beiwerk“ soweit wie möglich
ausblenden. Man muss sich aber stets vor Augen halten, dass die Kostüme und
Masken, die Rituale und Kultgegenstände und alle anderen teuflischen Kulissen
natürlich das Erleben des gefolterten Kindes maßgeblich beeinflussen.
Wie wir bereits ausführlich analysiert haben, besteht eine wesentliche Funktion der
Folter zur Persönlichkeitsspaltung darin, die Gefolterten in einen Zustand der
transmarginalen protektiven Inhibition zu versetzen und so ihre Suggestibilität zu
steigern. Ein Beispiel aus der Praxis des Klinischen Psychologen James Randall
(„Randy“) Noblitt mag dies verdeutlichen: Eine von Noblitts Patientinnen, eine
multiple Persönlichkeit, sprach während einer Therapie-Sitzung plötzlich mit
kindlicher Stimme und identifizierte sich als die vierjährige „Kathy“. Kathy sagte, das
sie Menschen in einem Haus sehen könne. In diesem Haus war es sehr dunkel. Die
anderen Menschen in diesem Haus trugen schwarze Roben mit Kapuzen, die ihren
Kopf vollständig bedeckten. Sie selbst lag gefesselt auf einem Tisch. Sie trug eine
leichte weiße Robe ohne Kapuze. Jemand schnitt mehrfach mit einer Rasierklinge in
ihren Arm. Bei jedem der schmerzhaften Schnitte sagte er: „Tiefer und tiefer und
tiefer“. Noch stärker als ihr Schmerz war Kathys überwältigende Furcht. Sie
berichtete auch von sexuellem Missbrauch. Bei jedem Stoß mit dem Penis sprach
der Täter: „Tiefer und tiefer und tiefer“.400
Wir erinnern uns, dass der Hypnotisand in einem tiefen Trancezustand den Willen
des Hypnotiseurs als seinen eigenen akzeptiert. Dies ist natürlich auch die Absicht,
die sich mit der Trancevertiefung durch Folter verbindet. Dem Opfer wird das Gefühl
vermittelt, es sei den Tätern vollständig ausgeliefert und habe keine Chance zu
entkommen. Als sie ein kleines Kind war, berichtete eine Betroffene, schob ihr ihre
Mutter ein Messer in die Vagina und verschmierte das Blut über ihren ganzen
Körper. Die anwesenden Kultmitglieder suggerierten ihr, sie sei „Satans
Opferlamm“.401
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Die Spaltung der Persönlichkeit des Kindes ist eine natürliche Reaktion auf extrem
sadistischen Missbrauch: Jenny wurde auf den kalten Stein des Altars gelehnt. Sie
wusste, was auf sie zukam. Das Grauen war so groß, dass die Teilpersönlichkeit
Sandra hervorgerufen wurde und an Jennys Stelle trat. Als das Ritual seinen
Höhepunkt erreichte und der Priester das weiße Leinen öffnete, in das Sandra
gewickelt ist, spaltete sich Selena ab. Selena fühlte nichts, während der scharfe
Dolch zwischen ihren Beinen schnitt, sie schmeckte nichts, als ihr der Priester das
eigene Blut zu trinken gab. Nach Beendigung des Rituals kehrte Jenny zurück. Sie
hatte zuvor zwei Kinder auf dem Altar liegen sehen. „Die Kinder waren ihr vertraut.
Sie fühlte sich mit ihnen verwandt, doch sie war sich nicht bewusst, dass diese
Kinder Teile von ihr waren.“402
Die Schwester der Folter ist der Mord. Paul Bonacci, ein amerikanisches Opfer
rituellen Missbrauchs, berichtet, dass er zunächst zum Geschlechtsverkehr mit einem
anderen Jungen gezwungen wurde. Danach drang ein Mann mit einem sehr großen
Geschlechtsteil in den anderen Jungen ein. „Der Junge blutete aus dem Darm, und
der Mann warf ihn neben mich, nahm eine Pistole und schoss dem Jungen den Kopf
weg.“ Schließlich erhielt Paul den Befehl, anal mit dem toten Kind zu koitieren.403
Die Opfer werden gezwungen, Zeuge von Morden Gleichaltriger zu sein, um die
Angst vor der Folter zur Angst davor zu steigern, zu Tode gefoltert zu werden. Diese
Angst wird dann in der Regel durch die absichtliche Erzeugung einer
entsprechenden Erinnerungsbarriere tief ins Unbewusste eingepflanzt. Der
unermessliche Schrecken verstärkt die durch Hypnose, Drogen und Elektroschocks
hervorgerufene selektive Amnesie für die Mordtat.
Mitunter folgt der Ermordung die Verspeisung des Getöteten.404
Eine weitere Steigerung der Angst vor dem Tod ist das Erleben einer Nahtod-
Erfahrung. Ein Opfer satanisch rituellen Missbrauchs, Angela Lenz berichtete, dass
sie bei lebendigem Leib begraben wurde. „Ihre erste Wahrnehmung: Ich werde mit
Erde zugeschüttet. Ich kann mich nicht bewegen. Ganz viel Erde auf meinen Beinen.
Auf meinen Armen. Meiner Brust. Ich muss sterben. Ich kann nichts sehen. Sand in
meinen Augen.“ Mit der nächsten Schaufel landet Sand in ihrem Mund. Sie kann
nichts mehr sehen, nichts mehr hören. Sie beginnt zu ersticken. Im letzten Moment
wird sie ausgegraben.405
Der psychologische Sinn dieser Maßnahme ist eindeutig. Die Todesangst erzeugt
eine transmarginale protektive Hemmung und sorgt für die maximale Suggestibilität
des Opfers nach seiner „Rettung“. Der „Retter“ hat dann in der Regel die Aufgabe,
das Opfer zu indoktrinieren.
Die äußerste Steigerung der Folter zur Persönlichkeitsspaltung besteht allerdings
darin, den Gefolterten zu zwingen, selbst andere Opfer zu Tode zu foltern und zu
ermorden. Sehr eindrucksvoll beschreibt der amerikanische Spezialist für Multiple
Persönlichkeitsstörungen, Harvey L. Schwartz die psychologischen Auswirkungen
dieses Zwangs. Einige seiner Patienten waren gezwungen worden, an Ritualmorden
und an den Zerstückelungen der „geopferten“ Kinder teilzunehmen. Voller Scham
und zögernd beschrieben sie ihre Wort auf die Opfer, die nicht schnell genug
starben.
„Wut auf die Täter war nicht möglich. Diese Möglichkeit wurde ausgelöscht, lange
bevor die Kinder zum Töten trainiert wurden. Langsame Tode der „Geopferten“
erzeugten gesteigerten Stress, Schock, Schuldgefühle bei den Kindern, die zu
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diesen Tötungen gezwungen wurden. Und diese Gefühle wurden durch die Kritik der
Täter verstärkt, wenn diese die Tötungstechnik des Kindes monierten und die
Selbsteinschätzung des Kindes als böse und/oder inkompetent verfestigten. Die
Täter definierten das abzuschlachtende Kind als Feind und als eine Ursache des
Leidens der kindlichen Mörder. Die Opfer verdienten daher den Tod.“ Es sei daher
nicht verwunderlich, dass die zum Mord gezwungenen Kinder alternative
Persönlichkeiten entwickelten, die keine Gefühle hatten bezüglich des Ermordens
von Kindern – mit Ausnahme, vielleicht, von Stolz.406
Es handelt sich bei diesen Folterungen, die den Kern des sog. rituellen Missbrauchs
bilden, also keineswegs um willkürliche Grausamkeiten, die von Sadisten aus
pseudo-religiösen oder kultischen Gründen begangen werden. Es wird deutlich, dass
diese Folterungen alle auf ein Ziel zentriert sind, nämlich auf die Spaltung der
Persönlichkeit und die systematische Dressur der Persönlichkeitsfragmente.
In einem der folgenden Kapitel werde ich das Thema des rituellen Missbrauchs, das
ich hier nur unter dem Aspekt der Folter beleuchtet habe, noch einmal aufgreifen.
Es bleibt festzuhalten, dass die angeblich satanischen Bewusstseinskontrolleure
dieselben Mittel und kommunikativen Strategien benutzen wie eine zweite
mutmaßlich Tätergruppe: Psycho-Experten in den Geheimdiensten und militärischen
Spezialabteilungen. Dies bedeutet natürlich nicht zwangsläufig, dass Uniformen zu
Vorschein kommen, wenn die Satanisten die Masken und Roben fallen lassen.
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Verdeckte Folter
Hypnose und Folter sind die elementaren Voraussetzungen jeder tiefgreifenden
Gehirnwäsche. Nur durch extremen Stress, der sich am effektivsten durch diversen
Formen der Folter erzeugen lässt, kann jener fundamentale Nervenzusammenbruch
hervorgerufen werden, der den Menschen in einen äußerst suggestiblen,
hypnotisierbaren Zustand versetzt. Unter Fachleuten beginnt sich die Einsicht
durchzusetzen, dass Hypnose ohne Einverständnis und Wissen des Hypnotisanden
möglich ist. Dies wurde lange bestritten und als „Verschwörungstheorie" oder
„Hollywood-Phantasie" belächelt.
Doch nur wenige machen sich bewusst, dass es auch verdeckte Formen der Folter
gibt. Bei manchen Terrorgruppen gehören z. B. haarsträubende Mutproben (die mit
Schmerzen und psychischen Qualen verbunden sind) zur Grundausbildung von
Selbstmordattentätern. Manche Sekten suggerieren ihren Anhängern, dass es auf
dem Weg zur Erleuchtung unbedingt erforderlich sei, stundenlang in einer
ungewohnten und höchst unbequemen Sitzhaltung zu verharren. Gehirnwäscher
sind sehr erfinderisch, wenn es darum geht, ihren Opfern das Gefühl zu geben, sie
würden sich freiwillig einer Prozedur unterziehen, die unweigerlich zu ihrer geistigen
Versklavung führt.
Edda Heiligsetzer beschreibt in einem Artikel über islamisch-fundamentalistische
Terroristen in Israel, mit welchen Methoden in der Ausbildung von
Selbstmordattentäter der HAMAS extremer Stress erzeugt wird. Die Kandidaten
nehmen an dieser Ausbildung „freiwillig“ teil – aus glühender religiöser Überzeugung,
die ihnen zuvor freilich eingeimpft wurde: „Im praktischen Teil des
Rekrutierungsprozesses werden den Selbstmordattentätern verschiedene Aufgaben
gestellt, in denen sie ihre Zuverlässigkeit, ihren Mut oder ihre Verschwiegenheit unter
Beweis stellen müssen. Dazu gehören so makabre Tests wie die Beerdigung bei
lebendigem Leib... Waffenschmuggel, Autodiebstahl, Fälschen von Ausweisen und
Ähnliches sind da nur die ‚harmloseren Varianten.“ Bei diesen Prüfungen gehöre die
Lebensgefahr sozusagen zum Prüfungsstoff.407
Wir erkennen unschwer, welches Ziel die Ausbilder hier verfolgen, sofern die
überwiegend aus israelischen Quellen stammenden Berichte, auf die sich
Heiligsetzer stützt, den Tatsachen entsprechen: Die Ausbilder wollen das
Nervensystem der Prüflinge in den Zustand der transmarginalen protektiven
Inhibition versetzen, um es für die ultimative Indoktrination zu öffnen. Vermutlich
kommt keiner dieser Lehrlinge des Todes auf die Idee, dass er gefoltert wird. Er wird
dennoch früher oder später jenen totalen Nervenzusammenbruch erleiden, durch
den der Boden vorbereitet wird für die tödliche Saat.
In den folgenden Kapiteln werde ich das Thema der Bewusstseinskontrolle in Sekten
und religiös motivierten politischen Kulten, das ich hier nur unter dem Aspekt der
Folter beleuchtet habe, umfassend analysieren.
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Teil 4: Bewusstseinskontrolle in Kulten
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Satanisch Ritueller Missbrauch
In ihrem Buch „Vater unser in der Hölle“ erzählt Ulla Fröhling die Geschichte von
Angela Lenz (ein Pseudonym). Angela Lenz ist eine Multiple Persönlichkeit, die in
ihrer Kindheit durch sexuellen Missbrauch, Folter und Hypnose gespalten worden
war. Zu den Tätern zählte ihr Vater, der offenbar einer geheimen Satanisten-Sekte
angehörte. Der Vater kooperierte mit einem gewissen „Onkel Paul“, der scheinbar
einer der Hypnose-Spezialisten der Sekte war.
Nachdem sich Angela Lenz als erwachsene Frau einer Therapie unterzogen hatte,
erinnerte sie sich wieder an die Methoden von Onkel Paul:
„Meine Eltern waren verreist, und wir408 kamen zu Onkel Paul in Obhut. Am ersten
Abend brachte er uns und seine Tochter in den Keller. Er fesselte uns auf Stühle, an
Hände und Füße band er Metallplättchen, die mit Draht mit einem Kasten verbunden
waren. Beim ersten Stromschlag entstand Emma. Er hypnotisierte sie:
„Du wirst alles, was Du siehst und hörst, wieder vergessen.
Du weißt nichts davon, redest nie darüber.
Du vergisst alles.
Dir fehlt die Zeit und die Erinnerung bei allem, was ich tue.
Das wiederholte er an den nächsten Tagen. Emma bekam Spritzen und
Stromschläge, und Onkel Paul gab ihr folgendes ein:
Ich bin dein Meister.
Du tust alles was ich dir sage.
Du hörst nur auf mich.
Du bist die Katze und keiner außer mir kennt dich.
Katzen sind leise, heimlich, beobachten alles, sind bei Gefahr sehr schnell. Er
wusste, dass es so was wie Gehirnspaltung gibt, er sagte immer: Ich rede mit allem,
was ich in dir erreiche.
Mit viereinhalb nahm uns Onkel Paul zu einem Kurzurlaub mit. Dort verlangte er bei
seiner Tochter und uns nach den Katzen. Er frischte die Codes auf und gab neue
dazu.
Wenn Du jemals redest, wirst du dich selber umbringen.
Es wird dir schlecht gehen und du wirst sterben.
Du wirst niemals reden.“409
„Onkel Paul“ verstärkte und vertieft die hypnotisch induzierte Persönlichkeitsspaltung
durch Elektrofolter und Drogen. Er folgte dabei einer Methode, die auch in
zahlreichen anderen Fällen beschrieben wurde und die offenbar weltweit verbreitet
ist.
Nimmt man die Erinnerungen mutmaßlicher Opfer ernst, so wird die absichtliche
Spaltung der Persönlichkeit von Kindern und die anschließende Dressur der
Persönlichkeitsfragmente in verschiedenen Varianten des gleichen Grundmusters
praktiziert. Eine dieser Varianten ist mit Schwarzen Messen und anderen
satanischen Ritualen bzw. kultischen Handlungen verbunden. Diese Variante wird
daher als „Satanisch Ritueller Missbrauch“ bezeichnet.
Die Opfer berichten u. a. folgende Formen des Missbrauchs410:
Sie wurden in Käfige oder „Gefängnisse“ eingesperrt.
Ihnen wurde erzählt, dass Eltern oder Geschwister getötet würden, wenn sie
die Täter verrieten.
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Sie wurden in Särgen lebendig begraben.
Sie wurden mit dem Kopf unter Wasser gedrückt.
Sie wurden mit Pistolen und Messern bedroht.
Sie wurden unter Drogen gesetzt.
Sie wurden während des Missbrauchs gefilmt oder fotografiert.
Sie wurden mit dem Kopf nach unten auf einen „Stern“ gefesselt, an einen
Pfosten oder Haken gehängt, mit Kerzen verbrannt.
Die Täter trugen schwarze Roben und Masken.
Sie mussten an vorgetäuschten Hochzeiten teilnehmen.
Die Täter urinierten oder defäkierten auf sie.
Sie mussten beobachten, wie Tiere getötet wurden.
Sie mussten beobachten, wie andere Kinder gefoltert oder sexuell missbraucht
wurden.
Sie wurden Zeuge, wie Kinder und Säuglinge getötet wurden.
Es wurde Blut über ihren Kopf gegossen.
Sie wurden an andere Orte (Kirchen, Friedhöfe etc.) gebracht und dort rituell
missbraucht.
Die Entwicklungspsychologin Susan J. Kelley untersuchte die Stressreaktionen von
Kindern, die in Kindertagesstätten sexuell und/oder rituell missbraucht wurden. Zum
Vergleich zog sie eine Kontrollgruppe mit Kindern ohne diese Erfahrungen heran.
Insgesamt wurden 134 Kinder in die Studie einbezogen (32 sexuell Missbrauchte, 35
rituell Missbrauchte, 67 Kontrollgruppen-Kinder).
Die sexuell bzw. rituell missbrauchten Kinder wurden durch national das
Rechtssystem, eine Elternorganisation sowie durch Agenturen für geistige
Gesundheit rekrutiert. Die Kontrollgruppen-Kinder wurden über drei
Kindertagesstätten und zwei öffentliche Schulsysteme ausgewählt.
In 92 % der Missbrauchsfälle wurde Anklage erhoben. In 80 % der Fälle, bei denen
es zu einer Anklage kam, wurden ein oder mehrere Täter verurteilt. In den
verbleibenden Fällen führten 5 % zum Freispruch, bei 7 % wurden die Anklagen
zurückgezogen und in weiteren 5 % waren die Prozesse zum Zeitpunkt der Studie
noch nicht abgeschlossen. Die Studie ergab u. a. folgende Befunde:
74 % der rituell missbrauchten Kinder wurden gezwungen, Drogen einzunehmen.
71,4 % wurden während der Rituale gefesselt. 71,4 % wurden vaginal und 66.7 anal
penetriert. 68,6 wurden geschlagen. Alle rituell missbrauchten wurden bedroht (mit
dem eigenen Tod, mit der Ermordung der Eltern, der Geschwistern). In 100 % der
Fälle behaupteten die Täter, übernatürliche Kräfte zu besitzen.
Die rituell missbrauchten Kinder wurden wesentlich häufiger Opfer dieser oder
ähnlicher Gewalttaten als die nur „sexuell“ missbrauchten Kinder. Entsprechend litten
sie auch deutlich stärker unter Verhaltensstörungen. Bei den Kontrollgruppen-
Kindern fanden sich, wie kaum anders zu erwarten, erheblich weniger
Verhaltensprobleme als bei den missbrauchten Kindern.411
Die schrille, abgründige, grausame, verruchte, teilweise auch phantastische und
märchenhafte Welt des Satanismus fesselt natürlich das Interesse und kann dabei
leicht vergessen machen, dass der Satanismus kein Wesensbestandteil der
Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung ist. Diese benötigt zwar stets
ein ideologisches Referenzsystem, das die Suggestionen verstärkt und ihnen Sinn
verleiht. Aber dieses Referenzsystem muss nicht unbedingt ein satanistisches sein.
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Wie im Fall Palle Hardrups gezeigt, kann z. B. eine fiktive fernöstliche Yoga-Lehre
denselben Zweck erfüllen.
Es ist daher natürlich auch denkbar, dass einzelne Täter gar keine Satanisten sind,
sondern den satanistischen Zusammenhang zur Tarnung nur arrangieren. Es wäre
aus der Sicht der Täter sicher klug, einen wüsten Glaubenskrieg zwischen wahren
Gläubigen und Skeptikern in Sachen „Satanisch Ritueller Missbrauch“ zu entfachen,
verhindert dieser doch zuverlässig eine sachliche Diskussion des Themas
„Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung“ in der Öffentlichkeit.
Die Berichte der mutmaßlichen Opfer enthalten in der Regel zwei Klassen von
Informationen: Informationen über spezifische Merkmale eines Kultes und
Informationen, die sich auf die Methodik der Bewusstseinskontrolle durch
Persönlichkeitsspaltung beziehen. Letztere lassen stets dasselbe Grundmuster
erkennen. Die spezifischen Informationen variieren zwischen den Kulten; innerhalb
der Kulte erreichen sie einen hohen Grad der Übereinstimmung. Diese
Übereinstimmung kann nur zum Teil dadurch erklärt werden, dass sie
kultspezifischen Stereotypen (bei Satanisten z. B. Geschlechtsverkehr auf Altar)
entspricht. Es handelt sich teilweise auch um sehr konkrete Details, die sich nicht in
der populären Literatur finden, über die oft auch nie etwas veröffentlicht wurde.412
Der Psychiater und Satanismus-Experte Colin Ross schreibt: „Um einige der Details
durch irgend eine andere Hypothese als die der Realität des Kults zu erklären,
müsste den multiplen Persönlichkeiten gezielte Recherchen in Archiven zum Zwecke
der Konstruktion falscher Erinnerungen unterstellen.“413
Dasselbe gilt für die spezifischen Informationen, die sich auf
Bewusstseinskontrolltechniken beziehen. Die mutmaßlichen Opfer satanischer Kulte
besitzen hier oft eine so detailreiche und umfassende Kenntnis, die sich nicht der
ohnehin spärlichen populären und erst recht nicht der selten sehr präzisen
Fachliteratur entnommen haben können. Diese Auffassung vertrat auch die
Psychiaterin und Juristin Judianne Densen-Gerber in einem Interview mit dem Kult-
Experten Daniel Ryder: „Die Geschichten über verschiedene Aspekte der Kult-
Rituale sind weitgehend dieselben, ob das nun jemand aus Melbourne, Australien ist
oder aus Vermont, Utah... Dies veranlasst mich zu glauben, dass die Kulte nicht nur
überall sind, sondern das viele wegen dieser Übereinstimmungen auch vernetzt
sind.“414
Der Experte für Rituellen Missbrauch und Destruktive Kulte, der Psychologe James
Randall Noblitt berichtet ebenfalls frappierende Übereinstimmungen des Verhaltens
und der Vorgeschichte seiner rituell missbrauchten Patienten; er schreibt: „Diese
Menschen hatte in der Regel keinen vorherigen Kontakt miteinander, kamen aus
unterschiedlichen geographischen Gebieten, kulturellen Hintergründen, Religionen,
sozioökonomischen Schichten und Generationen. Doch, trotz der Unterschiede,
beschrieben sie Geschichten mit denselben oder ähnlichen rituell traumatisierenden
Ereignissen und sie besaßen ähnliche verinnerlichte Systeme alternativer
Identitäten.“415
Dieser hohe Grad der Übereinstimmung wird nicht nur von Psychotherapeuten
berichtet, er zeigte sich auch in den empirischen Untersuchungen Pamela
Hudsons416 (bei Kindern) und der Arbeitsgruppe um W. C. Young417 (bei
Erwachsenen).
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Man könnte natürlich argumentieren, dass die Psychotherapeuten ihren Klienten
dieses Erfahrungen aus welchen Gründen auch immer suggeriert hätten. Doch eine
historische Analyse der Entwicklung lässt eher darauf schließen, dass umgekehrt die
Kenntnisse der Psychotherapeuten von ihren Klienten stammen. Die meisten
Therapeuten hatten vermutlich noch nie etwas von diesen schauerlichen
Sachverhalten gehört oder gelesen, bevor sie zum erstenmal damit konfrontiert
wurden.
So schreibt Ross: „Als ich in einer normalen Mittelklasse-Nachbarschaft in Winnipeg
in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren aufwuchs, gab es keine Drogen,
Gangs, AIDS, Kulte, Satanisten oder Morde, und niemand meiner Freunde stammte
aus zerbrochenen Familien oder geschiedenen Ehen. Kulte wurden niemals erwähnt
oder besprochen. Nun lebe ich in einer Welt, die von destruktiven Kulten
heimgesucht wird, die tausend fanatischen Doktrinen anhängen, in einer Welt, in der
die „Branch Davidians“ in Waco scheinbar zum Alltagsleben gehören. Ich betrachte
die Ereignisse in der Welt heute aus einer anderen Perspektive, und ich denke
Gedanken, die ich vor zehn Jahren (also ca. 1985) niemals auch nur für eine
Millisekunde erwogen hätte.“418
Ähnliche Erfahrungen berichtet der Psychologe James Randall Noblitt, einer der
führenden Experten für „Satanisch Rituellen Missbrauch“. In den frühen achtziger
Jahren habe er seine psychologische Praxis aufgebaut. Sein Arbeitsschwerpunkt war
schwer selbstschädigendes Verhalten. Mit der Zeit enthüllten einige dieser Patienten,
sie seien bizarren Bewusstseinskontrolltechniken unterworfen gewesen. Diese
Techniken hätten keinerlei Ähnlichkeit mit dem besessen, was an den Universitäten
in Klinischer Psychologie gelehrt wird. „Diese Patienten beschrieben Erfahrungen
ritueller Folter, die Amnesien verursachte, zu mentaler Zersplitterung führte sowie
veränderte Bewusstseinszustände und eine besondere psychiatrische Störung, die
Multiple Persönlichkeitsstörung, hervorrief. Meine erste Reaktion auf diese
Behauptungen war Unglaube. Ich sah keinen Grund, diese Behauptungen ernst zu
nehmen. Schließlich spinnen psychiatrische Patienten, wie wir alle, hin und
wieder.“419
Dann aber hätten Konsultationen bei Kollegen ergeben, dass auch diese Patienten
mit vergleichbaren Geschichten behandelt hatten.
Dass Noblitts Reaktion keineswegs untypisch ist, zeigt eine amerikanische
Längsschnittstudie: In der Regel waren die Psychotherapeuten, die angeblich
satanisch rituell missbrauchte Klienten behandelten, anfangs überaus skeptisch. Erst
im Verlauf der Behandlung begannen sie, die Behauptungen ihrer Klienten für wahr
zu halten.420
Bottoms, Shaver & Goodman421 befragten Anfang der neunziger Jahre in einer
nationalen Umfrage 2709 Psychologen, die Mitglied in der American Psychological
Association waren. 30 % gaben an, dass sie seit dem 1. Januar 1980 mindestens
einen Fall behandelt hatten, in dem ritueller oder religiös-bezogener Missbrauch eine
Rolle spielte. 93 % der Psychologen mit entsprechenden Erfahrungen waren
überzeugt, dass die Anschuldigungen ihrer Klienten auf Tatsachen beruhten. In einer
zweiten nationalen Umfrage interviewten Goodman, Quin, Bottoms and Shaver422
Bezirksstaatsanwälte, Mitarbeiter von Sozialdienste und Strafverfolgungsbehörden.
23 % berichteten von mindestens einem Fall von rituellem bzw. religions-bezogenem
Missbrauch.
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Noblitt & Perskin definieren „Rituellen Missbrauch“ wie folgt: "Ritueller Missbrauch
umfasst traumatisierende Verfahren, die in einer festgelegten oder zeremoniellen Art
verwirklicht werden. Dieser Missbrauch kann die tatsächliche oder simulierte Tötung
oder Verstümmelung von Tieren, die tatsächliche oder simulierte Ermordung oder
Verstümmelung von Personen, die erzwungene Aufnahme echter oder
vorgetäuschter menschlicher Körperflüssigkeiten, Exkremente oder von echten bzw.
vorgetäuschtem Menschenfleisch, erzwungene sexuelle Aktivitäten sowie Akte
einschließen, die heftige körperlichen Schmerzen verursachen oder Demütigungen
beinhalten.
Häufig sind diese missbräuchlichen Erfahrungen mit realen oder gespielten
Elementen abweichender okkulter oder religiöser Praktiken verbunden; doch dies ist
nicht immer der Fall. Einige Berichte über diese Phänomene zeigen, dass der
Missbrauch im Freien, in Wohnhäusern, in Tagesstätten, in Laboratorien,
Krankenhäusern oder auch an anderen Orten stattfinden kann. Ritueller Missbrauch
kann im Rahmen von Gruppen erfolgen, wird jedoch gelegentlich auch von einzelnen
Tätern begangen."423
Diese Definition umfasst alle Varianten der Bewusstseinskontrolle durch
Persönlichkeitsspaltung, ist aber weiter gefasst. Sie schließt auch jene Formen des
rituellen Missbrauchs ein, der um seiner selbst willen (z. B. aus sadistischen Motiven)
praktiziert wird und keine systematische Veränderung der Persönlichkeit des Opfers
beabsichtigt.
Noblitt & Perskin haben diese Definition im Rahmen eines Vorschlags einer neuen
Diagnose entwickelt, die aus ihrer Sicht in das international anerkannte
psychiatrische Diagnose-Schema DSM aufgenommen werden sollte. Für diesen
Zweck ist eine so weit gefasste Definition sicher angemessen. Sie umfasst aber eine
bunte Fülle höchst unterschiedlicher Straftaten, deren gemeinsamer Nenner letztlich
nur im extremen Sadismus und einer gewissen Kontinuität und Systematik besteht.
Es ist daher sinnvoll, neben dieser weiten auch noch eine engere Definition zu
verwenden, die sich nur auf jene Fälle bezieht, in denen die „traumatisierenden
Verfahren“ in „festgelegter oder zeremonieller Art“ mit dem Ziel der absichtlichen
Persönlichkeitsspaltung und Dressur der Persönlichkeitsfragmente verwirklicht
werden. Hier spreche ich vom „Rituellen Missbrauch zur Persönlichkeitsspaltung“.
Die unterschiedlichen Varianten des Rituellen Missbrauchs werden weltweit
praktiziert. Bei diesem Missbrauch scheint nicht selten der Satanismus mit den
entsprechenden Gegenständen, Verkleidungen und Zeremonien eine Rolle zu
spielen. Dies führte zu dem Begriff „Satanisch Ritueller Missbrauch“. Es wurde aber
auch Fälle rituellen Missbrauchs ohne satanistisches Beiwerk dokumentiert. Aber in
vielen dieser Fälle mit satanistischen Themen ist nicht klar, ob die Funktion dieses
Satanismus allein darin bestand, die Opfer (meist Kinder) in Angst und Schrecken zu
versetzen und die Spuren der (in Wirklichkeit nicht an Satan glaubenden) Täter zu
verwischen – oder ob die Täter tatsächlich von einem satanistischen Glauben
inspiriert waren.
In den meisten Fällen rituellen Missbrauchs verwenden die Täter jedoch irgend einer
Art eines Glaubenssystems. Das Glaubenssystem ist ein wesentlicher Bestandteil
der Bewusstseinskontrolle. Dabei kommt es gar nicht auf den Inhalt an, sondern auf
die Funktion des Glaubenssystems. Die Täter traumatisieren ihre Opfer, schreibt der
Psychiater Harvey L. Schwartz, um dem kindlichen Selbst die eigenen
organisierenden Phantasien und subjektiven Strukturen zu entziehen und die
Fähigkeit zum kritischen Denken zu zerstören. Sie füllen die entstehende Leere mit
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den organisierenden Strukturen und Bedeutungssystemen der Tätergruppe, also mit
ihren Ideologien und Überzeugungen, die sie mit Nahrungsmitteln, Drogen, Kleidung
und Phantasien der Macht und des Schutzes der Gruppe verbinden.424
In vielen Fällen sollten Satanismus und ritueller Missbrauch nicht als Selbstzweck
betrachtet werden, sondern als Mittel zum Zweck, als Instrumente, um wirtschaftliche
und/oder politische Ziele zu erreichen. Die Traumatisierungen, der rituelle
Missbrauch, die satanischen Ideologien und die Methodik der Bewusstseinskontrolle
dienen dazu, die Persönlichkeit des Opfers zu spalten, dissoziative Strukturen zu
kultivieren und auszubeuten. Es geht den Tätern vor allem um billige Arbeitskräfte für
hochprofitable kriminelle Aktivitäten wie Drogenhandel, Pornoproduktionen und
Prostitution.425
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Bewusstseinskontrolle in nicht-satanischen Kulten
Widerstand war undenkbar. Wer gegen die Regeln der Gemeinschaft verstieß,
musste in der Kiste schmachten. Das war eine unterirdische Kammer: 1,8 mal 1,2
Meter. Kinder, die sich falsch verhielten, wurden mit dem Kopf zuerst mitten in der
Nacht in einen Brunnen gehalten. Aus Lautsprechern war zu jeder vollen Stunde die
Stimme des Führers der Gemeinschaft zu hören.426 Der Name des Führers war Jim
Jones und die Gemeinschaft nannte sich Jonestown.
Jones, der Chef einer Sekte namens Peoples Temple, hatte 1974 ein Stück Land
von der Regierung Guyanas gepachtet und dort einen Außenposten seiner
Organisation errichtet. Als sich im Sommer 1977 die Kritik an seiner Sekte in den
Vereinigten Staaten intensivierte (ehemalige Sektenmitglieder hatten u. a. von
Misshandlungen, vorgetäuschten Wunderheilungen und schwarzen Kassen
berichtet), siedelte Jones selbst in seine Niederlassung in Guyana über, die fortan
Jonestown genannt wurde. Viele Mitglieder seiner Sekte folgten ihm in den Jahren
1977 und 1978 und Jonestown hatte zeitweilig über 1000 Bewohner.427
Jones schuf ein Kader von Killern, seine persönliche Leibgarde. Sie waren ihm
gegenüber absolut loyal. Sie stammten aus einer Gruppe von Menschen, die er seit
Jahren um sich scharte: verzweifelt Arme, Ausgebeutete, elternlose, verelendete
Kinder. Sie wurden trainiert, ohne jede Gewissensregung zu morden.428
Dass Jones Gehirnwäsche-Methoden einsetzte, wurde von zahlreichen Zeugen,
sogar von seiner Geliebten und Finanz-Managerin Teresa Buford bestätigt.429 Jones
praktizierte ein breites Spektrum bewährter Methoden der Bewusstseinskontrolle: Er
vermittelte den Gruppenmitgliedern das Gefühl, sie seien vulgär und
verabscheuenswürdig, so dass sie niemals eine Chance außerhalb der Gruppe
hätten.
Er zerstörte jede Beziehung, die der exklusiven Beziehung zu ihm im Wege stehen
könnte. Er terrorisierte die Kinder und hetzte sie gegen ihre Eltern auf. Er ließ jedes
Mitglied spüren, dass er sein Leben auslöschen konnte. Männer und Frauen wurden
regelmäßig geschlagen und gezwungen, Sex mit Jones zu haben (hinter
verschlossenen Türen) oder mit anderen Mitgliedern der Sekte (in aller
Öffentlichkeit). Ehepaaren wurde verboten, miteinander zu schlafen, aber sie
mussten mit ansehen, wie ihr Ehepartner von anderen erniedrigt und sexuell
missbraucht wurde. Jones dachte sich alle erdenklichen, oft sexuell gefärbten
Grausamkeiten aus, um die Sektenmitglieder zu demütigen. Schlafentzug und
unzureichende Ernährung dienten dazu, die Kritikfähigkeit der Sektenmitglieder zu
untergraben. Die Kinder wurden brutal geschlagen, mit Elektrizität gefoltert und
gezwungen, dass eigene Erbrochene zu essen.
Die perverseste Spielart der Bewusstseinskontrolle waren die „weißen Nächte“. So
nannte Jones das Selbstmordtraining. Sektenmitglieder erhielten angeblich
vergifteten Wein, den sie als Test ihrer Loyalität zu Jones trinken mussten. Ihr Tod,
so hämmerte der Sektenchef den Opfern ein, würde von der Welt als Zeichen des
Protestes gegen die Übel der Menschheit verstanden werden.Die im Glauben Festen
würden belohnt. Sie würden transformiert und mit ihm, Jones, nach ihrem irdischen
Tod glücklich auf einem anderen Planeten leben.430
Im Juni 1978 gibt ein abtrünniges Sektenmitglied, Deborah Layton dem San
Francisco Chronicle ein Interview. Sie beschreibt Jonestown als einen Ort mit
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bewaffneten Waffen, öffentlichen Züchtigungen und berichtet von den
Selbstmordtrainings. Im Herbst 1978 drängen Verwandten von Jonestown-
Bewohnern die Behörden, die Vorwürfe zu untersuchen. Der Kongressabgeordnete
Leo Ryan aus San Mateo erklärt sich bereit, sich in Jonestown mit eigenen Augen
von der Situation dort zu überzeugen. Ryan tritt mit seinen Begleitern am 17.
November ein. Am 18. November bitten einige Bewohner den Abgeordneten, sie aus
Jonestown heraus zu holen. Ryan entscheidet sich, den Ort zu verlassen.
Während die Gruppe auf der Landebahn des kleinen Dschungelflughafens von
Jonestown wartet, taucht plötzlich eine Gruppe bewaffneter Sektenmitglieder auf. Sie
eröffnen das Feuer. Ryan, zwei Mitarbeiter des Fernsehsenders NBC, ein Fotograf
des San Francisco Chronicle und eine zur Flucht bereite Frau werden getötet. Die
anderen Mitglieder der Delegation Ryans verstecken sich im Urwald. Jones befiehlt
seinen Anhängern, sich zu töten. Wer sich weigert, wird gezwungen, das Gift zu
nehmen. Die Kinder werden durch Injektionen ermordet.
Es wurden 914 Leichen (darunter 276 Kinder) in Jonestown gefunden, unter ihnen
der Körper von Jim Jones.431
Von Anfang an tauchten Gerüchte auf, Jonestown sei Bestandteil des berüchtigten
Gehirnwäscheprojekts der CIA, MKULTRA gewesen. So behauptete z. B. Joseph
Holsinger, der persönliche Referent und enge Freund Ryans, dass die
Gehirnwäscheexperimente der CIA nicht etwa, wie die „Agency“ offiziell mitteilte,
bereits 1973 eingestellt worden seien. Man habe sie vielmehr aus staatlichen
Krankenhäusern und Gefängnissen zur besseren Tarnung in Sekten verlagert.432
Eine dieser Sekten sei Peoples Temple gewesen. Auch Rechtsanwalt Marvin Lewis,
der die Vereinigten Staaten im Auftrag der Kinder Ryans auf drei Millionen Dollar
Schadensersatz verklagte, vertrat die Auffassung, dass Jonestown ein
Gehirnwäscheprogramm der CIA gewesen sei.433
Obwohl derartige Gerüchte bis auf den heutigen Tag nicht verstummt sind, gibt es
dafür allerdings keine Beweise. Mary Mccormick Maaga entwickelt eine alternative
Sichtweise, kann dies freilich ebenso wenig zwingend erhärten. Aus dieser Sicht war
Jones begann Jones als Visionär, der eine Überwindung von Rassengegensätzen
anstrebte und dessen Herz den schwarzen Frauen, den Alten und den
unterprivilegierten Kindern gehörte. Mit zunehmender Drogenabhängigkeit sei er
aber von seiner Auseinandersetzung mit Abtrünnigen, besorgten Eltern und Kritikern
der Sekte absorbiert worden und habe das große Ziel aus den Augen verloren. Dies
habe schließlich den Zerfall der „Bewegung“ beschleunigt.434 War das tragische
Massensterben in Jonestown nur Ausdruck der grenzenlosen Enttäuschung von
Weltverbesserern?
Untersuchungen des US-Kongresses konnten den Verdacht gegen die CIA jedenfalls
nicht bestätigen. Doch der Kongress hält bis heute einschlägige Akten mit rund 5000
Seiten Umfang geheim.435 Vor diesem Hintergrund verdient auch ein Sachverhalt aus
der Vorgeschichte Leo Ryans Beachtung, der bisher noch nicht zulänglich geklärt
wurde: Ryan hatte sich zuvor intensiv um die Aufklärung der Gehirnwäsche-
Experimente bemüht, die im Auftrag der CIA im kalifornischen Staatgefängnis für
psychisch kranke Straftäter in Vacaville realisiert wurden.
Eine der Versuchspersonen war angeblich Donald DeFreeze, der später unter
merkwürdigen Umständen (die nach Fluchthilfe rochen) aus Vacaville entkam und
die Symbionese Liberation Army (SLA) gründete. In einem Schreiben an Ryan hatte
die CIA zwar eingeräumt, dass die CIA Experimente mit Gefangenen in Vacaville
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finanziert habe. Sie könne aber nicht bestätigen, dass DeFreeze zu diesen
Gefangenen zählte.436 Der Leiter der Einheit zur Verhaltensmodifikation mit dem
Tarnnamen „Black Cultural Association“ in Vacaville, die auch DeFreeze
„behandelte“, war eine Experte für psychologische Kriegsführung der CIA, Colston
Westbrook.437
Die höchst obskure Terrorgruppe SLA entführte die Millionenerbin Patty Hearst,
Tochter des Medienmoguls Randolph Hearst, und unterzog sie einer Gehirnwäsche.
Dies wurde von den führenden Gehirnwäsche-Experten Jolyon West, Margaret
Singer, Martin Orne und Robert Jay Lifton bestätigt. Nachdem Patty Hearst von
DeFreeze „umgedreht“ worden war, beging sie Straftaten, wurde gefasst und
verurteilt. Leo Ryan setzte sich für ihre Freilassung ein.438
Peoples Temple war mit Sicherheit nicht die einzige Sekte, die mit Methoden der
Bewusstseinskontrolle operierte. Für viele Fachleute ist Gehirnwäsche sogar ein
wesentliches Charakteristikum destruktiver Kulte. Die renommierte Sektenexpertin
Margaret Singer behauptet, dass man diese Kulte sehr leicht von legitimen
Religionen unterschieden kann. Kulte seien stets gekennzeichnet durch
charismatische Führer, die besondere Kräfte für sich beanspruchen. Sie propagieren
eine Freund-Feind-Ideologie, praktizieren Gehirnwäsche, werben neue Mitglieder
durch Täuschung und bedienen sich betrügerischer Methoden beim Eintreiben von
Spenden. Die angeworbenen Sektenmitglieder müssen in dramatischer Form ihre
Ernährungsgewohnheiten und Schlafmuster verändern und ihr Recht auf Privatheit
aufgeben. Sie werden ihren Freunden und ihrer Familie entfremdet, finanziell und
sexuell ausgebeutet sowie körperlich misshandelt.439
Eine ähnliche Zusammenfassung der wesentlichen Charakteristika destruktiver Kulte
stammt aus der Feder des Gehirnwäsche-Spezialisten Robert Jay Lifton. Er fügt
jedoch den von Singer aufgezählten Gesichtspunkten einen Aspekt hinzu, der gar
nicht deutlich genug unterstrichen werden kann. „Das wohl bedeutsamste Merkmal
totalitärer Bewegungen“, schreibt er, „ist das, was ich den ‚Verzicht auf Existenz’
nenne. Jene, die das Licht nicht gesehen und die Wahrheit in sich aufgenommen
haben, sind mit dem Bösen im Bunde, verdorben und haben deswegen, meist in
metaphorischem Sinne, kein Recht zu existieren... Beim Massenmord und
-selbstmord des Peoples Temple in Guyana herrschte ein Kultführer mit dem
Verzicht auf Existenz durch eine Selbstmordmystik, die er zum zentralen Thema der
Gruppenideologie auserkoren hatte. Der totalitäre Impuls, eine scharfe
Trennungslinie zu ziehen zwischen denen, die ein Recht zu leben und jenen, die kein
Recht dazu haben, ist im nuklearen Zeitalter besonders gefährlich.“440
Diese bereits 1981 verfassten Zeilen darf man im Licht neuerer Ereignisse und
Bedrohungen ohne Übertreibung als prophetisch bezeichnen.
In einer Stellungnahme zu den Selbstmord-Attentaten mit Passagierflugzeugen am
11. Sept. 2001 in den Vereinigten Staaten (World Trade Center und Pentagon)
äußerte der amerikanische Sektenexperte Steve Hassan eine Vermutung, die auch
mir durch den Kopf schoss, als ich die schauerlichen Bilder aus New York und
Washington im Fernsehen sah. Es spricht sehr viel dafür, dass die Täter zugleich
Opfer waren - Opfer eines Mind-Control-Trainings, das sie ihrer Kritikfähigkeit, ihres
freien Willens beraubte und ihren natürlichen Selbsterhaltungstrieb auslöschte.441
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Teil 5: Bewusstseinskontrolle im Kalten Krieg
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Verschwörung oder militärische Strategie
Die oberste Maxime des Militärs in Friedenszeiten lautet: Sei stets besser gerüstet
als potentielle Gegner. Diese Maxime ist natürlich legitim, unabhängig davon, ob sie
von einem demokratischen Entscheider befolgt wird oder von einem Militärstrategen
in einer Diktatur. Ein demokratischer Militärpolitiker befindet sich aber in einem
erheblichen Dilemma. Einerseits will er natürlich – und das ist schließlich ja auch sein
Pflicht – nach Möglichkeit besser gerüstet sein als seine Feinde. Aber er ist bei der
Entwicklung von Waffen und militärischen Verfahren an die Gesetze des
Rechtsstaats und die Menschenrechte gebunden.
Gleichzeitig jedoch kann er sich nicht sicher sein, dass sich auch die potentiellen
Feinde diesen Beschränkungen unterwerfen. Sein Ziel, immer besser gerüstet zu
sein als der Gegner, kann also in Widerspruch zu seiner Bindung an den Rechtsstaat
geraten. Wenn der demokratische Entscheider demgemäß das Risiko, schlechter
gerüstet zu sein, als der Feind, möglichst gering halten will, dann muss er, seinem
Feind maximale Skrupellosigkeit unterstellend, die eigene Rüstung auch unter
Missachtung rechtsstaatlicher Beschränkungen vorantreiben. Weiß er doch trotz
bester Geheimdienste nie genau, was der potentielle Gegner gerade entwickelt.
So heißt es zum Beispiel in einem Dokument der CIA zum Gehirnwäsche-Programm
Artischocke, die bisherigen Analysen hätten keine Hinweise erbracht, dass die
Sowjets einer Wunderdroge zur Gehirnwäsche entwickelt hätten. Die meisten
untersuchten Fälle hätten gezeigt, dass auch die Russen „mit Wasser kochen“ also
die uralten Methoden der Folter, der Erschöpfung bis zum physischen und mentalen
Zusammenbruch anwenden. Allerdings dürfe man diesen „Mangel an Beweisen“
nicht dahingehend interpretieren, dass die Sowjets keine neuen und effektiven
Techniken entwickelt hätten. „Zu den sowjetischen Fähigkeiten in diesem Bereich,
um was auch immer es sich dabei handeln möge, trägt ihr ziemlich progressives und
nach vorn blickendes psychologisches und psychiatrisches Forschungsprogramm
bei.“442
Obwohl das Papier einräumt, dass man nichts Genaues wisse über die
Zusammenhänge zwischen der psychologischen und psychiatrischen Forschung in
der Sowjetunion und der Entwicklung von Gehirnwäsche- bzw. Verhörmethoden, war
die Schlussfolgerung aus den bruchstückhaften Einsichten und Erkenntnissen klar:
Auch die Vereinigten Staaten musste Psychologen und Psychiater zu den Fahnen
rufen, um den Kommunisten Paroli bieten zu können.
Meine Hypothese lautet, dass diese Logik auch in demokratischen Staaten und in
Friedenszeiten zu Menschenrechtsverletzungen bei der Entwicklung neuer
Waffensysteme und militärischer Verfahren führen kann. Zur Beruhigung des
demokratischen Gewissens könnte in diesen Fällen die Formel dienen, dass man
möglicherweise vom Feind besiegt würde, wenn man aus moralischen Skrupeln bei
der Waffenentwicklung vor Menschenrechtsverletzungen im Einzelfalle
zurückschrecke. Dann aber stünde zu befürchten, dass Menschenrechtsverletzungen
zur Regel würden. Und so müsse man die Rechte Einzelner opfern, um die
überwältigende Mehrheit der Bürger zu schützen.
Diese Formel, so überzeugend sie in manchen Ohren auch klingen mag, hat leider
einen Schönheitsfehler: In einem demokratischen Rechtsstaat ist die vollziehende
Gewalt an Gesetz und Recht gebunden. Und die Gesetze müssen mit der
Verfassung übereinstimmen. Demokratische Verfassungen aber verbieten
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insbesondere Gesetze, die der Menschenwürde widersprechen. Nach einer
Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts z. B. wäre die Menschenwürde u. a.
verletzt durch Ächtung, Verschleppung, Versklavung, Zwangsarbeit, Terror und
Massenmord.443
Mögliche Verstöße gegen die Menschenwürde durch staatliche Institutionen der USA
bzw. anderer Rechtsstaaten bilden einen Schwerpunkt dieses Buchs und stehen im
Zentrum der folgenden Kapitel. Es geht um die einst geheimen und bis heute nur
unvollständig enthüllten Gehirnwäscheprojekte der CIA sowie anderer
Geheimdienste bzw. militärischer Organisationen. Hier konzentriere ich mich auf die
effektivste bisher entwickelte Form der Gehirnwäsche, nämlich die
Bewusstseinskontrolle durch absichtliche Erzeugung einer Multiplen
Persönlichkeitsstörung und anschließende Dressur der Alternativpersönlichkeiten.
Die Geheimdienste haben diese Form der Gehirnwäsche, wie bereits im
Einführungskapitel dieses Buchs hervorgehoben, natürlich nicht erfunden. Sie ist
vermutlich so alt wie die wesentlichen Mittel und Methoden, mit denen sie arbeitet:
Hypnose, Folter und Drogen. Heutige Gehirnwäscher bedienen sich zusätzlicher
Verfahren und Instrumente, die auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen
beruhen, doch die Kernelemente, nämlich Hypnose, Drogen und Folter reichen im
Prinzip aus, um einen Menschen mental zu versklaven. Kriminelle Hypnotiseure,
Sekten und Kulte haben die Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung
ebenso praktiziert wie Geheimdienst-Psychiater und Spezialisten der
Psychologischen Kriegsführung.
Der Neurophysiologe Pawlow richtete seine Hunde ab, indem er, kurz bevor er ihnen
zu fressen gab, eine Glocke erklingen ließ. Schon bald reagierten die Hunde mit
Speichelfluss, wenn sie die Glocke hörten. Der russische Forscher nannte diesen
Lernprozess klassische Konditionierung.
An Pawlows Hunde fühle ich mich mitunter erinnert, wenn ich in einer Diskussion
Begriffe wie „Bewusstseinskontrolle“ und „Geheimdienste“ in einem Atemzug
verwende und postwendend verdächtigt werde, ein Verschwörungstheoretiker zu
sein. Genauso wie Pawlows Hunde den Glockenton mit Nahrung verbanden,
erwarten manche Leute, diese Begriffe seien das Startsignal für
Schauergeschichten über allmächtige Geheimbünde, Außerirdische und
Weltherrschaftspläne.
Erhielten Pawlows Hunde aber wiederholt kein Futter nach dem Glockenton, dann
wurde die konditionierte Reaktion gelöscht. Der Ton löste dann keinen Speichelfluss
mehr aus. Und so hoffe ich, dass mein Buch dazu beitragen kann, die konditionierte
Verbindung zwischen den genannten Reizwörtern und „Verschwörungstheorie“ zu
löschen. So ist es nun einmal im Leben. Es gibt nicht immer Futter, wenn die Glocke
bimmelt.
Denn obwohl es wie eine Verschwörungstheorie klingt, lässt es sich doch –
zumindest in den Grundzügen - beweisen: Während des Kalten Krieges wurden
Menschen aus militärischen bzw. geheimdienstlichen Gründen geistig versklavt und
in mentale Roboter, in sog. Mandschurische Kandidaten verwandelt. Es handelte
sich dabei trotz gegenteiliger Berichte in den Medien keineswegs um pseudo-
wissenschaftliche Versuche, die zwangsläufig zum Scheitern verurteilt waren. Es
handelte sich dabei auch nicht um monströse, lächerliche und sinnlose Eskapaden
von Geheimdiensten und „durchgeknallten“ Militärs. Hier wurden vielmehr von
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hochqualifizierten Wissenschaftlern entwickelte Methoden angewendet, die u. a. auf
gesicherten Erkenntnissen der Psychiatrie, Neurologie, Psychologie,
Psychopharmakologie und Neurophysiologie beruhen und nachweislich effektiv sind.
Und die mentalen Roboter wurden produziert, weil ernstzunehmende militärische und
geheimdienstliche Strategen sie für zwingend erforderlich hielten.
Dieses Buch ist der bewusste Versuch einer Verführung. Es will den Leser verführen,
die Erkenntnisse der Psychiatrie, Neurologie und Psychologie aus einem sehr
speziellen Blickwinkel zu betrachten. Stellen Sie sich z. B. vor, sie seien ein Spion
mit dem Auftrag, Menschen für geheimdienstliche Ziele zu manipulieren. Oder
versetzen Sie sich in die Lage eines Militärs, der erkannt hat, dass auch der
menschliche Geist im Krieg zum Schlachtfeld wird. Oder identifizieren Sie sich mit
einem Kriminellen, der andere Menschen in „Tatwerkzeuge“ verwandeln und sie wie
Marionetten seinen verbrecherischen Willen unterwerfen will. Wer sich auf dieses
Gedankenexperiment einlassen will, muss zunächst seine Wertmaßstäbe verändern.
Die meisten Menschen betrachten die Psychiatrie, die Neurologie oder auch die
Klinische Psychologie und Psychotherapie aus dem Blickwinkel eines Patienten bzw.
der helfenden Berufe. Was aus diesem Blickwinkel als Erfolg erscheint, kann und
wird in vielen Fällen aus der Perspektive des Geheimdienstlers, des Militärs oder des
Kriminellen unbedeutend oder gar ein Fehlschlag sein – und umgekehrt. Geht es
dem Arzt, dem Psychotherapeuten zum Beispiel um die psychische Befreiung seines
Patienten, so hat der Gehirnwäscher demgegenüber die geistige Versklavung seines
Opfers im Sinn. Strebt der Arzt oder Psychologe die Linderung von Schmerzen an,
so will der Folterer im Gegenteil die Qual seines Opfers steigern. Will der
Sozialpädagoge seine Klienten zu sozial verantwortlichem Verhalten anregen, so
möchte der kriminelle Hypnotiseur die Bereitschaft seines Opfers zu asozialen
Handlungen gerade fördern.
Dies klingt selbstverständlich, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es den
meisten Menschen (und nicht nur Laien) ausgesprochen schwer fällt, sich mögliche
Formen des Missbrauchs psychiatrischer, neurologischer und psychologischer
Methoden vorzustellen. Es gibt aber auch eine Minderheit von Zeitgenossen, deren
Phantasie nicht so begrenzt ist wie die diesbezügliche Vorstellungskraft der Mehrheit.
Diese Minderheit kann eine erhebliche Gefahr für den arglosen Teil der Bevölkerung
darstellen. Darum habe ich mir mit diesem Buch das Ziel gesetzt, diese Arglosigkeit
zu vermindern.
Im April 1956 schickte der damalige Direktor der CIA, Allen W. Dulles eine Studie
über die Methoden der Gehirnwäsche an den damaligen Direktor des FBI, J. Edgar
Hoover. Hier heißt es: „Die Anwendung bekannter psychologischer Prinzipien kann
zu einem Verständnis der Gehirnwäsche führen. Es verbindet sich nichts Mysteriöses
mit den Persönlichkeitsveränderungen, die aus dem Prozess der Gehirnwäsche
resultieren.“444 Diese Einschätzung ist zutreffend. Und so kann ich die Thesen meiner
Schrift weitgehend durch Studien und Experimente belegen, die in öffentlich
zugänglichen Fachzeitschriften und Büchern publiziert wurden.
Diese Arbeiten stammen in den meisten Fällen von Autoren, die keinen Kontakt zu
kriminellen Kreisen, Sekten oder Geheimdiensten hatten (und falls doch, so war es
ihnen in aller Regel nicht bewusst). Wer Menschen geistig versklaven, in Zombies
verwandeln will, findet die notwendigen Informationen dazu in jeder
Universitätsbibliothek. Sie finden selbstverständlich nur die Details und die
wissenschaftlichen Hintergründe in der öffentlich zugänglichen Literatur; in keinem
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Lehrbuch der Psychiatrie, Psychotherapie oder Psychologie finden sie eine
detaillierte Beschreibung der Methodik.
Die Manuale der Gehirnwäsche lagern nach wie vor in den Panzerschränken der
Geheimdienste. Aber ihr Inhalt ist dennoch nicht geheim. Das psychologische und
psychiatrische Wissen eines fortgeschrittenen Studenten der einschlägigen
Disziplinen reicht aus, um aus frei verfügbaren Informationen entsprechende
Programme zusammenzubauen. Unter diesen Bedingungen gibt es nur noch einen
Weg, die Bevölkerung vor diesem brutalen Missbrauch psychologischer und
psychiatrischer Erkenntnisse zu schützen, nämlich die rückhaltlose Aufklärung.
Verschwörungstheorien werden heiß geliebt und entschieden abgelehnt - häufig von
denselben Personen. Dabei hängt fast jeder Mitmensch - bewusst oder unbewusst -
oft sogar mehreren Verschwörungstheorien an. In den Zeiten des Kalten Kriegs war
z. B. die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt davon überzeugt, dass die
Kommunisten sich weltweit verschworen hätten, die Macht auf diesem Planeten zu
ergreifen. Für diese Verschwörungstheorie gab es freilich keine Beweise - und sie
war, wie wir heute wissen, auch eindeutig falsch. Die alten Männer im Kreml und
anderswo hatten genug damit zu tun, sich auf ihren Stühlen zu halten, an
Weltherrschaft wagten sie gar nicht zu denken. Dazu waren diese Systeme viel zu
marode.
Aber auch heute, nach dem Ende des Kalten Kriegs, ist die Lust zur
Verschwörungstheorie ungebrochen. Verkündet beispielsweise ein Vertreter der
öffentlichen Wasserversorgung die These, das Leitungswasser sei in Deutschland
das am besten kontrollierte Lebensmittel und könne unbedenklich getrunken werden,
dann denkt sich mancher: "Die wollen der Öffentlichkeit nur Sand in die Augen
streuen. Die Landwirtschaft sorgt schon dafür, dass unser Grundwasser verseucht
wird. Die stecken doch alle unter einer Decke."
Zugleich aber werden Verschwörungstheorien abgelehnt. Oft genügt ein knappes
"Verschwörungstheorie, oder?", um in einer politischen Debatte am Stammtisch oder
unter Kollegen am Arbeitsplatz eine Idee abzuwürgen. Zur Lust an der
Verschwörungstheorie gesellt sich ein Schuldgefühl. Eine Verschwörungstheorie ist
im Grunde etwas Verbotenes. Es gehört sich nicht, öffentlich davon zu sprechen,
dass man irgendwo im Verborgenen Verschwörer am Werke sieht. Dieses Tabu ist
nicht minder irrational als die blühendste Verschwörungstheorie. Da fragt sich freilich
der Psychologe: Woher kommt diese Irrationalität? Ist denn eine
Verschwörungstheorie nicht eine Theorie wie jede andere - also nichts weiter als ein
begründetes System von Hypothesen, die es zu prüfen gilt? Und überdies hat es
doch immer wieder Verschwörungen gegeben: "Auch du, mein Sohn Brutus?"
Die Frage nach der Herkunft dieser Irrationalität ist einfacher zu klären, wenn man
sie auf der Ebene der Grundmuster betrachtet. In der Psychologie ist dies ohnehin
die effektivste Form der Problemlösung. Im Grunde sind für eine Verschwörung nur
drei Personen (oder Parteien, Gruppen etc.) erforderlich, nämlich A, B und C. A und
B verabreden (und bekräftigen ihre Verabredung womöglich durch einen heiligen
Schwur), hinter dem Rücken von C gegen dessen Interessen (oder in dessen
wohlverstandenen Interesse) zu handeln.
Das ist das Grundmuster der Verschwörung. Und damit ist das Problem auch schon
gelöst. Dieses Dreieck kommt uns doch bekannt vor, oder? Richtig: Es ist der wahre
Ödipus. Vater und Mutter verabreden (und bekräftigen ihre Verabredung womöglich
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durch einen heiligen Schwur), hinter dem Rücken des Kindes gegen dessen
Interessen (oder in dessen wohlverstandenen Interesse) zu handeln.
Diese Erfahrung bleibt den wenigsten Menschen erspart. Sie ist das Grundmuster
der Irrationalität und Ambivalenz, die sich mit Verschwörungstheorien verbindet. Das
Kind soll Vater und Mutter lieben und ihnen nichts Schlechtes zutrauen. Das Kind will
Vater und Mutter ja auch liebend gern vertrauen, nur muss es mitunter leider
feststellen, dass sie sich verschworen haben. Aber darüber darf natürlich nicht
gesprochen werden. Das ist der wahre Ödipus. Das ist Verschwörungstheorie life.
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Das Gehirn im Hintergrund: Sidney Gottlieb
Wie bereits erwähnt, ist dies kein Buch zur Geschichte der Bewusstseinskontrolle im
allgemeinen und der CIA-Gehirnwäscheprojekte im besonderen, sondern eine
Analyse der entsprechenden Methoden. Da ich mich jedoch in den folgenden
Kapiteln eingehend mit den CIA-Programmen beschäftigen möchte, halte ich es für
sinnvoll, diesen Projekten ein Gesicht zu geben. Und so möchte ich nun einen Mann
vorstellen, der wie kein anderer mit den Gehirnwäsche-Experimenten der CIA
verbunden ist: Sidney Gottlieb.
Sidney Gottlieb starb am 7. März 1999; er wurde achtzig Jahre alt. Auf dem
Höhepunkt seiner Karriere war er einer der mächtigsten Männer in amerikanischen
Geheimdienstkreisen. Er leitete und inspirierte die Experimente und Projekte der CIA
zur Bewusstseinskontrolle. Der Öffentlichkeit wurden vor allem die berüchtigten
Studien mit dem Halluzinogen LSD bekannt. Doch die Mitarbeiter Gottliebs testeten
alles, was sie ihrem ultimativen Ziel nahe zu bringen versprach. Dieses Ziel lautete,
einen „Mandschurischen Kandidaten“ zu kreieren. Darunter verstanden die CIA-
Wissenschaftler einen „mentalen Roboter“, einen Menschen, den sie ohne sein
Wissen und ohne sein Einverständnis nach Belieben manipulieren konnten. Zu
diesem Zweck traktierten sie ihre Opfer mit Elektroschocks, setzten sie unter Drogen,
hypnotisierten sie, bestrahlten sie mit elektromagnetischen Feldern und viel spricht
dafür, dass sie auch vor der Folter nicht zurückschreckten.
Die menschenrechtswidrigen Forschungen der CIA knüpften zum Teil sogar an
Experimente an, die Ärzte vom moralischen Zuschnitt Mengeles in deutschen
Konzentrationslagern verwirklicht hatten.445
Folgerichtig bemerkte die ehrwürdige London Times in einem Nachruf, die Taten
Gottliebs und seiner „CIA-Schergen“ hätten sich nur graduell von den Verbrechen
unterschieden, die eine Reihe von Nazi-Wissenschaftlern 1946 in Nürnberg an den
Galgen brachten.
Gottliebs Witwe Margarete und seine Familie weigerten sich, die Todesursache
bekannt zu geben. Nach Informationen der Wochenzeitung „Welt am Sonntag“
beging Gottlieb Selbstmord mit einer Überdosis Morphium.446 Der amerikanische
Autor Jim Keith mag auch nicht ausschließen, dass Gottlieb ermordet wurde.
Gegenüber Bekannten habe er kurz vor seinem Tode geäußert, die CIA wolle ihn
zum alleinigen Sündenbock für die grausamen Experimente zur
Bewusstseinskontrolle stempeln, er sei aber nicht bereit, die Rolle des Sündenbocks
zu übernehmen.447 Einem anderen, ebenfalls unbestätigten Gerücht zufolge starb
Gottlieb an den Folgen einer hartnäckigen Lungenentzündung.
Doch dies sind Spekulationen. Nicht nur die Umstände von Gottliebs Tod werden
wohl für immer verborgen bleiben; auch die meisten seiner Taten werden vermutlich
niemals vollständig aufgeklärt. Dafür hat u. a. er selbst gesorgt. Als Gottlieb 1973 die
"Agency" verließ, versuchte er, im Einverständnis mit dem damaligen CIA-Chef
Richard Helms, alle Akten zu zerstören, die aus seiner Sicht Aufschluss über die
Mind-Control-Projekte geben konnten. Zum Glück für die historisch interessierte
Nachwelt entgingen dabei allerdings einige aufschlussreiche Dokumente dem
Reißwolf.448
Die erhaltenen Dokumente lassen ahnen, dass Gottliebs Selbsteinschätzung zutraf,
einer der „Dr. Strangeloves“ der CIA gewesen zu sein.449 Eine Karriere als Spion
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wurde ihm allerdings nicht an der Wiege gesungen: Gottlieb hatte einen Klumpfuß
und er stotterte. Er wurde in der Bronx, einem Stadtteil New Yorks geboren - als
Sohn jüdischer Eltern, die aus Ungarn eingewandert waren.450 Er studierte Chemie
und promovierte am berühmten Cal Tech in Kalifornien. Er war stolz auf sein Hobby,
das er trotz seines Handicaps meisterlich beherrschte: Volkstanz. Wenn er von
geheimen Missionen in Übersee zurückkehrte, brachte er stets ein paar neue Schritte
mit, die er mit überraschender Grazie tanzte. Trotz seines Stotterns konnte er die
Anweisungen für die kompliziertesten Volkstänze ohne Unterbrechung des
Sprachflusses skandieren.
Er lebte mit seiner Frau ein zurückgezogenes Leben auf dem Lande, trank die Milch
seiner eigenen Ziegen und verkaufte selbst angepflanzte Weihnachtsbäume an der
Straße vor seinem Holzhaus, einer früheren Sklavenbehausung.451 Gottlieb
experimentierte mit verschiedenen weltanschaulichen und religiösen Positionen vom
Agnostizismus bis zum Zen-Buddhismus. Nach seinem Abschied vom Geheimdienst
leitete er 18 Monate lang mit seiner Frau, der Tochter eines Missionars, eine Lepra-
Kolonie in Indien, ließ sich zum Sprachtherapeuten ausbilden und arbeitete in einem
Hospiz (in dem er sich angeblich das Morphin für seinen mutmaßlichen Selbstmord
besorgt haben soll). Er hatte zwei Söhne und zwei Töchter.452
Der frühere Chefpsychologe der CIA, John Gittinger, sagte über seinen Kollegen
und Freund Sidney Gottlieb: "Er war ein Gentleman, dessen Handlungen weitgehend
missverstanden wurden." Und entschuldigend fügte er hinzu: "Wir hatten die
Einstellung und die CIA hatte die Einstellung, dass wir einen Krieg führten. Und wenn
du einen Krieg führst, dann tust du Dinge, die du sonst wohl nicht tust"453
Gottlieb ist zentrale Figur der Prozesse, die von Opfern der CIA-Gehirnwäsche-
Projekte gegen die CIA bzw. die Vereinigten Staaten angestrengt wurden. Diesem
Thema werde ich mich in einem späteren Kapitel zuwenden.
Die Ideen zur Gehirnwäsche entsprangen freilich nicht allein dem Hirn des
promovierten Chemikers Gottlieb. Er wurde durch zahlreiche und mitunter namhafte
Psychiater, Neurologen und Psychologen inspiriert und unterstützt. Ihre Namen
werden nach wie vor weitgehend geheim gehalten. Aber folgende Namen sind u. a.
bekannt:
Donald Ewen Cameron, ehem. Präsident der World Psychiatric Association
Martin Orne, Psychiater und Psychologe
Louis Jolyon West, Psychiater
Neil Burch, Arzt
Robert Heath, Neurophysiologe
Carl Pfeiffer, Psychiater
Dr. Elliott T. Barker, Psychiater
Harris Isbell, Psychiater
George H. Estabrooks (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit),
Psychologe
John Gittinger, Psychologe
Der kanadische Psychiater Colin Ross, der sich intensiv mit dieser Thematik
auseinandergesetzt hat454, schätzt, dass alles, was in Nordamerika in den
Psycho-Wissenschaften Rang und Namen hatte, bewusst oder unbewusst in diese
Projekte involviert war.
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Der Trance-Front Kämpfer Estabrooks
Die Idee, multiple Persönlichkeiten künstlich zu erzeugen, um sie zu programmieren
und für heikle Aufgaben einzusetzen, faszinierte Sektenchefs, Satanisten, Kriminelle,
Militärs und Geheimdienstler gleichermaßen. Die CIA hat diese Idee z. B. mit den
Geheimprojekten BLUEBIRD, ARTICHOKE und MKULTRA zu realisieren versucht.
Sie ist allerdings älter als dieser Geheimdienst, der 1947 gegründet wurde. Einer
ihrer glühendsten Verfechter war der Psychologe und Hypnose-Experte George H.
Estabrooks.
George Hoben Estabrooks wurde 1895 in St. John in der ostkanadischen Provinz
New Brunswick geboren. Er diente im 1. Weltkrieg in der kanadischen Armee und
musste nach einem Gasangriff zwei Jahre in einem Hospital verbringen. Später
nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1938 wurde er „Chairman“ der
psychologischen Abteilung des Colgate College in Hamilton, New York. Er blieb dort
bis zu seinem Tod im Jahr 1973. Der junge Estabrooks wurde wesentlich von zwei
Wissenschaftlern beeinflusst, nämlich von George Cutten, dem Präsidenten des
Colgate College, und von Morton Prince. Morton Prince war ein Pionier der
Erforschung multipler Persönlichkeiten. George Cutten war ein führender
Hypnoseforscher, der sich u. a. mit der hypnotherapeutischen Behandlung des
Alkoholismus auseinander setzte.455
Seit Mitte er dreißiger Jahre versuchte Estabrooks, verschiedene kanadische und
amerikanische Behörden von seiner Idee zu überzeugen, die Hypnose für
geheimdienstliche bzw. militärische Ziele einzusetzen und multiple Persönlichkeiten
zu erzeugen. Zu diesem Zweck schrieb er u.a. ausführliche Briefe an den „Chief
Signal Officer“ der US-Armee (8. May 1939), an J. Edgar Hoover (FBI, 20. April
1939), an Superintendent E. W. Bavin von der Royal Canadian Mounted Police (7.
Oktober 1940)456 sowie an die CIA (22. Juni 1940)457, 458.
Estabrooks schreckte nicht vor drastischen Beispielen zurück, um den Beamten
seine Pläne schmackhaft zu machen. Im Schreiben an Bavin heißt es z. B.: „Ich bin
völlig überzeugt, dass es mir gelingen würde, eine gute hypnotische Versuchsperson
in Ihr Büro zu schicken, die sie erschießen wird. Und ich bin praktisch sicher, dass
ich einen Arbeiter in einer Munitionsfabrik finden würde, der dort unter Hypnose eine
Bombe deponiert. Dazu wäre es nur erforderlich, die Versuchsperson zu
überzeugen, dass es sich um ein Experiment handele.“
Nach allem, was er über Hypnose wisse, sei es nicht schwierig, einen Hypnotisanden
so zu täuschen. Schlitzohrig schließt Estabrooks seinen 1940 verfassten Brief an den
Superintendenten mit dem Hinweis, dass die Literatur über Hypnose und Verbrechen
ausschließlich in deutsch verfasst sei. Und er winkt heftig mit dem Zaunpfahl: „Der
verbrecherische Gebrauch der Hypnose ist praktisch dasselbe wie der Gebrauch der
Hypnose in der Kriegsführung. Und die Deutschen stehen in dem Ruf, eine sehr
praktische Rasse zu sein.“ Dass Estabrooks hier das wichtige französische
Schrifttum unterschlägt, steht auf einem anderen Blatt.459
Estabrooks, der mit einer Schweizerin verheiratet war, kannte vermutlich auch
Ludwig Meyers Buch über den Fall der Frau E.460 In dieser Schrift jedenfalls sind alle
Elemente vorgezeichnet, die er zur Verwirklichung seines Plans benötigte, eine
künstliche multiple Persönlichkeit zu erzeugen und die Persönlichkeitsfragmente im
Sinne militärischer bzw. geheimdienstlicher Ziele zu dressieren.
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Bei der Lektüre der diversen Papiere Estabrooks zu diesem Thema hat man den
Eindruck, dass er Erwachsene in multiple Persönlichkeiten umformen wollte. Er
äußert sich jedenfalls nicht zum Alter der Zielpersonen. Unter natürlichen
Bedingungen entstehen multiple Persönlichkeiten jedoch u. a. durch psychische
Traumatisierung im frühen Kindesalter. Es versteht sich daher von selbst, dass auch
die absichtliche Erzeugung multipler Persönlichkeiten die besten Erfolgsaussichten
besitzt, wenn die entsprechenden Maßnahmen in dieser Zeit beginnen. Auch
mutmaßliche Opfer entsprechender Projekte der CIA, über die ich in den nächsten
Kapiteln berichten werde, behaupten, dass die absichtliche Spaltung ihrer
Persönlichkeit bereits in früher Kindheit einsetzte.
Kinder sind deutlich empfänglicher für hypnotische Suggestionen und erreichen auch
eher sehr tiefe Trancezustände. Überdies werden sie auch leichter amnestisch als
Erwachsene.461 Der wohl wichtigste Gesichtspunkt aber besteht darin, dass die sich
beim Kind die Identität noch entwickelt, dass sie noch nicht jene relative Stabilität
erreicht hat, die für Erwachsene charakteristisch ist. Daher ist es natürlich bei
Kindern auch wesentlich einfacher, eine tiefgreifende und dauerhafte
Persönlichkeitsspaltung zu verwirklichen. Das Selbst des Kleinkindes ist noch sehr
stark anschauungsgebunden; das Wissen über die eigene Person hängt im
wesentlichen von äußerlich sichtbaren Merkmalen wie Haarfarbe, Größe, Geschlecht
usw. ab. Das Selbst ist gleichsam ein Teil des Körpers. Erst im Alter von neun bis elf
Jahren beginnt das Kind, über sich selbst nachzudenken, sein Selbst von seinem
Körper zu trennen und sich bewusst zu machen, dass es seinen Körper mit seinem
Willen steuern kann.462
Nur zu leicht kann der kriminelle Hypnotiseur durch suggestive Manipulation der
Selbstwahrnehmung das Selbstbild des Kindes formen und zwei oder mehrere
Persönlichkeiten künstlich erzeugen. So könnte er einem hypnotisierten Jungen den
posthypnotischen Befehl geben, dieser könne nach einem bestimmten Signal seinen
Penis nicht mehr sehen. Dann könnte er ihm suggerieren, dass er sich durch dieses
Signal in ein Mädchen verwandele. Erst wenn er, nach einem zweiten Signal, seinen
Penis wieder sehe, verwandele er sich wieder in einen Jungen zurück. Ein
hypnotisch versierter sexueller Gewalttäter könnte einem Mädchen auch
suggerieren, dass der Körper, der beim Missbrauch Schmerz empfindet, zu einem
anderen Kind gehört als Körper, der keinen Schmerz empfindet.
Um bei einem Erwachsenen mit hypnotischen Mitteln eine Persönlichkeitsspaltung
hervorzurufen, muss man – wie im Falle Palle Hardrups – zunächst seine
Kritikfähigkeit einschränken oder ausschalten. Bei einem kleinen Kinde ist dies nicht
erforderlich, da es zu einem kritischen Verhältnis zu seinem eigenen Selbst kaum in
der Lage ist. Die Aufgabe, die Persönlichkeit eines Kindes zu spalten, wird noch
einfacher, wenn der Hypnotiseur der Vater oder die Mutter des Kindes ist bzw. eng
mit den Eltern seines Opfers kooperiert. Denn erstens liegt es in der Natur des
Kindes, den Eltern zu vertrauen und sie zu lieben; und zweitens entwickelt sich das
kindliche Selbst vor allem im Wechselspiel mit den Aktionen und Reaktionen von
Vater und Mutter. Es ist paradox und erschütternd, dass gerade der Wunsch des
Kindes, die Eltern zu lieben und ihnen zu vertrauen, zu einem Motor der
Persönlichkeitsspaltung werden kann.
Dies geschieht oft, wenn die Spaltung die Folge einer schweren Traumatisierung ist,
zum Beispiel eines sexuellen Missbrauchs durch den eigenen Vater mit Wissen und
Duldung der Mutter. Das missbrauchte Kind spaltet sich dann vielleicht in zwei
Persönlichkeiten: eine dieser Persönlichkeiten (A) ist das missbrauchte Kind, dessen
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Körper Schmerzen erdulden musste. Die andere Persönlichkeit (B) ist das Kind, das
nichts von der ersten Persönlichkeit, dem Missbrauch und den Schmerzen weiß. Das
Kind B kann Vater und Mutter lieben und ihnen vertrauen, den sie haben ihm ja
keinen Schaden zugefügt. Durch die Persönlichkeitsspaltung kann das Kind die
liebende und vertrauensvolle Beziehung zu den Eltern aufrecht erhalten. Wenn nun
die missbrauchenden Eltern im eigenen Interesse positiv auf die gespaltenen
Verhaltensmuster des Kindes reagieren, dann werden diese in einem Lernprozess zu
einer Multiplen Persönlichkeitsstörung ausgebaut.
Wenn mentale Roboter erzeugt werden sollen, die sich zuverlässig im militärischen,
geheimdienstlichen Einsatz oder bei Straftaten bewähren sollen, dann muss die
Umformung der Persönlichkeit in der Regel im frühen Kindesalter beginnen. Es gibt
allerdings auch Ausnahmen, die zeigen, dass auch Erwachsene in mentale Roboter
umgewandelt werden können. Ein Beispiel dafür ist Palle Hardrup. Ein weiteres
Beispiel ist Candy Jones, deren Persönlichkeit offenbar von einem Psychiater hypno-
programmiert wurde, der mit der CIA kooperierte. Wie man der Biographie dieser
Frau entnehmen kann, war Candy Jones eine multiple Persönlichkeit. Die Störung
wurde jedoch nicht absichtlich erzeugt, sondern entwickelte sich in der Kindheit auf
natürliche Weise – und zwar im Spannungsfeld einer rigiden, kalten Mutter, die
Candy physisch misshandelte und nach ihren Vorstellungen dressierte, sowie einer
warmen und verständnisvollen Großmutter. Mutter und Großmutter rangen
miteinander um den größeren Einfluss auf das Kind.463
Es scheint also möglich zu sein, unter bestimmten günstigen Bedingungen auch
Erwachsene einer effektiven Bewusstseinskontrolle auf Grundlage einer
Persönlichkeitsspaltung zu unterziehen. Es versteht sich jedoch beinahe von selbst,
dass eine in früher Kindheit absichtlich erzeugte und für diesen Zweck
maßgeschneiderte Multiple Persönlichkeitsstörung die solidere Grundlage für eine
langfristige und stabile mentale Versklavung im Sinne geheimdienstlicher,
militärischer oder krimineller Ziele bietet.
Die Frage, ob Estabrooks auch Kinder als Opfer der von ihm vorgeschlagenen
Experimente im Auge hatte bzw. ob er tatsächlich auch Kinder absichtlich in multiple
Persönlichkeiten verwandelte, lässt sich beim gegenwärtigen Stand der Forschung
nicht schlüssig beantworten. Ross berichtet, dass Estabrooks auch mit Kindern
hypnotisch arbeitete und dass er mit Hoover über die Möglichkeiten korrespondierte,
jugendliche Delinquenten unter dem Einfluss von Hypnose zu verhören.464
Dem erfahrenen und kenntnisreichen Psychologen Estabrooks dürfte zweifellos
bekannt gewesen sein, dass sich tiefgreifende und dauerhafte
Persönlichkeitsspaltungen nur bei Kindern erzeugen lassen. In seinen Büchern,
seinen bekannten Briefen und in den erhaltenen und öffentlich zugänglichen
Geheimdokumenten äußert er sich jedoch nicht zu diesem Thema. Wir werden die
Antwort vermutlich nie erfahren. Wir wissen heute aber definitiv: Eine künstlich
gespaltene und abgerichtete multiple Persönlichkeit wird unter den Bedingungen
eines Krieges oder gefährlicher geheimdienstlicher Tätigkeit – von Ausnahmefällen
abgesehen - nur dann zuverlässig funktionieren, wenn die hypnotische Dressur
bereits in der frühen Kindheit begann.
1943 veröffentliche Estabrooks ein damals viel beachtetes Werk über Hypnose.
Dieses Buch enthielt zwei Kapitel zum vorliegenden Thema: „Hypnotism in Crime“
und „Hypnotism in Warfare“.465 Da Estabrooks die kriminelle und die militärische
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Hypnose als „praktisch gleich“ betrachtete, ist es sinnvoll, beide Kapitel im
Zusammenhang zu analysieren.
Gleich zu Beginn des Kapitels setzt sich Estabrooks mit der Behauptung
auseinander, man könne niemand in der Hypnose zu Verhaltensweisen bewegen,
die er nicht auch im Normalzustand zu zeigen bereit wäre. Estabrooks widerlegt
diese populäre These, an die auch heute noch sehr viele Menschen, sogar
angebliche Fachleute glauben, mit einem schlagenden Beispiel: „Wir müssen doch
nur einen guten Bühnenhypnotiseur beobachten, um zu erkennen, dass unsere
Freunde sich nicht selbst zum Narren halten würden, wenn sie sich in einem
‚Normalzustand’ befinden würden.“466
Estabrooks hält es durchaus für möglich, dass man Menschen unter Hypnose zu
kriminellen Handlungen zwingen könne, die sie sonst nicht begehen würde. Aber er
schränkt ein, dass dies keineswegs mit allen Menschen möglich sei. Die
Suggestibilität sei wie viele psychologische Merkmale „normalverteilt“. Es gäbe sehr
wenige höchstgradig resistente und sehr wenig höchstgradig beeinflussbare
Menschen. Die große Mehrheit der Menschen sei mäßig beeinflussbar. Kriminelle
bzw. militärische Hypnotiseure müssen ihre Opfer also sorgfältig auswählen.
Für besonders erfolgversprechend hält Estabrooks die Methode, die Hypnotisanden
über die kriminelle Natur der suggerierten Handlung zu täuschen. Er habe zahllose
Versuchspersonen unter Hypnose Schecks fälschen lassen, die glaubten, nur an
einem psychologischen Experiment teilzunehmen. Die de facto gefälschten Schecks
habe er natürlich hinterher vernichtet.
Der kriminelle Hypnotiseur müsse sich schrittweise an das Ziel der verbrecherischen
Handlung herantasten. Man müsse mit harmlosen Übungen beginnen und dann
deren Schwierigkeit und moralische Verwerflichkeit graduell steigern. Dies ist
natürlich genau die Methode, die ich schon im Fall „Nielsen & Hardrup“ beschrieben
habe. In der Lerntheorie wird dieses Verfahren der schrittweisen Annäherung an ein
Zielverhalten „Verhaltensformung“ („shaping“) genannt. Schließlich müsse der
Hypnotiseur nur noch eine Amnesie bezüglich der Hypnose erzeugen.
Estabrooks Gleichsetzung von krimineller und militärischer Hypnose ist offensichtlich
korrekt.
Denken wir an den Fall Palles. Nielsen hatte Palle suggeriert, sein Schutzgeist X
verlange von ihm den Aufbau einer antikommunistischen Untergrundarmee. Nun
stelle man sich vor, diese Untergrundarmee sei gar keine Suggestion, sondern real.
In diesem Denkmodell könnte beispielsweise eine Institution des Westens während
des Kalten Krieges auf die Idee gekommen sein, eine solche Untergrundarmee mit
hypnotisierten Attentätern aufzubauen. Wäre dann die Sowjetarmee in ein westliches
Land einmarschiert, dann hätte diese Institution diese Hypno-Partisanen durch
entsprechende Codes aktivieren können. Nach dem Abwurf der Atombomben auf
Hiroshima und Nagasaki waren sich amerikanische Militärpsychiater durchaus
bewusst, dass normale Soldaten im Vorfeld oder gar während eines Atomkriegs in
Paranoia verfallen ihre Disziplin verlieren würden.467
In gesteigerter Form müsste dies auf Partisanen zutreffen, die in einem vom Feind
besetzten Land operieren. Bei den Mitgliedern von Spezialeinheiten, die durch
Bewusstseinskontrolle wie Roboter agieren, könnte man die „nuclear paranoia“
allerdings ausschalten.
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Doch zurück ins Jahr 1943, als die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion noch
verbündete waren und der gemeinsame Fein Adolf Hitler hieß. Estabrooks
spekulierte, dass in diesen Kriegszeiten vielleicht definitive Erkenntnisse möglich
seien, in welchem Ausmaß man Menschen unter Hypnose zu gefährlichen
Handlungen zwingen könne. Denn im Krieg seien die kriegsführenden Parteien
weniger an ethischen Fragen, als an Resultaten interessiert. Eine Nation, die mit dem
Rücken zur Wand kämpft, könne sich auch keine andere Einstellung leisten.
Mögliche Verluste bei derartigen Experimenten seien angesichts des gewaltigen
Blutzolls in Kriegen absolut unbedeutend.
Aus militärischer Sicht sei die Frage entscheidend, ob ein Mensch auch gegen
seinen Willen hypnotisiert werden könne. Estabrooks uneingeschränkte Antwort
lautet: Ja. Nachdem es gelungen sei, einen Hypnotisanden auf diese Weise in einem
somnambulen Zustand zu versetzen, müsse ihn eine Amnesie für die Hypnose
suggeriert werden. In einer militärischen Situation sei es natürlich zwingend
erforderlich, die Geheimhaltung der Aktion sicherzustellen. Nun wird der
Hypnotisand, schreibt Estabrooks, durch wiederholte Hypnosen konditioniert, nach
einem Schlüsselreiz schnell wieder in tiefe Trance zu verfallen. Schließlich wird er
„versiegelt“, so dass ihn niemand sonst hypnotisieren kann (wobei die Versiegelung,
wie wir im Fall „Hardrup“ gesehen haben, keinen perfekten Schutz bietet).
Um den Hypnotisanden auf seine operativen Aufgaben vorzubereiten, wird ihn
suggeriert, dass er sich unter Hypnose genauso benimmt wie im Wachzustand. Unter
diesen Bedingungen wäre selbst ein geschulter Psychologe nicht in der Lage zu
erkennen, dass der Hypnotisand unter hypnotischem Einfluss steht. Mit einem
solchen Hypnotisanden hat Estabrooks angeblich Bridge gespielt. Dieser spielte die
eine Hand unter Hypnose und die andere Hand wach, ohne dass die eine
Teilpersönlichkeit die Karten der anderen kannte.
Nachdem Estabrooks dieses Bild der Hypnose gezeichnet hat, betont er, bevor er
mögliche militärische Anwendungen skizziert, mit besonderem Nachdruck: „Bisher
erschienen keine Forschungsberichte über die Anwendung der Hypnose im Krieg,
wohl aber über ein eng verwandtes Feld, nämlich über die kriminelle Hypnose. Die
Deutschen, und sie allein, haben hier ganz ausgezeichnete Arbeit geleistet.“468
Man kann sich des Verdachts nicht erwehren, dass Estabrooks mit dem Zaunpfahl
winkt, um seinen Ideen bei den zuständigen Behörden Nachdruck zu verleihen.
Während des Kalten Krieges rechtfertigte die CIA ihre Gehirnwäsche-Forschungen
mit einer „mind gap“, einem Rückstand gegenüber der Sowjetunion. Wir wissen
heute, dass es weder gegenüber den Deutschen, noch gegenüber der Sowjetunion
ein derartiges Forschungsdefizit gab. Wahr oder gelogen - diese Taktik ist offenbar
so alt wie der Krieg.
Estabrooks beschreibt nun Möglichkeiten, Kriegsgefangenen unter Hypnose
Informationen zu entlocken oder ihnen falsche Informationen einzupflanzen. In
unserem Zusammenhang interessante sind jene Passagen, in denen sich
Estabrooks mit dem militärischen Nutzen der künstlichen Persönlichkeitsspaltung
beschäftigt. Nachdem der Hypnotisand im beschriebener Weise vorbereitet und
versiegelt wurde, wird ihm in Trance suggeriert, dass er völlig loyal gegenüber einem
bestimmten Land sei. Doch außerhalb der Hypnose, in einem normalen, bewussten
Wachzustand wird er davon überzeugt, dass er ein natürlicher Feind dieses Landes
sei. Er wird ermutigt, sich als Spion zu betätigen.
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Natürlich sind nur wenige Hypnotiseure in der Lage, die loyale Teilpersönlichkeit
durch bestimmte Codes hervorzurufen. Auf diese Weise könnte man sie in einen
ausländischen Geheimdienst einschleusen. Ihr bester Schutz vor Enttarnung sei,
dass sie sich selbst nicht für Spione halten würden. Wird jedoch die loyale
Teilpersönlichkeit angesprochen, verrät diese den Hypnotiseuren Interna über den
Geheimdienst, für den sie tätig ist.
In seinem 1961 erschienenen Buch „The Future of the Human Mind“ erklärt
Estabrooks, wie es möglich ist, einen Menschen in dieser Weise zu spalten: „Wir
erzählen die Wahrheit dem wichtigsten Teil von ihm, seinem Unbewussten. In der
Hypnose erzählen wir ihm, dass er an einem wichtigen Experiment teilnimmt und
dass er damit seinem Lande loyal dient. Der bewusste Teil seiner Persönlichkeit
weiß allerdings nichts von diesem Experiment. Aber der bewusste Teil seiner
Persönlichkeit kann dazu gebracht werden, unsere Pläne zu realisieren, weil der
nicht bewusste Teil der Persönlichkeit in alles eingeweiht ist und vollständig mit
unserem Plan sympathisiert.“469
Mit anderen Worten: Der unbewusste Persönlichkeitsteil steuert den bewussten,
ohne dass dieser etwas davon weiß. Hier sei aber angefügt, dass Loyalität nicht das
einzige Motiv ist, dass den unbewussten Persönlichkeitsteil zur Zusammenarbeit mit
dem Hypnotiseur bewegen kann. Wie Ludwig Mayer zum Fall „Frau E.“ ausführte und
wie sich auch im Fall Palle Hardrups zeigte, ist die Angst eine ebenso starkes, wenn
nicht stärkeres Motiv, das sich zu diesem Zweck eignet. Estabrooks täuschte sich,
wenn er glaubte, sein Ziel der Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung
allein mit hypnotischen Mitteln erreichen zu können.
Ob er dies tatsächlich glaubte, wissen wir nicht. Vielleicht hat er aus leicht
nachvollziehbaren Gründen verschwiegen, dass die Hypnose durch Drogen,
Elektroschocks und Folter ergänzt werden muss, wenn sie mit der im militärischen
und geheimdienstlichen Bereich gebotenen Zuverlässigkeit zur
Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung eingesetzt werden soll.
Die Bewusstseinskontrolleure in der Nachfolge Estabrooks haben die
Persönlichkeitsspaltung offenbar zur militärischen Kunst entwickelt. Wer sich nicht
freiwillig unterwarf, aus welchen Motiven auch immer, der wurde gnadenlos
gezwungen. Das uralte Prinzip dieses Kriegs gegen die Seele und den Geist eines
Menschen lautete: „Teile und herrsche“. Angst und Schmerz verheerten die Psyche
wie Bomben das Schlachtfeld.
Wir wissen nicht, ob Estabrooks mit seinem unermüdlichen Werben für seine Ideen
bei amerikanischen Behörden endlich auf offene Türen stieß oder ob er dort bereits
offene Türen einrannte. Dank der Forschungsarbeit des kanadischen Psychiaters
Colin Ross lässt sich immerhin beweisen, dass Psychiater im Auftrag der CIA
multiple Persönlichkeiten erzeugt haben – und zwar offensichtlich mit
geheimdienstlichen bzw. militärischen Zielen. In einem von Ross entdeckten CIA-
Dokument aus dem Jahr 1953 heißt es:
"Die Versuchspersonen haben in all diesen Fällen klar demonstriert, dass sie aus
einem vollwachen Zustand in einen tiefen H (Hypnose) kontrollierten Zustand
wechseln können - und zwar vermittels Telefon, durch ein sehr subtiles Signal, das
von anderen Menschen im Zimmer nicht entdeckt werden kann und ohne dass das
andere Individuum in der Lage ist, die Veränderung zu bemerken. Es wurde klar
gezeigt, dass Individuen in H geführt werden können - durchs Telefon, durch den
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Empfang geschriebenen Materials oder durch den Einsatz von Codes, Signalen oder
Wörtern und dass die Kontrolle über die Hypnotisanden ohne Schwierigkeiten von
einem Individuum an ein anderes weitergegeben werden kann. Es wurde ebenso
durch das Experiment mit diesen Mädchen470 bewiesen, dass sie als unfreiwillige
Kuriere zur Informationsübermittlung eingesetzt werden können und dass sie bis zu
einem Punkt konditioniert werden können, wo ihr Glaube, eine veränderte
Persönlichkeit zu sein, sogar den Test mit einem Lügendetektor besteht".471
In seinem Buch „Bluebird - The Deliberate Creation of Multiple Personality“ by
Psychiatrists“ legt Ross eine Fülle weiterer Beweise dafür vor, dass die CIA und
andere amerikanische Behörden die Möglichkeiten der Bewusstseinsspaltung für
militärische und geheimdienstliche Zielsetzungen gründlich erforscht, analysiert und
erprobt haben.472 Diese Dokumente beweisen zwar nicht zwingend, dass die
Anschuldigungen mutmaßlicher Opfer dieser Projekte in allen Details tatsächlich der
Wahrheit entsprechen. Aber sie lassen erkennen, dass sie auch nicht völlig aus der
Luft gegriffen sind.
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Aussagen vor dem Komitee des Präsidenten:. Opfer klagen an
Obwohl die Greenbaum-Speech niemals offiziell veröffentlicht wurde und nur im
Internet und als Graue Literatur kursierte, entfaltete sie (und verwandte Texte wie der
Vortrag Loverns) einen bemerkenswerten Einfluss in der psychotherapeutischen
Szene, nicht nur in den Vereinigten Staaten. Man mag dies damit erklären, dass
Hammond eine „Massenhysterie“ unter leichtgläubigen Psychologen und Psychiatern
ausgelöst oder zumindest verstärkt habe. Wahrscheinlicher scheint mir, dass
Hammond ein Thema ansprach, das in der Luft lag. Schließlich musste sich sogar
ein Untersuchungsausschuss des Präsidenten der Vereinigten Staaten mit diesem
Thema auseinandersetzen. Und das kam so:
1997. Toronto, Kanada. Wayne Morris interviewt Valerie Wolf. Das Interview wird in
der "Mind Control Series" des Rundfunksenders CKLN ausgestrahlt. CKLN sendet
vom Campus der Ryerson-Universität in Toronto und erreicht den Großraum dieser
kanadischen Metropole. Seinem Auftrag entsprechend repräsentiert CKLN alle
Themen, Richtungen und Gruppen, die nicht im "Mainstream" der kanadischen
Medien vertreten sind.
Der Sender startete die "Mind-Control-Series" am 16. März 1997. Jeweils sonntags
zwischen 9.30 und 10.30 liefen während der folgenden zehn Monate Interviews und
Vorträge mit bzw. von Psychotherapeuten, Journalisten, Wissenschaftlern und
Opfern von Bewusstseinskontroll-Projekten über den Sender. Moderator und
Gesprächspartner der Gäste war der Musiker, Multimedia-Künster und Journalist
Wayne Morris ("Sucking Chest Wound", "Saugende Brustwunde").
Die inzwischen verstorbene Valerie Wolf war Sozialarbeiterin und Psychotherapeutin
aus New Orleans. Sie behandelte die Opfer schwerer psychischer Verletzungen. Und
sie brachte einen Stein ins Rollen, den nur eine gewaltige Mauer des Schweigens
stoppen konnte.
In diesem Interview erzählt Valerie Wolf eine atemberaubende Geschichte.473 Sie
berichtet, wie es ihr gelang, die Anliegen von Mind-Control-Opfern vor einen
Untersuchungsausschuss des amerikanischen Präsidenten zu tragen. Sie spricht
auch vom Mut und der Entschlossenheit zweier Frauen, die wohl das Entsetzlichste
erdulden mussten, was ein Mensch auszuhalten vermag.
Im Juni 1992 nahm Valerie Wolf an der "Fourth Annual Eastern Regional Conference
on Abuse and Multiple Personality Disorder (MPD)" in Alexandria (Virginia, USA) teil.
Sie hörte zwar nicht die inzwischen berühmt-berüchtigte Greenbaum-Rede, in der
Corydon Hammond die brutalen Methoden des Rituellen Missbrauchs von Kindern
zur Bewusstseinskontrolle schilderte - aber eine Freundin, die den Workshop
besucht hatte, kam sofort danach auf Valerie Wolf zu und meinte: "Eine Klientin von
uns beiden ist vermutlich ein Opfer genau dieser Art von Bewusstseinskontrolle, von
der in Hammonds Workshop gesprochen wurde."
Wolf besorgte sich die Tonbandaufzeichnung der Greenbaum-Rede. Schlagartig
wurde ihr klar, dass sie sogar zwei Klientinnen hatte, die offenbar als Kinder und
Jugendliche mit den von Hammond beschriebenen Methoden gequält worden waren.
Die Sozialarbeiterin hatte nie zuvor von Mind-Control-Experimenten gehört. Um ihren
Verdacht, die beiden Klientinnen seien Mind-Control-Opfer, zu erhärten, konfrontierte
sie die beiden mit den Schlüsselreizen aus dem griechischen Alphabet, von denen in
der Greenbaum-Rede gesprochen worden war. Die Klientinnen wurden
augenblicklich von traumatischen Erinnerungen überflutet.
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Diese Frauen befanden sich offenbar in einer fortgeschrittenen Therapiephase, denn
sonst hätten die griechischen Buchstaben kaum diesen Effekt auf ihr Gedächtnis
haben können. Um zu verhindern, dass Programme versehentlich ausgelöst werden,
verwenden die Bewusstseinskontrolleure keine Reize, die im Alltag vorkommen
können, also auch nicht griechische Buchstaben allein. Ein geeigneter Code könnte
aber aus einer Kombination zwischen einem griechischen Buchstaben, z. B. ALPHA
und weiteren Zeichen wie z. B. „A23top3north“ bestehen. Wenn also Wolfs
Klientinnen allein auf die griechischen Buchstaben reagierten, so hatten sich bei
ihnen offenbar die amnestischen Barrieren durch die Therapie und die relative
Sicherheit der therapeutischen Beziehung bereits gelockert.
Später behandelte Valerie Wolf weitere Klienten mit Mind-Control-Symptomatik. Viele
von ihnen erinnerten sich spontan an einen "Dr. Greene" und begannen,
unbeeinflusst von ihrer Therapeutin, über die Verwicklung der CIA in diese
Experimente zur Bewusstseinskontrolle zu sprechen. Valerie Wolf war sich sicher,
dass diese Klientinnen ihr Wissen nicht aus dem World Wide Web hatten, die sie
nicht über einen Internet-Anschluss verfügten und auch keine anderen
Informationsquellen (Buchläden, Bibliotheken u. ä.) nutzten.
Bei diesem mutmaßlichen Täter, Dr. Greene, handelt es sich offenbar nicht um den
"Green" der Greenbaum-Speech. Einer der Klienten, der vorgab, diesen Mann mit
einem Namensschild am weißen Kittel gesehen zu haben identifizierte ihn als "Dr. L
Wilson Greene". Ein Mann dieses Namens war "Scientific Director of the Chemical
and Radiological Laboratories at the Army Chemical Center", der auch für die CIA
forschte. Sidney Gottlieb behauptete in einem Interview, Wilson Greene habe,
zusammen mit dem Psychiater H. E. Himwich, die Aufmerksamkeit der CIA auf das
Halluzinogen LSD gelenkt.474 Es gibt freilich keinen Beweis dafür, dass dieser
Wissenschaftler mit dem Täter identisch ist.
1994 berief der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Bill Clinton ein
Beraterkomitee, das sog. "Advisory Committee on Human Radiation Experiments"
ein. Dieses Gremium sollte Berichte über möglicherweise unethische
Strahlenexperimente untersuchen, die vor Jahrzehnten von der amerikanischen
Regierung finanziert worden waren. Das "Advisory Committee" umfasste vierzehn
Mitglieder: einen "Repräsentanten der allgemeinen Öffentlichkeit" sowie dreizehn
Experten aus den Bereichen Bioethik, Onkologie, Biologie, Nuklearmedizin,
Epidemiologie und Biostatistik, öffentliche Gesundheit, Geschichte der Wissenschaft
und Medizin sowie Rechtswissenschaft.
Das Komitee sollte seine Empfehlungen einer "Human Radiation Interagency
Working Group" vortragen, die aus den Ministern einschlägiger Ministerien und
anderen hohen Regierungsbeamten bestand.
1994 fanden u. a. in New Mexico Anhörungen mutmaßlicher Opfer von
Strahlenexperimenten statt, die das Beraterkomitee des Präsidenten veranstaltete.
Eine Betroffene aus diesem Bundesstaat wollte bei einer dieser Anhörungen
aussagen. Sie glaubte, sowohl Opfer von Strahlen-, als auch von Mind-Control-
Experimenten zu sein. Sie wandte sich mit ihrem Anliegen an Wally Cummings,
einen Mitarbeiter des Beraterkomitees, der u. a. für die "Hearings" in New Mexico
verantwortlich war. Cummings interessierte sich für diesen Fall, da es in der Tat eine
Überschneidung beider Bereiche zu geben schien. Hatte doch am 24. Januar 1994
der U.S. News and World Report einen Bericht über die "Cold War Experiments"
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veröffentlicht und darin behauptet, die Strahlungstests seien nur ein kleiner Bereich
eines gewaltigen Forschungsprogramms gewesen, in dem Tausende von
Amerikanern als Versuchskaninchen benutzt worden seien. Auch die CIA stand im
Verdacht, im Rahmen ihrer Gehirnwäsche-Forschungen (MKULTRA) Experimente
mit Strahlen realisiert zu haben.475
Eine CIA-eigene Studie fand allerdings keine Hinweise für Strahlenexperimente mit
Menschen, die von diesem Geheimdienst realisiert wurden. Es sei aber nicht
auszuschließen, dass zwei Vertragspartner der CIA derartige Experimente
durchgeführt hätten, während sie an anderen Aufträgen für die CIA arbeiteten. Das
Memorandum hält allerdings fest, dass MKULTRA (das Rahmenprogramm zur
Gehirnwäscheforschung der CIA) auch die Genehmigung für Strahlenexperimente
besaß und dass die Akten über dieses Rahmenprogramm 1973 im Auftrag der CIA-
Führung zerstört wurden. Daher sei nicht zu erwarten, dass ein entsprechender
Verdacht gegen die "Agency" schnell verblassen werde.476 Und dies wohl zu recht,
denn zahlreiche überlieferte Dokumente und Zeugenaussagen lassen eine
Beteiligung der CIA an diesen Experimenten durchaus vermuten.477
Wally Cummings war auf der Suche nach gut dokumentierten Mind-Control-Fällen,
bei denen möglicherweise auch Strahlenexperimente eine Rolle gespielt haben
könnten. In seinen Gesprächen mit Experten wurde auch der Name Valerie Wolf
erwähnt, da sie einige sehr sorgfältige Fallbeschreibungen an einschlägig forschende
Wissenschaftler geschickt hatte. Cummings rief die Psychotherapeutin an und fragte
sie, ob sie zu einer Anhörung nach Washington komme wolle. Valerie Wolf stimmte
zu. Sie sprach auch mit ihren beiden Klientinnen, die ebenfalls einverstanden waren,
an dieser Befragung teilzunehmen.
Der Therapeutin sowie ihren beiden Klientinnen Claudia Mullen und Christine
deNicola wurde ursprünglich jeweils nur fünf Minuten Redezeit zugestanden; sie
durften dann jedoch insgesamt eine halbe Stunde sprechen. Zudem legten sie dem
Komitee eine schriftliche Dokumentationen ihres Falles bzw. ihrer Standpunkte vor.
Die Anhörung fand am 15. März 1995 unter Vorsitz von Dr. Ruth R. Faden im
Madison Hotel in Washington DC. statt.478
Als bekannt wurde, dass sie vor dem Komitee aussagen solle, wurde Valerie Wolf
von beinahe vierzig Therapeuten aus den gesamten Vereinigten Staaten kontaktiert.
Diese hatten ebenfalls Patienten behandelt, die behaupteten, Opfer von Mind-
Control- und Strahlungsexperimenten gewesen zu sein. Die Übereinstimmung dieser
Berichte über die Absichten der Bewusstseinskontrolle sowie die eingesetzten
Techniken (Elektroschocks, Halluzinogene, Reizentzug, Hypnose, Ausrenken von
Gliedmaßen und sexueller Missbrauch) sei bemerkenswert, betonte Wolf. Bei der
Bewertung dieser Übereinstimmung müsse man vor allem auch berücksichtigen,
dass (zum Zeitpunkt der Verhandlungen des Komitees, UG) so gut wie nichts über
die Details der Mind-Control-Methoden publiziert wurde.
Viele dieser Patienten litten auch unter schweren körperlichen Störungen, z. T.
unbekannter Herkunft - und es sei nicht klar, ob dafür u. U. die bei den Experimenten
eingesetzten Drogen oder Strahlungen verantwortlich seien. Zu diesen Störungen
zählen Autoimmun-Erkrankungen, Schilddrüsenprobleme, Multiple Sklerose und
andere Erkrankungen der Muskulatur bzw. des Bindegewebes. Viele Patienten
würden ihre Ärzte nicht über ihre Mind-Control-Geschichte aufklären aus Furcht, für
verrückt gehalten zu werden. Man müsse auch berücksichtigen, dass Mind-Control-
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Methoden zur Einschüchterung bis ins Erwachsenenalter der Betroffenen eingesetzt
worden sein könnten, um die Opfer von Aussagen abzuhalten.
Eine größere Zahl der Betroffenen hätte spontan Namen von Tatverdächtigen
genannt. Besonders häufig wurde ein "Dr. Greene" erwähnt, aber auch Sidney
Gottlieb und Dr. Martin Orne waren nach den Mutmaßungen einiger Klienten
angeblich in die Experimente involviert. Die Namen seien ohne Unterstützung durch
gedächtnisfördernde Techniken wie z. B. Hypnose erinnert worden. Der
Rechtswissenschaftler und Mind-Control-Experte Prof. Alan Scheflin habe ihr
bestätigt, dass die Klienten ihre Informationen nicht aus veröffentlichten Quellen
erhalten haben könnten.
Es sei versucht worden, die Angaben der Betroffenen durch Gespräche mit
Familienmitgliedern und Experten zu verifizieren. Darüber hinaus wurden Anfragen
nach dem Freedom of Information Act an die CIA und militärische Behörden
gerichtet. Die Beantwortung dieser Fragen wurde grundsätzlich verzögert oder
verweigert. Dennoch konnten einige Informationen gewonnen werden, die dafür
sprächen, dass zumindest einige der Aussagen der Klienten wahr seien.
Christine deNicola479 (geb. Juli 1962) sagte aus, sie sei ein Opfer von Mind-Control-,
Strahlen- und Drogenexperimenten. Die Experimente seien von 1966 bis 1976 an ihr
vorgenommen worden, und zwar von einem Mann, der ihr unter dem Namen "Dr.
Greene" bekannt sei. Ihr Vater, Richard Ebner sei in die Experimente involviert
gewesen. Die Bestrahlungen seien auf ihren Nacken, ihre Kehle und ihre Brust sowie
später auf ihre Brust und ihren Uterus gerichtet gewesen. Dabei seien
Strahlenexperimente in Verbindung mit den Bewusstseinskontroll- und
Drogenexperimenten verwirklicht worden.
Dr. Greene habe versucht, Kontrolle über ihren Geist zu gewinnen und sie als
Spionin und Attentäterin zu trainieren. Ihre erste Erinnerung an ein derartiges
Training stammt, so deNicola, aus dem Jahre 1966. Sie sei nackt und mit
gespreizten Gliedmaßen auf einen Tisch gefesselt worden. Dr. Greene hatte
Elektroden an ihrem Körper, einschließlich ihrem Kopf befestigt. Er benutzte ein
Gerät, das wie ein Overhead-Projektor ausschaute. Er behauptete, er würde Bilder in
ihr Gehirn brennen. Rote Lichtblitze zielten auf ihre Stirn.
Nach jeder Sequenz schockte er nach den Ausführungen von deNicola ihren Körper
mit Elektrizität und forderte sie auf, sich tiefer und tiefer in ihren Geist zu versenken.
Mit jeder Wiederholung würde jedes Bild tiefer und tiefer in ihr Gehirn eindringen. Sie
aber, so Greene, würde tun, was immer er ihr befehle. Während dieser
Programmierung stand deNicola offenbar unter Drogen; sie erinnert sich, zu Beginn
der Behandlung eine Injektion erhalten zu haben. Zum Abschluss wurde ihr wieder
eine Droge gespritzt. DeNicola war zur Zeit dieses angeblichen Mind-Control-
Trainings vier Jahre alt.
DeNicola erinnert sich an weitere Trainingseinheiten in einem Anwesen in der Wüste
nahe Tucson, Arizona, die sie im Lauf der Jahre absolvieren musste. Ihr wurde nach
ihrem Bericht beigebracht, Schlösser zu knacken, verschwiegen zu sein und ein
fotografisches Gedächtnis zu entwickeln. Außerdem lehrte man sie eine Technik,
Informationen zurückzuhalten, indem sie Zahlen in ihren Gedanken wiederholte. Dr.
Greene zwang das Mädchen, Puppen, die wie echte Kinder aussahen, mit einem
Speer zu erstechen. Wenn sie sich weigerte, fügte er ihr Schmerzen zu.
Dr. Greene sperrte sie häufig in einen Käfig ein. Aber mitunter gelang es ihr, zu
entkommen, wenn Assistenten von Dr. Greene vergessen hatte, den Käfig
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abzusperren. Sie schnüffelte dann in den Unterlagen, die sich in Greenes
Arbeitszimmer befanden. Dabei wurde sie zweimal erwischt. Zur Bestrafung quälte
sie Greene mit Elektroschocks und Drogen, renkte ihr die Gliedmaßen aus und
setzte hypnotische Techniken ein, um sie, wie DeNicola aussagte, verrückt zu
machen und in den Selbstmord zu treiben.
Angesichts ihrer fortdauernden Aufsässigkeit gab Dr. Greene dann seinen Plan auf,
so berichtet deNicola, sie zur Spionin und Attentäterin zu erziehen. In den letzten
zwei Jahren versuchte er, die entsprechenden Suggestionen durch
Selbstzerstörungs- und Todesbotschaften zu ersetzen. Von Anfang an sei es
Greenes Ziel gewesen, sie in eine Multiple Persönlichkeit zu verwandeln, um
vollständige Kontrolle über sie ausüben zu können. Obwohl es Dr. Greene nicht
gelungen sei, sie sich völlig zu unterwerfen, leide sie noch immer infolge der
geschilderten und zahlloser ähnlicher Misshandlungen unter physischen, mentalen
und emotionalen Schmerzen.
Christine deNicolas schriftliche Dokumentation ihres Falles enthält eine umfassende
Liste der Foltermethoden, die sich nach eigenem Bekunden am eigenen Leibe
erfahren musste. Im folgenden gebe ich diese Liste ausführlich wieder, da ähnliches
auch von anderen mutmaßlichen Opfern foltergestützter Bewusstseinskontrolle
berichtet wurde:
Schwere Elektroschocks am ganzen Körper
Brutale Vergewaltigung durch ihren Vater
Sexueller Missbrauch durch ihre Stiefmutter
Die Täter suggerieren ihr, sie sei lesbisch (obwohl sie sich heterosexuell fühlt
und eine Abneigung gegen gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen
bekundet).
Die Täter sperren sie in einen Käfig ein, schocken sie mit Elektrizität und
lassen sie in der Dunkelheit allein.
Das Opfer wird nackt auf einen Tisch gefesselt, Elektroden werden am ganzen
Körper befestigt, es wird mit Elektroschocks gefoltert oder auf einem Drehtisch
herum gewirbelt.
Die Täter fesseln sie nackt an eine Wand, schocken sie und vergewaltigen sie
zwischenzeitlich.
Sie wird in eine Kammer eingesperrt und gleichzeitig geschockt und herum
gewirbelt.
Sie wird gefesselt in eine Holzkiste gelegt. Elektroden werden an ihrem
ganzen Körper befestigt. Wanzen werden auf ihren Körper geschüttet. Die
Kiste wird mit einem Deckel verschlossen. Die Täter drohen, sie lebendig zu
begraben.
Sie wird gezwungen, ekelerregende Dinge zu essen, während sie geschockt
wird.
Sie wird gezwungen, ekelerregende Flüssigkeiten zu trinken, während sie
Elektroschocks erhält.
Sie wird gefesselt, geschockt und während dessen sexuell stimuliert.
Sie wird auf einen Stuhl gefesselt. Die Täter behaupten, dies sei ein
elektrischer Stuhl und sie müsse sterben. Sie wird geschockt.
Sie wird in einen Käfer gesperrt. Die Täter werfen lebende Schlangen auf sie.
Dann wird sie geschockt, bis die Schlangen von ihr abfallen.
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Sie wird über eine Schlangengrube gehalten und man droht ihr, sie hinein zu
werfen.
Sie wird nach einer Folterung mit Elektroschocks allein in eine dunkle Höhle
gesperrt.
Sie wird mit einer Kette gefesselt und geschockt, bis sie umfällt. Dann wird sie
als "Waschlappen" beschimpft.
Man renkt ihr die Gelenke aus und wieder ein.
Sie wird in einen Kasten gesperrt und mit Juckpulver überschüttet.
Sie wird bis zur völligen Bewegungslosigkeit zusammengeschnürt und
geschockt.
Sie wird auf eine Streckbank gefesselt und gestreckt.
Sie wird mit den Gliedmaßen an zwei Pfosten gebunden und so sehr wie
möglich gestreckt, dabei geschockt.
Sie wird in ein Gebäude gebracht, das wie eine psychiatrische Abteilung
aussieht bzw. eingerichtet ist. Sie erhält Drogen, die psychotische Symptome
auslösen. Man sagt ihr, sie sei verrückt und müsse für den Rest des Lebens in
der Anstalt bleiben. Dr. Greene benimmt sich gelegentlich so, als sei er
tatsächlich ein Psychiater und wolle ihr helfen. Er behauptet, sie könne
freikommen, wenn sie kooperiere.
Sie erhielt Injektionen in ihren Bauchnabel, ins Zentrum ihrer Vagina, in die
Brustwarzen und andere Bereiche ihrer Brust.
Sie führten Elektroden in ihren Uterus ein und schockten sie.
Sie entwürdigten sie in jeder nur erdenklichen Weise, suggerierten ihr Gefühle
völliger Hoffnungslosigkeit und Minderwertigkeit.
Sie suggerierten ihr unter Hypnose negative Botschaften über
Psychotherapeuten und Psychiater. Dies sollte eine Beziehung zu den
Fachkräften erschweren, falls sie einmal - gegen die Willen der Folterer -
professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollte.
Claudia Mullen480 (geb. 1950) berichtete, sie sei zwischen 1957 und 1974 Opfer einer
Mind-Control-Behandlung geworden. Deren Ziel habe darin bestanden, sie in eine
perfekte Spionin zu verwandeln. Zu den eingesetzten Mitteln zählten Strahlung,
chemische Stoffe, Drogen, Hypnose, Elektroschocks, Isolation in Wasserfässern,
Schlafentzug, Gehirnwäsche, verbaler, physischer, emotionaler und sexueller
Missbrauch.
Die Torturen begannen angeblich im Alter von sieben Jahren. Sie wurde
aufgefordert, niemals in die Gesichter ihrer Peiniger zu schauen und sich keine
Namen zu merken, berichtet sie. Sie habe sich die Namen aber dennoch eingeprägt:
Dr. John Gittinger habe sie getestet, Dr. Cameron habe sie mit Elektroschocks
behandelt und Dr. Greene habe sie bestrahlt. In einem Radio-Interview mit Wayne
Morris berichtete Mullen, Cameron habe sie mit "Lassie" angesprochen. Sie wusste
im übrigen nicht, dass Cameron seine weiblichen Opfer stets "Lassie" nannte.
Dass Cameron Erwachsenen aus politischen Gründen und finanziert durch die CIA
Elektroschocks gab, ist bewiesen und wurde ausführlich dokumentiert.481
Es lässt sich beim gegenwärtigen Stand der Erkenntnis nicht nachweisen, dass
Cameron auch Kinder für seine Gehirnwäsche-Experimente missbrauchte. Tatsache
aber ist, dass bereits in den frühen vierziger Jahren im Bellevue Hospital in New York
Elektroschock-Experimente mit Kindern realisiert wurden. Diese Forschungen
wurden von der amerikanischen Regierung finanziert und sie verfolgten das Ziel,
unerwünschte Verhaltensweisen zu kontrollieren. Die Kinder waren ansonsten
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psychisch völlig normal. Es handelte sich um Waisen bzw. vorübergehend
institutionalisierte Kinder.482
Der CIA-Projektleiter Sidney Gottlieb, so berichte Claudia Mullen, habe schließlich
entschieden, sie in das "Project ARTICHOKE" ("The Big 'A'") aufzunehmen. "Project
ARTICHOKE" war der direkte Vorläufer des CIA-Gehirnwäscheprogramms
MKULTRA. Nach den Mind-Control-Behandlungen konnte sie sich weder an die
Vorgänge, noch an die Täter erinnern. Ihre Erinnerung war durch Elektroschocks
ausgelöscht worden. Diese Maßnahmen fanden angeblich im Krankenhaus der
"Tulane University" in New Orleans statt. Der verantwortliche Arzt - nach der
Aussage von Claudia Mullen war es der bedeutende Neurophysiologe Dr. Robert G.
Heath - gab ihr falsche Erklärungen für die Spuren der Misshandlungen - für die
blauen Flecken, die Injektionsspuren, Brandwunden und Genitalentzündungen. Und
sie habe keinen Grund gehabt, dem netten Doktor, der sie immer 'Liebling' (Dear)
nannte, nicht zu glauben.
Wir wissen nicht, ob Robert G. Heath tatsächlich einer der Täter war, die Claudia
Mullen quälten. Wir wissen aber sehr genau, womit er sich u. a. beschäftigte. Vor
einem Untersuchungsausschuss des amerikanischen Senats sagte ein Mitarbeiter
der US-Armee aus, Heath habe z. B. psychisch kranken Patienten, denen er zuvor
Elektroden ins Gehirn einpflanzte, LSD, Meskalin und andere Drogen gegeben, um
die Wirkungen dieser Substanzen auf das Gehirn zu studieren. Zumindest bei einem
dieser Patienten sei kein Zusammenhang zwischen seiner Diagnose und dieser
Behandlung zu erkennen gewesen.483 Heath starb im September 1999 mit 84 Jahren.
Für seine ethisch fragwürdigen Experimente, auch im Auftrag der CIA, würde er
niemals zur Rechenschaft gezogen.
Ein Jahr später begann Mullens Ausbildung in einem ländlichen Anwesen in
Maryland namens "Deep Creek Cabins". Ihr wurde beigebracht, Männer sexuell zu
befriedigen und sie dabei dazu zu bringen, über sich selbst zu sprechen und ihr
Geheimnisse zu verraten. Sie wurde zu sexuellen Beziehungen zu zahllosen
Männern gezwungen. Die sexuellen Handlungen wurden durch versteckte Kameras
gefilmt.
In ihren schriftlichen Unterlagen berichtet Claudia Mullen, auch sie sei Opfer von
Foltermethoden geworden, die den von deNicola beschriebenen entsprechen oder
ähneln. Sie erwähnt zudem u.a. folgende Methoden:
Tests zur Bestimmung der Schmerztoleranz
Völlige soziale Isolation mit Nahrungsentzug
Erzeugung von Alpträumen und Zwang zur beständigen Erinnerung an diese
Erzeugung von Amnesien durch Elektroschocks (zuvor wurde ihr suggeriert,
nicht die "guten Doktoren" hätten sie gequält, sondern die "böse Mutter").
Christine deNicola und Claudia Mullen schilderten, was viele zuvor und danach
berichtet haben. Doch wie ihren Vorgängern und Nachfolgern fehlten den beiden
mutigen Frauen von dem Untersuchungsausschuss des amerikanischen Präsidenten
die schlüssigen Beweise. Und so hörte man ihnen zu, ungläubig oder auch
erschüttert - doch die Enthüllungen blieben bisher folgenlos. Viele Menschen, die
derartige Schilderungen lesen, können sich unter Umständen auch nicht vorstellen,
dass Menschen so abgrundtief grausam gegenüber Kindern sein können. Diese
Menschen sollten aber bedenken, dass wir keineswegs einen Sadismus der
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allerperversesten Sorte als Motiv für diese Quälereien annehmen müssen. Der
Einsatz von Foltermethoden zur Persönlichkeitsspaltung lässt sich auch nüchtern
„wissenschaftlich“ begründen:
Folter steigert die hypnotische Empfänglichkeit ins Extrem.
Durch geschickte Suggestionen wird die Angst vor der Folter zu dem
entscheidenden Antrieb, der die Persönlichkeitsspaltung und die Amnesie
aufrecht erhält.
Die Folter eignet sich auch hervorragend zur Dressur der
Persönlichkeitsfragmente.
Im Mai 1997 schickte das "Advocacy Committee For Human Experimentation
Survivors - Mind Control (ACHES-MC)" einen Video-Brief an den Präsidenten der
Vereinigten Staaten, William Clinton, den Premierminister Kanadas, Jean Chretien
sowie an die Mitglieder des "Advisory Committee on Human Radiation Experiments".
Der Video-Brief, bei dessen Produktion ACHES-MC von Wayne Morris unterstützt
wurde, enthielt Auszüge aus den Stellungnahmen von Valerie Wolf, Christine
deNicola und Claudia Mullen.
Im Begleitschreiben heißt es: "Es ist nunmehr über zwei Jahre her, seit Valerie Wolf,
Claudia Mullen und Christine Ebner (deNicola) vor Ihrem Komitee ausgesagt haben.
Zum Abschluss des Hearings empfahl das Komitee eine weitere Untersuchung der
Mind-Control-Forschung an unwissenden Versuchspersonen. Nichts wurde getan,
und es gab auch keine Berichterstattung oder Untersuchung durch die Mainstream-
Medien trotz der Zeugenaussagen."484
Im späten Juli desselben Jahres antwortete im Auftrag des Weißen Hauses das
amerikanische Energieministerium (Department of Energy), das zahllose
Strahlenexperimente finanziert hatte. In diesem Schreiben heißt es: "Die Regierung
Clinton ist bestürzt angesichts der Missbrauchs von Menschen in geheimen
Experimenten ohne deren Einverständnis". Das Energieministerium weist darauf hin,
dass im März ein Komitee verschiedener Regierungsbehörden in Reaktion auf den
Bericht des "Advisory Committee on Human Radiation Experiments" beschlossen
habe, Schritte einzuleiten, weitere Dokumente über Menschenexperimente
freizugeben und eine unabhängige Prüfung der Aktenablage der CIA vorzunehmen.
Zusätzlich würde der interne 'Watchdog' der CIA die Menschenversuche dieses
Geheimdienstes noch einmal überprüfen. Außerdem habe der Präsident eine
Richtlinie zu den Rechten und zum Schutz der Menschen erlassen, die an geheimen,
von der Regierung finanzierten Experimenten teilnehmen.485
Am 23. Oktober 1997 wurde Claudia Mullen angeschossen. Sie war Monate lang an
ein Atemgerät gefesselt und musste sich in den folgenden Jahren einer Reihe von
Operationen unterziehen. Sie teilten dem Mind-Control-Experten und investigativen
Autor Jim Keith 1999 mit, dass sie den Täter zu kennen glaube, seine Identität
wegen des schwebenden Verfahrens jedoch nicht preisgeben könne.486
In einer Anfrage an die "Bioethics Interest Group (National Institute of Health, NIH)"
vom 5. April 1999 stellt die ACHES-MC noch einmal fest, dass die angekündigten
Untersuchungen der Menschenversuche immer noch nicht in Angriff genommen
worden seien. Es sieht auch heute, zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Kapitels
im Jahre 2002, nicht so aus, als seien die Zeiten günstig für eine gründliche
Aufklärung der Mind-Control-Projekte durch die amerikanische oder andere
Regierungen.
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Claudia Mullen vermutete in einem Interview, das Wayne Morris, ebenfalls im
Rahmen der Mind-Control-Series 1997, mit ihr führte, die Regierung warte mit der
Aufklärung der Vorwürfe, bis alle beteiligten CIA-Mitarbeiter gestorben seien. Dies
habe die CIA angeblich einem Experten mitgeteilt, der Anfragen nach den "Freedom-
of-Information-Act (FOIA)" (Informationsfreiheitsgesetz) für sie, Mullen eingereicht
habe.
Wir wissen nicht, ob Claudia Mullen und Chris deNicola Tatsachen berichten, einer
Täuschung unterliegen oder gar lügen. Wir wissen auch nicht, ob die von ihnen
angeschuldigten Personen tatsächlich Täter waren und wenn ja, aus welchen
Motiven sie handelten.
In einem Schreiben vom 9. März 1995 an den Untersuchungsausschuss des
amerikanischen Präsidenten schrieb der bedeutende Rechtswissenschaftler Prof.
Alan W. Scheflin über Claudia Mullens Erinnerungen: „Claudias Therapeutin war so
freundlich, mir – mit dem Einverständnis der Patientin - einige der sachdienlichen
Aufzeichnungen zu schicken, die Claudias Erinnerungen an ihre Erfahrungen als
ahnungsloses Opfer dieser Experimente reflektierten. Ich sehe mich in der Lage zu
bestätigen, dass einige der von Claudia gelieferten Informationen absolut wahr sind
und nicht aus anderen veröffentlichten Quellen abgeleitet werden konnten. Ich bin
überzeugt, Claudia ist der Beweis dafür, dass die geheime Bewusstseinskontroll-
Forschung der Regierung weitergeht, und zwar viel ausgedehnter, als die Regierung
zuzugeben bereit ist.“487
Diese Einschätzung Scheflins ist sicher wohl begründet, aber selbstverständlich noch
kein Beleg für die Wahrheit der Zeugenaussage Mullens. Wie bei den meisten
anderen mutmaßlichen Opfern fehlen die zwingenden Beweise. Nur eins wissen wir
inzwischen genau: Psychiater haben im Auftrag der CIA absichtlich Multiple
Persönlichkeiten produziert, um sie in mentale Roboter zu verwandeln. Colin A.
Ross, der weltweit anerkannte Experte für die Behandlung der Opfer psychischer
Traumata, hat die eindeutigen Beweise für diese Behauptung in seinem Buch
"Bluebird"488 zusammengetragen.
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Cheryl und Lynn Hersha – Bewusstseinskontrolle im Namen des
Staats
Die wohl beste Dokumentation eines Projekts im Geiste George A. Estabrooks
stammt von den Schwestern Cheryl und Lynn Hersha (Pseudonyme) sowie ihren Co-
Autoren Dale Griffis und Ted Schwarz.489 Die beiden Schwestern sind mutmaßliche
Opfer absichtlich herbeigeführter Persönlichkeitsspaltungen. Die Täter verfolgten das
Ziel, sie in geistig versklavte Soldaten, in mentale Kriegsroboter zu verwandeln.
Dale Griffis ist ein ehemaliger Polizist und Polizeiausbilder, der sich heute als Berater
auf „okkulte Verbrechen“ spezialisiert hat. Griffis ist, wie wohl die meisten Menschen
mit diesem Themenschwerpunkt, in den Vereinigten Staaten nicht unumstritten. Die
Vorwürfe gegen ihn, die zumeist aus der Sekten-Ecke stammen, sind allerdings in
der Regel nebelhaft. Der einzig greifbare Vorwurf besteht darin, dass er seinen
Doktortitel an einer fragwürdigen Fernuniversität erworben habe. Dale Griffis begann,
sich mit destruktiven Kulten auseinanderzusetzen, nachdem sein Sohn sich als
Teenager das Leben genommen hatte, angeblich im Namen Satans.490
Der Autor Ted Schwarz hat einen Arbeitsschwerpunkt im Bereich der „abnormalen
Psychologie“ und wurde als erster Laie eingeladen, auf dem „Second Pacific
Congress on Psychiatrie“ ein Papier über Multiple Persönlichkeiten vorzutragen.
Schenkt man den Autoren von „Secret Weapons“ Glauben, so waren Cheryl und
Lynn Hersha Opfer eines ultrageheimen Programms der amerikanischen Regierung.
Dieses Programm hatte das Ziel, perfekte Soldaten und Spione zu produzieren.
Dieser Wunsch dürfte so alt sein wie der Krieg. Berichte über zuverlässige, feige,
nervenschwache Kriege durchziehen die Kriegsliteratur seit den alten Griechen und
Römern. Nicht selten wurden Kriege entschieden, nicht etwa, weil der eine
Kontrahent mehr Leichen produzierte als der andere, sondern weil eine Seite die
Nerven verlor und deren Kämpfer in heilloser Flucht ihr Leben zu retten versuchten.
Während des 2. Weltkriegs wurden 504.000 Mann des amerikanischen Heeren (ohne
Marine und Luftwaffe) dauerhaft kampfunfähig aufgrund psychiatrischer Probleme.491
Seit dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki wurden den Militärs
schnell klar, dass die Probleme soldatischer Disziplin sich im Nuklearzeitalter noch
erheblich verstärken würden. Natürlich stellte sich die Frage, wie man die Soldaten
am besten auf Kampfeinsätze unter diesen Bedingungen vorbereiten sollte.492 In
Kenntnis der enormen Bedeutung des psychologischen Faktors im Kriege wussten
die Strategen in den Generalstäben, dass die Qualität der Antwort auf diese Frage
gewiss kriegsentscheidend sein konnte.
Man muss diese unbestreitbaren Sachverhalte im Auge haben, wenn man Berichte
wie die der Hersha-Schwestern über unvorstellbar grausame militärische Dressuren
sachlich beurteilen will. „Der Krieg ist das Ende allen Gesetzes“, schrieb Estabrooks
1943 in seinem Buch „Hypnotism“. „Wenn wir fordern, uns an die Spielregeln zu
halten, sind wir kindisch, denn es ist kein Spiel und die Regeln werden niemals
eingehalten. In letzter Analyse ist jede Maßnahme gerechtfertigt, die uns vor der
Niederlage schützt.“493
Die militärische Karriere der Hersha-Schwestern begann früh, sehr früh. Mitte der
sechziger Jahre wurden zwei kleine Mädchen im Alter von vier und sechs Jahren
unfreiwillige Rekrutinnen einer Spezialeinheit, die aus ihnen tödliche, geheime,
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menschliche Waffen machen sollte. Es ist aus Platzgründen nicht möglich, auch nur
eine kurze Zusammenfassung der vielschichtigen Geschichten von Lynn und Cheryl
Hersha nachzuerzählen. Und so beschränke ich mich auf eine Schilderung
charakteristischer Sequenzen ihrer Ausbildung in ihrer frühen Kindheit, die mit
Einverständnis der Eltern und unter strengster Geheimhaltung erfolgte.
Bevor das Training begann, mussten die Kinder einen Eignungstest absolvieren, der
in einer Militärbasis stattfand. Cheryl and Lynn wurden mit einer Reihe anderer
Kinder getestet. Die Kinder wurden an Stühle gefesselt. Vor ihnen auf einer Bank
befand sich ein Knopf, den sie drücken mussten, sobald er rot erleuchtet war. Die
Kinder waren an Elektroden angeschlossen. Der Test bestand aus mehreren
Durchgängen. Zunächst flackerten die Knöpfe auf, dann blieb der Knopf jeweils nur
vor einem Kind rot. Sobald das ausgewählte Kind den Knopf weisungsgemäß
gedrückt hatte, erhielt ein zufällig ausgewähltes anderes Kind einen sehr
schmerzhaften Elektroschock.
Als Cheryl an der Reihe war, weigerte sie sich, den Knopf zu drücken. Der
„Testpsychologe“ forderte sie zweimal dazu auf – und als sie sich immer noch
weigerte, wurde sie selbst geschockt. Die Kinder begriffen nun die Logik des Spiels:
Wenn du den Knopf betätigst, wird ein anderes Kind geschockt. Drückst du ihn nicht,
dann erhältst du selbst den Stromstoß. Und da die Kinder an ihre Stühle gefesselt
waren, gab es kein Entkommen. Alle Kinder, auch Lynn, befolgten die Anweisung.
Doch Cheryl ließ sich nicht einschüchtern und weigerte sich auf beim nächsten Mal
zu kooperieren. Daraufhin erhielt sie einen wesentlich schmerzhafteren Schock. Ihr
Körper verkrampfte sich unter dem Stromstoß.
Es folgten zahllose Durchgänge: Ein Kind drückte den Knopf, ein anderes Kind
wurde gefoltert. Die Kinder wurden immer verzweifelter und riefen nach Mutter und
Vater. Doch die Täter betonten immer wieder, das die Eltern der Kinder gute
Patrioten und mit diesem „Spiel“ einverstanden seien. Die Kinder sollten sich als
auserwählt fühlen: „Es ist ein Privileg, hier zu sein. Es gibt keinen Grund zu heulen
und zu flennen. Wir haben nur die klügsten Kinder ausgesucht. Es besteht überhaupt
kein Grund, sich zu fürchten.“
Als Cheryl sich zum drittenmal weigerte zu kooperieren, war der bestrafende
Stromstoß so stark, dass sie das Bewusstsein verlor. Als Lynn dies sah, wollte sie
ihrer Schwester beistehen. Sie stemmte sich in ihre Fesseln und es gelang ihr, den
Tisch vor sich umzuwerfen. Einige Kabel lösten sich aus der Verankerung. Die
Experimentatoren waren enttäuscht, den Lynn hatte zuvor nicht nur mitgespielt,
sondern auch ihre Schwester mehrfach zur Kooperation aufgefordert. Der
Experimentator wollte das Kind bereits aus dem Programm werfen, es aber zuvor
grausam bestrafen. Doch einer der dem Test beiwohnenden Offiziere hielt ihn
zurück. Man habe ein neues Projekt gestartet, und dafür sei Lynn offenbar genau
das richtige Kind.
Bei der beschriebenen Prozedur handelte es sich natürlich nicht in erster Linie um
einen Test. Zusammen mit ähnlichen Maßnahmen (soziale und sensorische
Isolation, Mangelernährung etc.) ging es hier darum, die Kinder über ihrem
„Bruchpunkt“ hinauszutreiben und ihre Gehirne in den Zustand der transmarginalen
protektiven Hemmung (im Sinne Pawlows) zu versetzen. In diesem Zustand konnten
mit Aussicht auf Erfolg jene Verfahren angewendet werden, die bei Kindern dieses
Alters unter bestimmten persönlichen Voraussetzungen (Dissoziationsfähigkeit,
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Hypnotisierbarkeit etc.) in der Regel zu einer tiefgreifenden Spaltung der
Persönlichkeit führen.
Cheryl wurde nackt auf einen Stuhl gefesselt. Dabei wurden ihre Beine gespreizt. Ihr
Kopf wurde durch einen Helm fixiert, so dass sie ihren Blick nicht von der Leinwand
vor ihr abwenden konnte. Am Stuhl und am Helm befanden sich elektrische
Kontakte. Cheryl wurden pornographische Filme gezeigt. Diese stammten aus
kommerzieller Produktion. Aber sie waren mit einer Tonspur versehen, die eigens für
die Persönlichkeitsspaltung hergestellt worden war. Eine männliche Stimme erklärte
die dargestellten Szenen und hob deren pädagogische Bedeutung hervor. Während
der Filme betastete eine Frau Cheryls Körper und sprach mit sanfter Stimme zu ihr
über das Geschehen auf der Leinwand. Die Aktionen der weiblichen Darsteller
kommentierte sie immer wieder mit den Worten: „Das ist es, was gute Frauen
machen!“
In einem späteren Stadium wurden Cheryl gewaltpornographische Filme gezeigt.
Immer, wenn die Darstellerin im Film sexuell berührt wurde, erhielt Cheryl
Stromstösse über einen Kontakt, der in ihre Vagina geschoben worden war. Die Frau
suggerierte ihr: „Lust ist Schmerz und Schmerz ist Lust!“
Direkt nach dieser Behandlungsphase wurde Cheryl in ein Schubfach gelegt. Dieses
Schubfach ähnelte jenen Schubfächern, in denen in Leichenschauhäusern die
Leichen kühl gehalten werden. Doch in diesem Schubfach war eine ausreichende
Luftversorgung sichergestellt worden. Überdies hatten die Täter einen Lautsprecher
eingebaut. Cheryl musste sich stundenlang Geschichten über „Sexy Sadie“ anhören.
„Sexy Sadie“ war ein Kind, das jene sado-masochistischen Spiele liebte, die Cheryl
zuvor im Film gezeigt worden waren. Immer wieder wurde hervorgehoben, wie sehr
„Sexy Sadie“ ihre Aufgabe liebte und wie glücklich sie war, dafür ausgesucht worden
zu sein. Das Band suggerierte Cheryl, dass „Sexy Sadie“ eine imaginäre
Spielkameradin sei, die zusammen mit Cheryl in einem Körper wohne.
Alle ein bis zwei Stunden klopfe es von außen an der Schublade: „Ist Sexy Sadie
bereit, zum Spielen herauszukommen?“
„Nein“, schrie Cheryl verzweifelt.
Doch Stunde um Stunde verstrich. Schließlich gab Cheryl auf. Sie wurde „Sexy
Sadie“.
„Kann Sexy Sadie nun zum Spielen herauskommen?“
„Ja!“
Die Schublade öffnete sich. Die Täter halfen dem Kind aufzustehen. Cheryl war
verschwunden, war tief im Unbewussten des Kindes vergraben. Das Mädchen, dass
sich eingenässt hatte, wurde gebadet und erhielt etwas zu essen. Danach, so hieß
es, würde man mit ihr über die Spiele sprechen.
Die aufsässige Lynn erhielt eine andere Behandlung. Auch sie wurde auf einen Stuhl
gefesselt, auch sie wurde mit Elektrizität gefoltert. Aber sie war für andere Aufgaben
vorgesehen als Cheryl. Lynn wurde unter Drogen gesetzt und hypnotisiert. Ihr Körper
wurde mit einem Markierstift in zwei Teile geteilt. Nachdem sie Linie fertiggestellt
war, erhielt sie einen Stromschlag. Ihr wurde suggeriert, dass sie aus zwei
Persönlichkeiten bestünde, dem gehorsamen Janus und der aufsässigen Janice.
Danach wurde sie auf einen Tisch gefesselt und mit dem Markierstift in vier Teile
geteilt. Diesen vier Teilen wurden unterschiedliche Namen und
Persönlichkeitsmerkmale zugewiesen.
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Lynn wurde mit einigen anderen Kindern allein im Wald ausgesetzt. Ein
Hubschrauber hatte sie an den Ausgangspunkt gebracht und war dann sofort
fortgeflogen. Die Kinder sollten allein zur Basis zurückfinden. Natürlich wurden sie
dabei von für sie unsichtbaren Erwachsenen beobachtet. Lynn bewährte sich bei
dieser Aufgabe und wurde dafür ausgiebig gelobt. Man erklärte ihr, dass sie für den
Rest der Übung für die anderen Kinder verantwortlich sei. Dies dürfe sie ihren neuen
Schützlingen aber nicht sagen. Lynn wurde also auf eine militärische
Führungsaufgabe vorbereitet. Demgegenüber sollte Cheryl eine perfekte Spionin
werden.
Doch unabhängig von der Spezialisierung des weiteren Trainings war allen
Maßnahmen eine Zielsetzung gemeinsam: Die Kinder sollten geistig völlig versklavt
werden. Dazu gehörte die vollständige Zerstörung des Selbstwertgefühls. So wurde
Cheryl eines Tages in ein Labor gebracht, in dem sich einige Affen in Käfigen
befanden. Ein Käfig war leer. Cheryl wurde nackt in diesen Käfig gesperrt. Sie erhielt
dieselbe Nahrung wie die Affen und musste an denselben Experimenten teilnehmen.
Dabei handelte es sich um Experimente zur Erforschung des Verhaltens von
Primaten. Bei Fehlern erhielten die Tiere und auch Cheryl Elektroschocks. So sollte
die Lerngeschwindigkeit gesteigert werden.
„Du bist ein Laborratte“, sagte ein Experimentator zu Cheryl. „Eine gute Laborratte
verhält sich ruhig und tut, was ihr gesagt wird.“
Während ihrer Kindheit, Jugend und frühen Erwachsenenzeit wurden Cheryl und
Lynn zu perfekten mentalen Robotern abgerichtet. Ein Teil ihrer Persönlichkeit führte
ein normales Leben, der andere Teil gehörte dem Staat. Cheryl wurde zur
Verführerin und mit allen Wassern gewaschenen Spionin. Lynn lernte, Flugzeuge
und Hubschrauber zu fliegen und mit modernen Waffen zu kämpfen. Mit Hilfe von
Psychotherapeuten konnten sie sich schließlich aus ihrer Versklavung befreien.
Allerdings ist es ihnen bisher noch nicht gelungen, ihre Geschichten zu beweisen.
Dieses Schicksal teilen sie mit Chris deNicola, Claudia Mullen und vielen anderen
mutmaßlichen Opfern militärischer und geheimdienstlicher Gehirnwäsche, die ähnlich
Geschichten berichtet haben.
In einem späteren Teil dieses Buches werde ich mit dem vorhandenen
Beweismaterial gegen die CIA und andere staatliche Institutionen im Detail
auseinandersetzen. Es lässt sich nachweisen, dass Geheimdienste und militärische
Organisationen Gehirnwäscheprojekte realisiert, dass sie die Persönlichkeit von
Menschen gespalten und Persönlichkeitsfragmente im Sinne militärischer
Zielsetzungen dressiert haben. Wir können aber – mit wenigen Ausnahmen - nicht
beweisen, dass die mutmaßlichen Opfer auch tatsächlich Opfer waren. Es gab die
Projekte, also muss es auch Opfer geben. Wer diese Opfer waren, wird vielleicht nie
geklärt werden.
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Gladio, das blutige Schwert der NATO – und eine Spekulation
1991 wollte die Gruppe der PDS/Linke Liste im Bundestag von der Bundesregierung
wissen, was es denn mit jener geheimen NATO-Organisation auf sich habe, die kurz
zuvor nach Enthüllungen des italienischen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti unter
dem Namen "Gladio" bekannt geworden war. Dabei handelte es sich um eine
europaweite Partisanentruppe, die z. B. in Frankreich "Glaive", in Österreich
"Schwert", in Griechenland "Schafsfell" in Deutschland "Stay Behind Organization
(SBO)" oder auch "Das Schweigenetz" hieß. Der letzgenannte Begriff triff den
Sachverhalt besonders gut, denn es handelte sich hier um eines der am besten
gehüteten Geheimnisse des Kalten Kriegs.
Die Bundesregierung antwortete auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla
Jelpke, dass mit dem Aufbau der Stay Behind Organisationen der NATO-Staaten
bereits kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs begonnen wurde. Die von den
Alliierten bis 1955 entwickelten geheimdienstlichen Elemente seien dann 1956 vom
Bundesnachrichtendienst (BND) übernommen worden. "In den Jahren bis 1983", so
heißt es weiter, "gab es auch eine Komponente zur Ausbildung von Personen, die in
dem besetzten Gebiet Sabotagehandlungen gegen die Besatzungsmacht
durchführen bzw. Widerstandsgruppen organisieren und führen können sollten."494
Nach Recherchen der britischen antifaschistischen Zeitschrift Searchlight wurde die
Idee geheimer antikommunistischer Guerilla-Truppen in Europa von dem legendären
CIA-Strategen Allan Dulles ausgeheckt. Dulles, Bruder des amerikanischen
Außenministers John Foster Dulles, wurde 1951 Deputy Director und 1953 Director
der CIA. Dulles habe diese Idee zusammen mit dem Leiter des britischen Secret
Intelligence Service (SIS), Sir Stewart Menzies und dem belgischen
Ministerpräsidenten Paul-Henri Spaak zwischen 1949 und 1952 zu einen Plan
ausgearbeitet, der dann zügig europaweit verwirklicht wurde. Dabei habe es eine
Arbeitsteilung zwischen den Briten und den Amerikanern gegeben. Die Briten hätten
die Verantwortung für Frankreich, Belgien, Holland, Portugal und Norwegen
übernommen. Die Amerikaner seien für den Rest Europas zuständig gewesen.495
Beim Aufbau und bei der Aufrechterhaltung der Gladio-Strukturen spielten die CIA
und andere US-Geheimdienste eine entscheidende Rolle; vor allem in den ersten
Jahren kooperierten die amerikanischen Dienste unbekümmert mit alten Nazis und
ihren Verbündeten. Bevorzugt wurden ehemalige Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes
(SD), des Geheimdienstes der SS.496
Doch auch später soll Gladio mit rechtsextremen oder nazistischen Gruppen
zusammengearbeitet haben. So schrieb William Scobie am 18. 1.. 1990 im britischen
Observer, dass der stellvertretende Leiter der römischen CIA-Niederlassung Ted
Shackleton in den siebziger Jahren den berüchtigten Führer der rechtsextremen
Geheimloge Propaganda Due (P2), Licio Gelli mit General Alexander Haig bekannt
gemacht habe. Haig war damals Nixons Stabschef und später NATO-Chef. Die P2
war eine der einflussreichsten politischen Organisationen Italiens, und in ihren
Glanzzeiten gehörten vier Minister, alle drei Geheimdienstchefs, 48
Parlamentsabgeordnete, 160 hochrangige Militärs sowie Bankiers, Industrielle und
Spitzendiplomaten zu ihren Mitgliedern. Nach der Begegnung zwischen Haig und
Gelli soll der Stern von Gladio in Italien zu neuem Glanz erstrahlt sein - dank Haig
und des damaligen Chefs des National Security Councils, Henry Kissinger.
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Offiziell verantwortlich für alle nationalen Stay-Behind-Organisationen waren die
"Supreme Headquarters of the Allied Powers in Europe (SHAPE)". Dies ist die
europäische Einsatzzentrale der NATO in Brüssel. Einmal von SHAPE abgesegnet,
waren die Einsatzpläne der geheimen Partisanenorganisation für alle Mitgliedsländer
verbindlich. Damit entzogen sich die "Stay Behinds" der Kontrolle durch die
nationalen Parlamente. Mit anderen Worten: "Die nationale Selbstbestimmung eines
Großteils der europäischen Staaten war hinsichtlich eines zentralen Lebensnervs
außer Kraft gesetzt."497
Die Stay-Behind-Truppen sollten allerdings nicht nur im Falle einer sowjetischen
Invasion tätig werden, sondern auch bei einem friedlichen Machtwechsel in den
NATO-Staaten. Hier richtete sich das Augenmerk der Gladiatoren natürlich
besonders auf Länder wie Italien, in denen Wahlsiege der Kommunisten und ihrer
Verbündeten nicht ausgeschlossen waren.498 Und so werden Stay-Behind-
Formationen auch mit diversen terroristischen Aktivitäten in Verbindung gebracht.
In Italien könnte dabei die Propaganda Due als Kooperationspartner eine
entscheidende Rolle gespielt haben. 1978 wurde der Führer der italienischen
Christdemokraten Aldo Moro entführt und ermordet. Moro war Befürworter des
"historischen Kompromisses" zwischen den Christdemokraten und den
Kommunisten. Dieser Kompromiss, der die Kommunisten an der politischen Macht in
Italien beteiligt hätte, stieß auf massive Kritik der Amerikaner. Die Journalisten
Gerhard Wisnewski, Wolfgang Landgraeber und Ekkehard Sieker schrieben in ihrem
Buch über die Nützlichkeit des Terrorismus für Politik und Wirtschaft zum Fall Moro:
"Die konspirative Organisation, die die Entführung steuerte und seinen Tod
verursachte, war die Geheimloge P2."499
Es stellt sich natürlich aus naheliegenden Gründen die Frage, ob von den "Stay
Behinds" auch jene Methoden eingesetzt wurden, die im Rahmen der CIA-
Gehirnwäscheprojekte BLUEBIRD, ARTICHOKE und MKULTRA entwickelt wurden.
Es war ja ein erklärtes Ziel dieser Programme, Menschen ohne ihr Wissen und
gegen ihren Willen in mentale Roboter zu verwandeln, die jeden Befehl ausführen -
sogar dann, wenn er dem eigenen Selbsterhaltungstrieb wiederspricht.500 Eine
Spezialeinheit aus mentalen Robotern, aus den sog. Mandschurischen Kandidaten
(manchurian candidates) wäre natürlich eine Waffe von unschätzbaren Wert für jede
Partisaneneinheit gewesen, die im Vorfeld des atomaren Overkills zuverlässige
Kämpfer für Himmelfahrtskommandos brauchte.
Man kann sich kaum vorstellen, dass „normale“ Partisanen bereit und in der Lage
gewesen wären, unter den Bedingungen einen atomaren Weltkriegs kalten Bluts
effektiv extrem schwierige und gefährliche militärische Aktionen zu realisieren. Man
muss sich ja vor Augen halten, dass sie in dieser Situation nicht unter der Kontrolle
einer regulären Armee gestanden und eventuell sogar völlig auf sich gestellt
gewesen wären.
Doch diese Fragen werden wahrscheinlich niemals geklärt werden. Die Antworten
hat vermutlich längst der Reißwolf gefressen. Vielleicht war es ja der Reißwolf des
Chefs der CIA-Gehirnwäscheforschung, Sidney Gottlieb, der 1973 den größten Teil
der einschlägigen Dokumente vernichtete. Doch eine Frage drängt sich auf: Wenn
nicht für Aufgaben wie jene im Rahmen von Gladio, für welche Verwendungszwecke
hat dann die CIA Millionen Dollar ausgegeben, um Mandschurische Kandidaten zu
kreieren?
© Hans Ulrich Gresch 2003
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Die volkseigene Gehirnwäscherei. Bewusstseinskontrolle in den
sozialistischen Staaten
Die Methoden der Gehirnwäsche in den sozialistischen Staaten unterschieden sich
nicht wesentlich von den im freien Westen eingesetzten Verfahren. Zwei Beispiele
aus der Volksrepublik China, die ich der Schrift von Klaus Thomas über „Die
künstlich gesteuerte Seele“501 übernehme, verdeutlichen diese Einschätzung:
Der Fall Dr. Vincent: Dr. Vincent wird in eine 2,40 mal 3,60 große Zelle gesteckt. In
dieser Zelle befanden sich bereits acht fortgeschrittene chinesische Gefangene. Der
„Zellenchef“ befiehlt ihm, sich in die Mitte der Zelle zu setzen und zu bekennen. Der
„Zellenchef“ redet ihn grundsätzlich nur mit seiner Gefangenennummer an.
Vincent wird in der Nacht zehn Stunden verhört. Dann wird er, an Händen und Füßen
gefesselt, in die Zelle zurück geschickt. Er muss ständig stehen. Beim Essen darf er
seine Hände nicht gebrauchen. Waschen konnte er sich natürlich auch nicht.
In der zweiten Nacht wird das Verhör fortgesetzt. Vincent gesteht phantasierte
„Verbrechen“, verwickelt sich aber in Widersprüche. Und so wird er auch in den
folgenden Nächten weiter verhört. Tagsüber muss er seinen Mitgefangenen seine
Geständnisse diktieren.
Nachdem er endlich jene Aussagen produziert hatte, die seine Peiniger von ihm
erwarteten, nahm man ihm die Ketten ab und behandelte ihn etwas freundlicher.
Wurde er jedoch rückfällig, indem er das eine oder andere ihm zur Last gelegte
„Verbrechen“ erneut bestritt, legte man ihm die Ketten wieder an.
Nach dem ersten und dem zweiten Jahr musste er sein Geständnis „verbessern“. In
dieser Zeit nahm er an „Schulungsprogrammen“ teil und glaubte schließlich vieles
von dem, was er gesagt hatte.
Nach drei Jahren musste er sein endgültiges Geständnis unterschreiben, wurde zu
drei Jahren Haft verurteilt, die als verbüßt galten, und nach Hongkong ausgewiesen.
Dries van Collie: Der belgische Priester van Collie muss seine 12 qm große Zelle mit
15 Mitgefangenen teilen. Die Insassen müssen sich fortwährend bespitzeln, dürfen
aber kein privates Wort miteinander wechseln. Immer wieder werden sie endlosen
Verhören unterzogen, bis sie die ihnen zur Last gelegten Verbrechen gestehen und
ihre Mitgefangenen bezichtigen.
Die Gefangenen werden pausenlos kritisiert und Schikaniert, sie können ihren
Wärtern nichts recht machen. Sie müssen zahllose sinnlose Verbote befolgen
(„Schau nicht aus dem Fenster!“, „Du sollst den Kopf nicht heben!“ etc.). Ständige
Kommandos („Denke an Deine Verbrechen!“, „Erinnere Dich an die Ansprache von
Tschu En Lai!“ etc) folgen in buntem Wechsel aberwitzigen Fragen („Warum hast Du
geseufzt?“, „Welche Gedanken hast Du dabei gehabt?“ etc.).
Wir können hier unschwer erkennen, dass diese Gehirnwäscher beflissene Schüler
Pawlows waren und dessen Experimente mit Hunden sehr eingehend studiert hatten.
Das wohl bekannteste Beispiel für Gehirnwäsche im kommunistischen Bereich ist
das „Verhör“ des ungarischen Fürstprimas, Kardinal Mindszenty. Dem Kardinal
wurde im Februar 1949 vor dem ungarischen Volksgerichtshof der Prozess gemacht.
Die Anklage lautete: Hochverrat, Spionage, umstürzlerische Verschwörung gegen
die Regierung. Er bekannte sich schuldig und gelobte, sich in Zukunft die Sichtweise
des ungarischen Staats zu eigen zu machen. Mindszenty wurde zu lebenslänglicher
Haft verurteilt.
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Zuvor hatte der Kardinal ein 84stündiges „Verhör“ stehend vor weißer Wand
erdulden müssen. Die Wand war grell beleuchtet. Die kommunistischen
Gehirnwäscher bombardierten ihn mit Fragen, die sie bis zu zweihundertmal
wiederholten. Sie lösten sich in Dreiergruppen ab. Dem Kardinal wurden zwei
Nonnen und sein Sekretär vorgeführt, die unter der Folter fürchterlich zugerichtet
worden waren. Außerdem wurde er unter Drogen gesetzt.502
In recht eindrucksvollen Worten beschreibt A. F. Marfeld die Auswirkungen der
Gehirnwäsche auf den Kardinal: „Vorher ein klares, durchgeistigtes Antlitz von
kraftvoller Architektur, mit bestimmten Zügen, mit der Glätte der Harmonie – und
nachher ein verwüstetes Gesicht, eingefallen und faltig, gespenstisch blass,
pergamenten, durchsichtig, über den Schläfen und Wangenknochen weißlich
gespannt, einen verkniffenen Mund und Augen, die ein mitfühlender Mensch wohl nie
mehr vergessen kann: zerquält, unstet, flackernd, Irrlichter der Angst, Dokumente
des künstlichen Wahnsinns.“503
Nicht immer prägen sich die seelischen Auswirkungen der Gehirnwäsche so deutlich
ins Antlitz eines Opfers ein wie im Falle des Fürstprimas. Doch Marfelds
Beschreibung symbolisiert die Seelenlage wohl aller Opfer – unabhängig davon, in
welcher Weltgegend und mit welchen Motiven sie malträtiert worden sind.
In seiner 1962 verfassten Studie zur Psychologie des Kommunismus schrieb John
Kosa, dass die Gehirnwäsche keineswegs eine kommunistische Erfindung sei: „Sie
wurde von der zaristischen Polizei und von vielen Diktatoren Osteuropas eingesetzt.“
Die kommunistische Polizei habe die Methoden der Gehirnwäsche nur verfeinert und
mit psychiatrischen Erkenntnissen verbunden.504
Vermutlich war Kosa nicht bewusst, dass zur Zeit der Niederschrift seines Buchs
Menschen von der CIA und anderen westlichen Geheimdiensten mit denselben oder
noch raffinierteren Methoden malträtiert wurden. Es handelte sich hier also
keineswegs um eine Teufelei des Ostens. Und vor allem ist die Gehirnwäsche auch
kein ausschließliches Charakteristikum kommunistischer oder anderer totalitärer
Systeme. Sie ist eine Verlockung, der Menschen an den Schalthebeln der Macht
allzu leicht erliegen – überall in der Welt.
Es ist allerdings bemerkenswert, dass Veröffentlichungen über
Gehirnwäschemethoden viel seltener das Etikett „Verschwörungstheorie“ angeklebt
wird, wenn als Täter Kommunisten genannt werden. Es ist keineswegs so, dass die
Beweislage zur kommunistischen Gehirnwäsche, verglichen mit der kapitalistischen,
günstiger sei; auch in diesen Fällen beruhen die Darstellungen weitgehend auf den
Erinnerungen der Opfer. Dies erinnert mich an eine politische Diskussion zu Zeiten
des Kalten Kriegs in einem friedensbewegten evangelischen Gemeindezentrum.
Es ging um die Tatsache des Wettrüstens. Ein Teilnehmer hob hervor, dass beide
Seiten die Welt mit ihren Atombomben mehrfach zerstören könnten. Ein anderer
Diskutant rief im Eifer des Gefechts: „Natürlich haben die Amis auch Atombomben,
aber sie würden sie, im Gegensatz zu den Russen, niemals als erste einsetzen!“
Niemand lachte. Es dauerte dreißig Sekunden, bis im Saal ein leises Murmeln
einsetzte. Dann ging die Diskussion weiter, als sei diese unglaubliche Behauptung
nie geäußert worden.
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Multiplizität, Hypnose und Psi
Die CIA interessierte sich für das Thema "Multiple Persönlichkeiten" jedoch nicht nur
wegen der Möglichkeit, Menschen geistig zu versklaven und wie Roboter zu
programmieren; sie beschäftigte sich auch mit noch exotischeren Aspekten dieser
seltsamen psychischen Störung. Viele Multiple sind nämlich davon überzeugt,
paranormale Fähigkeiten, die Gabe des Gedankenlesens und Hellsehens zu
besitzen.
Auch manche Therapeuten stimmen dieser Überzeugung ihrer Klienten zu.
Außersinnliche Wahrnehmungen scheinen oftmals - unabhängig davon, ob sie auf
Tatsachen oder Täuschung beruhen - mit dem Prozess einer tiefgreifenden
Dissoziation verbunden zu sein. Dies ist keine neue Erkenntnis: Mutmaßliche
paranormale Phänomene zeigten sich vielfach bereits in den frühen Hypnose-
Experimenten mit Somnambulen im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts.505
Der Fall „Doris Fischer“ ist ein wichtiges Beispiel für angebliche paranormale
Phänomene bei einer multiplen Persönlichkeit. Trotz ihrer angeblichen
„Besessenheit“ durch einen Geist („Sleeping Margaret“) kann man Doris Fischer
zweifellos nicht zu den Medien im spiritistischen Sinne zählen. Spiritistische Medien
und multiple Persönlichkeiten weisen zwar viele Gemeinsamkeiten auf, dennoch
finden sich aber auch gravierende Unterschiede. So vollzieht sich bei den Medien z.
B. die Persönlichkeitsspaltung nur während der spiritistischen Sitzungen bzw. in
außergewöhnlichen Situationen.506
Der Unterschied zwischen Besessenheit und multipler Persönlichkeit wird heute zwar
allgemein anerkannt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts allerdings war sich die
Fachwelt in dieser Frage keineswegs einig. Der einflussreiche Philosoph und
Psychologe William James spekulierte: Wenn es die Einflüsse von Geistern gibt,
dann bietet ihnen die Spaltung der Persönlichkeit die Möglichkeit dazu. Wenn es
tatsächlich Dämonen gibt, dann fahren sie möglicherweise nur in Hysteriker. (Multiple
Persönlichkeiten litten nach damaliger Auffassung an Hysterie.) Wenn es Teufel gibt,
wenn es übernatürliche Kräfte gibt, dann ergreifen sie von den zerbrochenen Seelen
Besitz.507
Aus dem Blickwinkel praktischer Disziplinen wie der Kriegskunst oder Spionage ist es
weniger wichtig, ob übernatürliche Kräfte und Wesenheiten tatsächlich existieren –
so wie die Schwerkraft oder Menschen und Tiere. Entscheidend ist, von diesem
Standpunkt aus betrachtet, einzig und allein, ob „Hellseher“ oder „Medien“ sensible
Informationen beschaffen können, an die man auf „natürlichem“ Wege nicht
herankommt.
„Sleeping Margarets“ Behauptung, ein Geist zu sein, wurde im übrigen gewissenhaft
untersucht – und zwar unter Federführung des Philosophen James H. Hyslop, der
zutiefst von der Existenz körperloser Wesen überzeugt war.508 Um eine „zweite
Diagnose“ zu bekommen, regte Hyslop an, Doris Fischer solle ein Medium
konsultieren. Während der Séance stellten sich Fachleute aus dem Jenseits ein,
unter ihnen die Geister von William James und des Parapsychologen Richard
Hodgson. Nach eingehender Erwägung aller bekannten Sachverhalte gelangte man
zu dem Schluss, dass „Sleeping Margaret“ kein Geist sei, da sie kein Wissen besaß,
dass nicht auch Doris gehabt haben könnte.
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Allerdings räumten die dies- und jenseitigen Experten ein, dass „Sleeping Margaret“
nicht fest mit Doris verbunden sei. Sie müsse nur noch ein wenig weiter „nach
draußen“ gehen, um Doris für eine „volle mediumistische Besessenheit“ zu öffnen. In
dieser Sitzung enthüllte das Medium zudem, die Desintegration der Persönlichkeit
Doris Fischers sei auf die Einflüsse von Geistern zurückzuführen, deren Führer und
schlimmster Übeltäter der berüchtigte Caliostro sei.509
Die Diplom-Psychologin Michaela Huber, die sich auf die Behandlung Multipler
Persönlichkeiten spezialisiert hat, berichtet, dass "übersinnliche Fähigkeiten" im
Kontakt mit Multiplen deutlich spürbar seien. Sie fährt fort: "Und ich habe tatsächlich
erlebt, dass eine Reihe von Vorhersagen multipler Klientinnen im nachhinein
eingetroffen ist. Was spürbar ist, dass ist eine enorme Energie, die insbesondere
dann freigesetzt wird, wenn im Inneren der multiplen Persönlichkeit besonders viel
durcheinandergeht und/oder mehrere 'Personen' kurz hintereinander die Kontrolle
über den Körper übernehmen. Manchmal kann ich diese Energie, wenn ich der
Betroffenen frontal gegenüber sitze, so enorm spüren, als wäre sie eine Art
Wirbel".510
Es ist natürlich nicht weiter erstaunlich, dass ein Geheimdienst, zu dessen
wichtigsten Aufgaben die Beschaffung schwer zugänglicher Informationen zählt, sich
für diese "enorme Energie", für diesen "Wirbel" interessiert. „Tatsächlich“ sagte der
ehemalige CIA-Direktor Bill Colby zu seinem Freund und ehemaligen Mitarbeiter aus
Vietnam-Tagen, John W. DeCamp, „wir in der ‚Company’ (CIA) glaubten allen
Ernstes für einen beträchtlichen Zeitraum, dass Russland Technologien und
Techniken und Drogen entwickelt hatte, die es ihren Agenten ermöglichte, die
außersinnliche Wahrnehmung zu nutzen... Kannst Du Dir vorstellen, wie gefährlich
es für unser Land möglicherweise gewesen wäre, wenn da jemand den Präsidenten
der Vereinigten Staaten getroffen und tatsächlich in der Lage gewesen wäre, die
Gedanken des Präsidenten zu lesen?“ Colby fuhr fort, dass diese Befürchtungen
heute womöglich lächerlich klingen, doch die CIA sei lange Zeit ernsthaft von der
kommunistischen Überlegenheit auf diesem Gebiet überzeugt gewesen.511
Es ist bekannt, dass die CIA sehr viel Geld in die parapsychologische Forschung
gesteckt hat; die Berichte über dieses Thema konzentrieren sich aber vor allem auf
die Experimente zum sog. "Remote Viewing", also zur außersinnlichen
Wahrnehmung räumlich und/oder zeitlich weit entfernter Situationen. In diesen
Experimenten wurden angeblich paranormal begabte Versuchspersonen eingesetzt,
die keine multiplen Persönlichkeiten waren.512
In den Reihen der Defence Intelligence Agency (DIA) arbeitete immerhin die
ehemalige Lateinamerika-Analytikerin Angela Dellafiora, die sich zum Paranormalen
hingezogen fühlte. Wenn sie sich in Trance versetzte, ergriffen angeblich höhere
Wesenheiten von ihrem Körper Besitz, meist ein Geist namens „Maurice“. Durch
diese Kontakte mit dem Jenseits war es ihr möglich, überaus irdische Geheimnisse
zu offenbaren. So sagte sie (oder, wenn man so will, ein Geist durch ihren Mund)
voraus, dass chemische Waffen auf Befehl Gaddafis aus einer Fabrik in Rabta auf
ein Schiff gebracht und mit diesem an einen anderen Ort transportiert würden, um sie
der amerikanischen Überwachung zu entziehen.513
Ein einst geheimes, inzwischen aber freigegebenes CIA-Dokument514 zu einem
Teilprojekt des Gehirnwäsche-Programms MKULTRA belegt das ausgeprägte
Interesse der Agency am Zusammenhang zwischen dissoziativen und paranormalen
Phänomenen: "Bei der Arbeit mit einzelnen Versuchspersonen wird den
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dissoziativen Zuständen besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Diese tendieren
dazu, spontane Erfahrungen außersinnlicher Wahrnehmung zu begleiten. Diese
Zustände können in einem gewissen Ausmaß durch Hypnose und Drogen
hervorgerufen und kontrolliert werden."
Und weiter: "Es werden Lernstudien verwirklicht, in denen die Versuchspersonen für
ihre Gesamtleistung belohnt oder bestraft und in verschiedener Form verstärkt
werden - indem man ihnen sagt, was das Zielobjekt war, durch Elektroschocks usw."
Die Versuchspersonen werden bezüglich des wahren Zwecks der Experimente
getäuscht. Außerdem werden Drogen und psychologische Tricks eingesetzt, um ihre
Einstellungen zu den Versuchen zu beeinflussen. Es wird versucht, durch Hypnose
Bewusstseinsveränderungen bis hin zur multiplen Persönlichkeitsspaltung zu
erzeugen. Bemerkenswert ist auch die Absicht, paranormale Fähigkeiten durch
Elektroschocks zu verstärken. Angeblich paranormal Begabte berichten nämlich
häufig, sie hätten ihre Fähigkeiten erlangt, nachdem sie extremem physischen oder
mentalen Stress ausgeliefert waren.515
Zu den Menschenversuchen der Nazis im Konzentrationslager Dachau zählte ein
Experiment, mit dem untersucht werden sollte, ob telepathische Fähigkeiten durch
Folter gesteigert werden können. Die Amerikaner befürchteten, dass die Sowjets
ebenfalls derartige Forschungen realisierten, womöglich mit Erfolg.516
Es liegt nahe zu vermuten, dass die CIA scheinbar oder tatsächlich paranormal
begabte Menschen zu "PSI-Agenten" ausgebildet und zugleich in Multiple
Persönlichkeiten verwandelt bzw. mental versklavt hat. Der Nutzen von derart
doppelt qualifizierten Spionen ist jedenfalls offensichtlich. Dies lässt sich allerdings
bei der gegenwärtigen Aktenlage nicht beweisen.
Wir wissen nicht, welche Wissenschaftler der CIA geholfen haben, paranormale
Phänomene hypnotisch hervorzurufen und zu verstärken, denn die Namen der
beteiligten Forscher werden immer noch geheim gehalten. Wir wissen auch nicht,
welche Ergebnisse diese Forschungen erbrachten517, nicht einmal, ob sie überhaupt
stattgefunden haben. Zweifelsfrei beweisen lässt sich mit Hilfe des oben erwähnten
Dokuments nur, dass sie beabsichtigt waren. Diese Hypnoseversuche waren nämlich
Bestandteile des streng geheimen Forschungsprogramm MKULTRA, und die
Dokumente zu diesem Forschungsprogramm wurden vom Projektleiter Sidney
Gottlieb Anfang der siebziger Jahre weitgehend vernichtet.518
Die Macht der Worte kann in der Hypnose Vorgänge auslösen, die an Hexerei
grenzen, obwohl sie auf den normalen, natürlichen, alltäglichen Fähigkeiten der
Hypnotisanden beruhen. Hier stellt sich natürlich die Frage, ob man die Hypnose
auch über die Grenzen zur Hexerei hinaustreiben, ob man also tatsächlich auch
paranormale, „übernatürliche“, magische Prozesse hervorrufen kann.
Paranormale Phänomene gelten als flüchtig und unberechenbar. Wer diese
Phänomene systematisch hervorrufen und erforschen will, muss sich bemühen,
diese leidlich unter Kontrolle zu bringen. Es liegt nahe, die außergewöhnliche Macht,
die das Wort des Hypnotiseurs über den Hypnotisanden besitzt, auch für diesen
Zweck auszunutzen. Bei gut hypnotisierbaren Versuchspersonen und geeigneten
Versuchsleitern verbessert sich nach einigen Studien die PSI-Leistung in der
Hypnose, verglichen mit dem Wachzustand.519
Der führende Kopf dieser Forschung war Milan Rýzl, der 1971 eine Schrift mit dem
Titel: „Hellsehen und andere parapsychische Phänomene in Hypnose“
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veröffentlichte. Hier heißt es gleich im Vorwort: „Dies ist ein ungewöhnliches Buch.
Es schildert das Ergebnis der mehr als zwanzigjährigen Bemühungen des Autors,
außersinnliche Wahrnehmungen (=ASW) unter Kontrolle zu bringen und sie als
einen neuen Sinn so weit zu entwickeln, dass man sie experimentell erforschen und
sogar in der Praxis verwenden kann.“520
Die Erfahrung lehre, schreibt Rýzl, dass die außersinnliche Wahrnehmung durch
einen bestimmten Geisteszustand gefördert werde, der sich allerdings nur sehr
schwer in Worte kleiden lasse. Es sei aber möglich, einige typische Eigenschaften
dieses Zustandes zu beschreiben: „Es ist ein Zustand mit ruhig verlaufender
geistiger Tätigkeit; ein Zustand passiver Indifferenz („Achtlosigkeit") der Außenwelt
und den eigenen geistigen Vorgängen gegenüber, bei dem gleichzeitig die
Aufmerksamkeit scharf auf einen spezifischen, aber sehr begrenzten räumlichen
Bereich konzentriert ist; ein ruhevoller, passiver, gelöster Zustand konzentrierter
aktiver Erwartung; ein Zustand, in dem die eintreffenden Sinnesreize derart ignoriert
werden, dass sie das Bewusstsein nicht erreichen, das seinerseits die Wege für
eintreffende außersinnliche Reize öffnet.“521
Rýzl beschreibt hier einen Zustand der kontrollierten Bewusstseinsspaltung. Die
Dissoziation verläuft zwischen der normalen und der paranormalen Erfahrung. Der
Strom des Bewusstseins wird geteilt durch zwei grundlegend voneinander
verschiedene kognitive Operationen:
Der Bereich normaler Erfahrung wird mit passiver Indifferenz bzw.
Achtlosigkeit betrachtet.
Der Bereich paranormaler Erfahrung wird jedoch in einem passiven, gelösten
Zustand konzentrierter aktiver Erwartung beobachtet.
Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass hier dem Zustand, der auf die
paranormale Erfahrung bezogen ist, sowohl Passivität, als auch Aktivität
zugeschrieben wird. Der Schütze muss zugleich (aktiv) das Ziel fixieren und (passiv)
das Gewehr stillhalten (beim Schuss nicht verreißen).
Man könne, so Rýzl, diesen angestrebten Geisteszustand mit verschiedenen
Methoden künstlich erzeugen. Allen diesen Verfahren sei ein wesentlicher Faktor
gemeinsam: die Beruhigung der Gedankenbewegung, verbunden mit einer
gespannten Aufmerksamkeit. Ein gangbarer Weg, diesen Faktor zu verwirklichen, sei
die Hypnose. Ein weiterer Vorteil der Hypnose besteht darin, dass man unter ihrem
Einfluss den Glauben der Versuchspersonen an die Möglichkeit der außersinnlichen
Wahrnehmung stärken kann. Es ist ja empirisch belegt, dass die PSI-Gläubigen in
Experimenten zur außersinnlichen Wahrnehmung deutlich abschneiden als PSI-
Ungläubige.522
Und schließlich sind unter Hypnose trainierte Versuchspersonen auch leichter zu
handhaben als spiritistische Medien, die unter parapsychologischen Forschern
wegen ihrer Zicken und Sonderwünsche gefürchtet sind. Die Hypnotisanden
„unterwerfen sich weitestgehend den Erfordernissen des Versuches, können zur
aktiven Mitarbeit an jedem Versuchsprojekt angeleitet werden, und wenn sie
entsprechend vorbereitet werden, sind sie im allgemeinen bedeutend
anpassungsfähiger und zuverlässiger als der durchschnittliche professionelle
Hellseher.“523
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Rýzl lässt hier einen Gesichtspunkt unerwähnt, der besonders für geheimdienstliche
PSI-Projekte entscheidend ist. Bei hypnotisierten Versuchspersonen kann eine
posthypnotische Amnesie für die Experimente und deren Resultate hervorgerufen
werden. Damit lässt sich natürlich der Schutz vor Geheimnisverrat wesentlich
verbessern. Denn selbst wenn das Experiment – warum auch immer – keine
relevanten außersinnlichen Erkenntnisse liefern sollte, so wären allein schon die
Fragen, die der Geheimdienst an die Versuchspersonen stellt, unter Umständen
höchst verräterisch.524
Nicht immer sind ja die besonders PSI-Begabten politisch zuverlässige Personen,
gar Soldaten oder Geheimdienstmitarbeiter, die ein Geheimnis zu hüten wissen.
Mitunter sind die leistungsstärksten Versuchspersonen sehr labile Menschen, unter
Umständen sogar psychisch Kranke mit gespaltener Persönlichkeit, gehören zu
gesellschaftlichen Randgruppen oder stammen aus Künstlerkreisen. In diesen Fällen
muss der Geheimdienst natürlich besonders darauf bedacht sein, dass diese PSI-
Spione nicht – aus Gedankenlosigkeit, böser Absicht oder unter Druck – die
allergeheimsten Staatsgeheimnisse preisgeben oder versehentlich ausplaudern
Der Tscheche Milan Rýzl war einer der führenden Parapsychologen des Ostblocks,
bevor er 1967 in die Vereinigten Staaten übersiedelte. Zu diesem Schritt entschloss
er sich nach eigenem Bekunden, weil ihn die tschechoslowakische Geheimpolizei zur
Zusammenarbeit nötigen wollte. Sheila Ostrander und Lynn Schroeder, die
Autorinnen eines weltweiten Bestsellers über die parapsychologische Forschung
„hinter dem eisernen Vorhang“, fragten Rýzl, wozu die außersinnliche Wahrnehmung
gut sei. Seine knappe Antwort lautete: „Um Geld zu machen und als Waffe.“525
Die Thema „Parapsychologie“ habe ich nicht angesprochen, weil ich von der Existenz
dieser Phänomene überzeugt wäre. Trotz mancher Befunde, die man durchaus als
seriös betrachten kann, neige ich in diesem Bereich eher zur Skepsis. In meinem
Buch musste ich diesen Komplex aber dennoch ansprechen, weil eine große Zahl
mutmaßlicher Opfer von Methoden der Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeit
berichtet, die Täter hätten versucht, die PSI-Fähigkeiten der Betroffenen zu
entwickeln und auszubeuten. Davon sprechen gleichermaßen angebliche Opfer sog.
satanistischer Sekten als auch mutmaßlichen Geheimdienst-Experimente. Somit sind
parapsychologische Versuche als wesentlicher Aspekt der Bewusstseinskontrolle
durch Persönlichkeitsspaltung zu betrachten.
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Teil 6: Fakten oder Fiktionen
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Falsche Erinnerungen
Unser Wissen über die Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung beruht
im wesentlichen auf folgenden Quellen:
In Fachzeitschriften und Büchern veröffentlichte wissenschaftliche
Untersuchungen zu einzelnen Aspekten der Bewusstseinskontrolle
Freigegebenen Dokumente der CIA und anderer Institutionen, die Mind-
Control-Forschung betrieben haben
Erinnerungen mutmaßlich Betroffener.
Die Erinnerungen angeblicher Opfer sind zweifellos die wichtigste Quelle unseres
Wissens zur Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung. Es ist nicht nur
legitim, sondern wissenschaftlich geboten, den Wahrheitsgehalt dieser Erinnerungen
kritisch zu hinterfragen. Und dies u. a. aus folgenden Gründen:
1. Unser Gedächtnis ist grundsätzlich fehlerbehaftet.
2. Die mutmaßlichen Opfer leiden in der Regel unter Gedächtnisstörungen (die
absichtliche Erzeugung von Gedächtnisstörungen ist ja ein wesentliches
Element der Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung).
3. Sie haben die Prozesse der Bewusstseinskontrolle vielfach unter dem Einfluss
von Drogen bzw. in seelischen Ausnahmezuständen erlebt.
4. Sie waren teilweise zum Zeitpunkt der Tat sehr junge Kinder.
5. Sie erinnern sich an schwere Straftaten - und auch hier gilt natürlich das
Prinzip „in dubio pro reo“, das auch eine Verpflichtung zum methodischen
Zweifel am Wahrheitsgehalt der Anklage umfasst.
Der Wahrheitsgehalt der Erinnerungen angeblicher Opfer von Straftaten spielt in
vielen Prozessen eine erhebliche Rolle. Daher wurde dieser Problembereich relativ
gut empirisch erforscht. Allerdings finden sich in der Literatur nur wenig Hinweise, die
sich direkt auf Erinnerungen an Traumatisierungen zur Bewusstseinskontrolle
beziehen. Es dürfte jedoch zulässig sein, die Erkenntnisse zu verwandten Straftaten
(sexueller Missbrauch, Gewalt gegen Kinder) auf den Bereich der
Bewusstseinskontrolle zu übertragen.
Das Problem lässt sich am besten an einem Beispiel verdeutlichen: George Franklin
wurde angeklagt, 1969 Susan Nason ermordet zu haben. Dies wäre im Grund nichts
Ungewöhnliches, wenn die Anklage nicht zwei Jahrzehnte nach der mutmaßlichen
Mordtat erfolgt wäre. Nach rund zwanzig Jahren hatte sich Franklins Tochter Eileen
wieder an die Ermordung Susans durch ihren Vater erinnert. Zuvor waren ihren
Erinnerungen in ihrem Unbewussten vergraben gewesen. Eileen behauptete, ihre
Erinnerungen seien zurückgekehrt, als sie auf dem Gesicht ihrer Tochter einen
Ausdruck sah, der jenem Ausdruck im Gesicht ihrer Freundin Susan glich, kurz bevor
diese ermordet wurde.
Eileen begab sich in psychotherapeutische Behandlung und wurde hypnotisiert, um
den Prozess der Wiedererinnerung an das angebliche Verbrechen zu fördern.
Während des Prozesses veränderte sie ihre Berichte über ihre Erinnerungen
allerdings unter dem Einfluss von Befragungen durch Menschen mit widerstreitenden
Motiven. 1990 wurde George Franklin wegen Mordes verurteilt. Dabei spielten nicht
nur die Erinnerungen seiner Tochter eine Rolle, sondern auch die Tatsache, dass er
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zuvor schon in Fälle von Missbrauch und Pädophilie verwickelt war. Allerdings wurde
das Urteil 1995 wegen eines Verfahrensfehlers wieder aufgehoben.
Der Verfahrensfehler bestand darin, dass der Richter der Verteidigung nicht erlaubt
hatte, den Geschworenen Zeitungsberichte über den Mordfall vorzulegen. Die
Verteidigung wollte damit demonstrieren, dass diese Berichte eine mögliche Quelle
der angeblichen Erinnerungen Eileens hätten gewesen sein können.526
Es gibt zahlreiche Parallelen zwischen diesem Fall und der charakteristischen
Situation bei einem mutmaßlichen Opfer von Bewusstseinskontrolle durch
traumatisierende Persönlichkeitsspaltung:
1. Die Opfer erinnern sich in der Regel erst geraume Zeit, mitunter Jahre oder
gar Jahrzehnte nach den Taten wieder an ihre mutmaßlichen Misshandlungen
bzw. an die Verbrechen, deren Zeuge sie angeblich wurden.
2. Es gibt außer den Betroffenen meist keine weiteren Augenzeugen und die
evtl. vorliegenden weiteren Hinweise sind nicht beweiskräftig.
3. Es ist in der Regel nicht auszuschließen, dass es sich gar nicht im
Erinnerungen an tatsächliche Ereignisse handelte, sondern dass die Inhalte
dieser angeblichen Erinnerungen in Wirklichkeit aus anderen Quellen
stammten.
Es gibt natürlich bei jedem Verbrechen falsche Anschuldigungen. Doch zur
absichtlichen Täuschung des Gerichts durch Zeugen und angebliche Opfer kann
man keine allgemeingültigen Aussagen machen. Daher konzentriere ich mich im
folgenden auf die Möglichkeit bzw. Wahrscheinlichkeit von Gedächtnisfehlern bei
Erinnerungen an traumatische Ereignisse. Es geht also um jene Fehler, in denen das
Opfer aufrichtig von der Wahrheit seiner Erinnerungen überzeugt ist.
Bei vordergründiger Betrachtung drängen sich natürlich Zweifel daran auf, dass
traumatische Erlebnisse überhaupt vergessen werden können. Sollte man nicht
annehmen, dass katastrophale Vorgänge mit schweren psychischen und / oder
physischen Folgen sich besonders tief ins Gedächtnis einbrennen und daher dem
Bewusstsein auch leicht zugänglich sind? Eine gründliche Auswertung der
vorliegenden Literatur zeigt allerdings, dass wiedererlangte Erinnerungen an
angebliche traumatische Ereignisse keineswegs selten sind und dass diese
Erinnerungen auch nicht zwangsläufig falsch sind. Prof. Richard Cheit vom Taubman
Center der amerikanischen Brown University hat z. B. 38 Gerichtsverhandlungen
dokumentiert, bei denen wiedererlangte, traumatische Erinnerungen eine
entscheidende Rolle spielten. Dabei handelt es sich sowohl um straf-, als auch um
zivilrechtliche Prozesse. In allen Fällen bestätigte das Gericht die Wahrheit der
Erinnerungen, die zunächst einer Amnesie unterlagen und dann wieder bewusst
wurden. Die Strafprozesse endeten mit Schuldsprüchen bzw. Schuldbekenntnissen.
Die Zivilprozesse wurden mit Verurteilungen oder Einigung der Kontrahenten
abgeschlossen.527
Viele Fälle sexuellen Missbrauchs oder familiärer Gewalt werden niemals vor Gericht
verhandelt, weil die Opfer davor zurückschrecken, nahe Verwandte oder gar die
eigenen Eltern anzuzeigen. Die Dunkelziffer in diesem Bereich ist enorm hoch.
Mitunter finden sich jedoch Dokumentationen dieser Fälle in der klinischen Literatur.
Ein überzeugendes Beispiel ist folgender Fall: Nachdem Claudia erfolgreich ein
Abspeckprogramm wegen erheblichem Übergewichts absolviert hatte, wurde sie von
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blitzartigen Erinnerungen an sexuellen Missbrauch überflutet. Der Täter war ihr
älterer Bruder. Sie schloss sich einer Therapiegruppe für Inzestopfer an.
Nun vervollständigte sich das Bild des angeblich erlittenen Missbrauchs: Der Bruder
hatte ihr fortgesetzt Handschellen angelegt, sie mit Zigaretten verbrannt und sie zu
einer Vielzahl sexueller Handlungen gezwungen. Die Misshandlungen begannen im
Alter von vier Jahren. Der Bruder war, 15 Jahre bevor die Erinnerungen ans Licht
kamen, in Vietnam gefallen. Seine Eltern hatten die Tür seines Zimmers
verschlossen und dort seither nichts mehr angerührt. Als Claudia aus dem
Krankenhaus zurückkehrte, durchsuchte sie das Zimmer des Bruders. In einem
Schrank fand sie eine große pornographische Sammlung, Handschellen, und ein
Tagebuch. In diesem Tagebuch beschrieb der Bruder, wie er den sexuellen
Missbrauch (den er als „sexuelle Experimente“ bezeichnete) seiner Schwester
sorgfältig plante und realisierte.528
Neben diesen Gerichtsurteilen und Fallschilderungen gibt es eine Reihe empirischer
Studien zu diesem Thema. Auch in diesen Untersuchungen zeigt sich, dass
traumatische Erinnerungen vergessen und dann wiedererinnert werden können. Es
würden den Rahmen dieses Buches sprengen, den aktuellen Forschungsstand zu
referieren.529 Beispielhaft möchte ich einige Befunde herausgreifen: Je nach Studie
berichteten 19 % bis 62 % der befragten Patienten, die wegen traumatisch bedingter
Störungen behandelt wurden, dass sie Amnesien für sexuellen Missbrauch in der
Kindheit entwickelt hatten.530
Menschen, deren Traumatisierung in der Kindheit begrenzt und klar umschrieben
war, leiden eher unter Hypermnesie. Sie erinnern sich überdeutlich an die Vorgänge
und können diese auch nicht vergessen. Demgegenüber neigen chronisch
traumatisierte Kinder auch noch als Erwachsene unter Amnesien oder verleugnen
bzw. bagatellisieren die Vorfälle.531
In einer prospektiven Studie untersuchte Linda Meyer Williams 129 junge Frauen, die
als Mädchen nachweislich sexuell missbraucht worden waren. 38 % dieser Frauen
konnten sich nicht mehr an den Missbrauch erinnern. Frauen, die zum Zeitpunkt des
Missbrauchs sehr jung waren oder von einem Bekannten missbraucht worden waren,
hatten deutlich häufiger Amnesien entwickelt als die anderen
Versuchsteilnehmerinnen.532
Judith Herman untersuchte 53 Frauen im Alter zwischen 15 und 53 Jahren, die an
einer Kurzzeittherapie für Inzestopfer teilnahmen. 74 % der Frauen waren in der
Lage, die Wahrheit ihrer Erinnerungen durch unabhängige Quellen zu belegen.533
Diese Befunde sollten allerdings nicht zu dem Trugschluss verleiten, dass
wiedererlangte Erinnerungen an traumatische Ereignisse immer der Wahrheit
entsprechen oder gar als detailgetreue, unverzerrte „mentale Videoaufzeichnungen“
zu betrachten wären. Dies ist keineswegs der Fall. Gerade bei Menschen, die Opfer
einer Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung unterzogen wurden, ist
mit einer Mischung von Erinnerungen und Pseudoerinnerungen unterschiedlicher
Qualität zu rechnen.
Diese Mischung besteht in der Regel aus folgenden Elementen:
unverfälschte Erinnerungen
Erinnerungen mit wahrem Kern und Irrtümern im Detail
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aufgrund psychischer Prozesse (Abwehrmechanismen) verfälschte
Erinnerungen
durch die Täter eingepflanzte falsche Erinnerungen.
In einer umfassenden Studie zum Zusammenhang zwischen Trauma und Gedächtnis
gelangen Daniel Brown, Alan Scheflin und Corydon Hammond zu folgender
Schlussfolgerung: „Es gibt nur wenig Daten, die den Standpunkt unterstützen, dass
die Erinnerungen von Menschen, die zunächst amnestisch für das Trauma waren
und sich später daran erinnerten, weniger zutreffend sind als die Erinnerungen jener,
die das Trauma nie vergessen hatten... Die zur Verfügung stehenden Daten zeigen,
dass ... die Erinnerung an das Wesentliche der traumatischen Erfahrung im
allgemeinen ziemlich genau ist. Die Erinnerung für weniger hervorstechende Details
variiert allerdings mit der Zeit...“534
Die empirische Forschung rechtfertigt also kein übertriebenes Misstrauen gegenüber
den Erinnerungen mutmaßlicher Opfer der Bewusstseinskontrolle durch
Persönlichkeitsspaltung. Dennoch sind Erinnerungen ohne Bestätigung aus
externen, unabhängigen Quellen natürlich zwar nicht prinzipiell falsch, aber
grundsätzlich im besten Sinne fragwürdig.
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Die Politik des Gedächtnisses
Anwälte in den Vereinigten Staaten (und nicht nur dort) neigen aus verständlichen
Gründen dazu, in Missbrauchsfällen zunächst die Glaubwürdigkeit der Opfer
und/oder Tatzeugen zu erschüttern. Wenn dies nicht gelingt, behaupten sie, die
Erinnerungen der angeblichen Opfer seien falsch. Sie litten am "False Memory
Syndrome". Womöglich sei ihnen der Missbrauch von ihren Psychotherapeuten
suggeriert worden. Dazu werden dann entsprechende Gutachter geladen. Falls auch
dies nicht funktioniert und der Angeklagte verurteilt wird, gehen die Anwälte in die
Revision und begründen dies häufig mit Verfahrensfehlern. Wenn sie mit dieser
Strategie Erfolg haben, erreichen sie damit zwar keinen Freispruch erster Klasse,
aber der Mandant wird entlassen.
Missbrauch findet in der Regel unter Ausschluss von Zeugen statt. Physische
Beweise sind schwer zu erbringen, wenn die Tat schon länger zurückliegt.
Schließlich missbraucht kein Vater seine Tochter und schickt diese dann zwecks
Feststellung der Tatspuren zum Arzt. Und so sind die Erinnerungen der
mutmaßlichen Opfer mitunter die einzige wesentliche Grundlage eines Prozesses. In
den Vereinigten Staaten und anderswo tobt eine heftige wissenschaftliche
Kontroverse zur Frage, was von diesen Erinnerungen zu halten sei. Einschlägig
interessierte Gruppen propagieren unter Berufung auf Experten die Theorie, dass
diese Erinnerungen sehr häufig (ja, im Grunde so gut wie immer) falsch seien.
Diese äußerst professionell und mit hohem Aufwand verbreitete Propaganda, die
sich freilich auf keine solide empirische Studie stützen kann, findet weltweit eine
zunehmende Zahl von Anhängern unter Fachleuten und Laien. Angeblich seien
zahllose Menschen in den USA bereits freigesprochen worden, weil sich die
Anschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs gegen sie als "falsche
Erinnerungen" herausgestellt hätten.
Sobald man nach Beweisen fragt - zumindest nach (Lokal-)Zeitungsberichten oder
gar nach den Aktenzeichen auch nur einiger dieser angeblichen Fälle - dann wird
man in der Regel mit Ausflüchten abgespeist. Und so kann ich mich des Eindrucks
nicht erwehren, dass es sich hier um kolportierte Propaganda handelt. Mitunter hört
man auch den Spruch, in Amerika seien schon Hunderte von Therapeuten verurteilt
worden, weil sie ihren Patienten falsche Erinnerungen eingepflanzt hätten. Fragt man
auch hier nach den Aktenzeichen oder wenigstens entsprechenden Presseberichten,
wird schnell das Thema gewechselt.
Es ist aber im übrigen in diesen Fällen leicht nachzuvollziehen, warum Anwälte gar
nicht erst versuchen, den Therapeuten nachzuweisen, sie hätten ihren Patienten
absichtlich falsche Erinnerungen eingepflanzt. Vielmehr werden den Therapeuten
Verstöße gegen die Regeln ordnungsgemäßer Therapie unterstellt. So kann man z.
B. behaupten, der Therapeut hätten den Patienten nicht ausreichend darüber
aufgeklärt, dass Erinnerungen auch falsch sein können. Wehe dem Therapeuten, der
dann nichts Schriftliches vorweisen kann! Diese Strategie ist wesentlich einfacher als
der Nachweis des Einpflanzens falscher Erinnerungen und bringt ebenfalls u. U. viel
Geld.
Propaganda mit pseudowissenschaftlichem Touch gehört in den USA zum
Justizgeschäft, in dem es bekanntlich nicht selten um wirklich viel Geld geht. Man
versucht, Richter und Geschworene zu beeinflussen, um dann
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Schadensersatzansprüche wegen angeblicher Behandlungsfehler oder Freisprüche
wegen falscher Erinnerungen herauszuschlagen. Das Spiel ist eigentlich leicht zu
durchschauen.
Leider gibt es weltanschauliche Gruppierungen, denen diese Thematik gut in den
Kram passt. Diese Gruppen haben es sich zur Aufgabe gemacht, Theorien über
UFO-Entführungen, außersinnliche Wahrnehmungen, politische Verschwörungen,
alternativmedizinische Heilverfahren und was weiß ich als Schwindel zu entlarven.
Und da derartige Entlarvungen schnell langweilig werden, ist man immer eifrig auf
der Sucht nach neuem Stoff, der zur effektvollen Entlarvung taugt, z. B. (satanisch
ritueller) Missbrauch oder auch die Einpflanzung falscher Erinnerungen durch
Therapeuten. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn sich diese im Namen der
Wissenschaft operierenden Gruppen auch selbst an die Spielregeln der
Wissenschaft halten würden. Doch dies ist leider nur zu oft nicht der Fall. Anstelle
einer vorurteilsfreien Prüfung tritt die selektive, verzerrende Pointierung einzelner
Gesichtspunkte im Stil des Boulevard-Journalismus.
Damit wird eine gewisse kleinbürgerliche, bornierte Durchblicker&Besserwisser-
Mentalität bedient. Und Leute mit dieser Mentalität kolportieren dann dankbar die
Propaganda.
Wenn man aber bedenkt, um was es geht, dann müssen sich manche "Entlarver"
den Vorwurf der Verantwortungslosigkeit schon gefallen lassen. Es geht hier nämlich
in jedem Einzelfall darum, dass ein mutmaßliches Opfer einem mutmaßlichen Täter
eine schwere Straftat vorwirft. Oft hat das mutmaßliche Opfer keinen Beweis,
sondern nur seine Erinnerung an die angebliche Tat. Die Propaganda der "falschen
Erinnerungen" ergreift ohne Prüfung im Einzelfall Partei für die mutmaßlichen Täter.
Falsche Erinnerungen werden übrigens immer nur bei den Opfern vermutet.
Bestreitet der Täter die Tat, fragt niemand, ob er diesbezüglich an falschen
Erinnerungen leide. Außerdem werden falsche Erinnerungen nur dann ins Spiel
gebracht, wenn sie gegen den mutmaßlichen Täter sprechen. Berichtet eine junge
Frau von einer glücklichen Kindheit und einem verständnisvollen Vater, dann zweifelt
kaum jemand diese Erinnerungen an (obwohl es ja laut Theorie der falschen
Erinnerungen genauso gut möglich wäre, dass diese Erinnerungen falsch sind und
die Frau als Kind vom Vater vergewaltigt und misshandelt wurde).
Widerruft nun ein angebliches Opfer seine Erinnerungen, dann wird dem Widerruf
geglaubt und nicht den ursprünglichen Erinnerungen. Das ist bar jeder Logik. Und
von falschen Erinnerungen wird in der Regel auch nur dann gesprochen, wenn der
angebliche Täter sonst ein unauffälliger Bürger ist. Gehört er aber z. B. einer sog.
Sekte an, dann ist plötzlich von einem Generalverdacht gegen die Erinnerungen des
mutmaßlichen Opfers nicht mehr die Rede. Ist er gar Mitglied einer besonders
missliebigen Gruppe, dann sind natürlich auch die haarsträubendsten
Anschuldigungen selbstverständlich äußerst glaubwürdig.
Dies ist ein Phänomen, das ich auch in anderen Bereichen beobachte. Ich bezeichne
es als "selektive Skepsis". Selektive Skepsis ist jedoch im Endeffekt gar keine
Skepsis, sondern eine besonders gefährliche Form des Dogmatismus.
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Prozesse gegen die CIA
Einige mutmaßliche Opfer von Gehirnwäsche-Projekten der CIA bzw. anderer
Behörden der Vereinigten Staaten haben den Rechtsweg beschritten, und zwar
durchweg mit mehr oder weniger unbefriedigenden Resultaten. Die Zahl der Fälle ist
zwar relativ klein; eine vollständige Darstellung würde dennoch den Rahmen dieses
Buchs sprengen. Und so konzentriere ich mich auf drei Fälle, nämlich Stanley
Glickman und Frank Olson sowie Val Orlikow et al.
Glickman
Der Kunstmaler Stanley Glickman verklagte am 30. März 1983 die Vereinigten
Staaten sowie den CIA-Boss Richard Helms und dessen Mitarbeiter Sidney Gottlieb
wegen "Fahrlässigkeit, Verletzung der Privatsphäre, Vorspiegelung falscher
Tatsachen und dem absichtlichen Zufügen emotionalen Leidens". Der Hintergrund:
Nachdem ihm seine Schwester Gloria Kronisch 1977 einen Zeitschriftenartikel über
die Drogenexperimente des amerikanischen Geheimdienstes CIA geschickt hatte,
war Glickman zu der Überzeugung gelangt, 1952 selbst ein Opfer derartiger
Versuche geworden zu sein. Bevor er letztlich seine Klage einreichte, schilderte er
seine Mutmaßungen in Schreiben an Senator Kennedy, die CIA sowie den
Generalstaatsanwalt und schrieb eine "Dienstaufsichtsbeschwerde" (administrative
tort claim) an die Verwaltung des beschuldigten Geheimdienstes. Diese wurde von
der CIA am 1. 12. 1982 abgelehnt.
Seit Sommer 1951 lebte Glickman (Jahrgang 1927) als Kunstmaler in Paris; seine
Karriere erschien vielversprechend. So gewann er einen nationalen Wettbewerb in
den Vereinigten Staaten; der Preis bestand darin, dass eines seiner Werke im New
Yorker Metropolitan Museum of Arts ausgestellt wurde.535
Im Oktober 1951 wurde er in Paris von einer Bekannten angesprochen. Sie fragte
ihn, ob er sie nicht ins "Café Select" begleiten wolle, um dort ein paar amerikanische
Freunde zu treffen. Der Kunstmaler stimmte zu und man verbrachte ein paar
Stunden in diesem Lokal bei hitzigen und kontroversen politischen Gesprächen. Als
Glickman sich verärgert verabschiedete, wollte ihm einer der Amerikaner "zur
Versöhnung" noch einen Drink ausgeben. Glickman akzeptierte. Der Mann rief aber
nicht den Ober, sondern ging selbst zur Bar, um das Getränk zu holen. Dabei
bemerkte Glickman, dass der ihm bisher Unbekannte einen Klumpfuß hatte.
Als der Kunstmaler den Drink zur Hälfte ausgetrunken hatte, begann sich seine
Wahrnehmung zu verzerren und er hatte den Eindruck, dass die Gesichter der
Amerikaner vor Aufregung rot wurden, während sie die Entfaltung der Wirkung des
Getränks beobachteten.
Einer der Fremden brachte das Gespräch auf das Thema "Wunder" und suggerierte
Glickman, dass er selbst sicher bald magische Kräfte besitzen werde. Schließlich
verließ Glickman heftig halluzinierend das Café.
Als der Glickman am nächsten Morgen aufwachte, halluzinierte er immer noch sehr
intensiv. Nachdem er rund zwei Wochen in einem Zustand "des Wahnsinns, der
Täuschung und des Terrors" verbrachte hatte, kehrte er ins "Café Select" zurück.
Dort nahm er Platz und schloss bewusst in der Hoffnung die Augen, dass jemand
kommen und ihm erklären möge, was geschehen sei. Nach einiger Zeit erlitt er einen
Kollaps, wurde von Gästen wiederbelebt und in das amerikanische Hospital von
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Paris gebracht. Er blieb zunächst zwei Tage und erhielt eine
Elektroschockbehandlung. Danach verließ er das Krankenhaus gegen den Rat des
behandelnden Arztes. Er kam aber nach einem Tag freiwillig wieder und blieb weitere
sieben Tage. Er war davon überzeugt, in dieser Zeit weitere halluzinatorische Drogen
erhalten zu haben. Schließlich holte ihn ein Freund aus dem Krankenhaus und half
ihm, in sein Atelier zurück zu kehren.
Glickman behauptet, im amerikanischen Hospital in Paris seien ihm Elektroschocks
auch durch einen "Katheter" in den Penis verabreicht worden.536 Diese zunächst
absurd erscheinende Unterstellung wird glaubwürdiger, wenn man bedenkt, dass die
Elektrofolter an den Genitalien eine wesentliche Methode der sog. Foltergestützten
Bewusstseinskontrolle ("trauma-based mind control") darstellt. Aus inzwischen
freigegeben Dokumenten geht jedenfalls hervor, dass die CIA Anfang der fünfziger
Jahre auch die Folter in ihren Experimenten zur Bewusstseinskontrolle nicht
ausschloss.537
In einem Handbuch für CIA-Agenten, das nach einer Anfrage gemäß dem
Informationsfreiheitsgesetz der USA (FOIA) freigegeben werden musste, werden
„Zwangstechniken beschrieben, um eine psychologische Regression beim Verhörten
durch eine überwältigende äußere Kraft („force“ im Original) hervorzurufen, die sich
auf seinen Willen auswirkt, Widerstand zu leisten. Hierzu gehören lang andauernde
Haft, fortdauernde Anstrengung („exertion“ im Original), extreme Hitze, Kälte oder
Feuchtigkeit, Vorenthaltung von Essen oder Schlaf, Unterbrechung der Routine,
Einzelhaft, Drohung mit Schmerz, Entzug sinnlicher Reize, Hypnose, Einsatz von
Drogen oder Placebos.“538
Wir sehen also, dass die Anwendung regelrechter Folter keineswegs jenseits der
Vorstellungskraft der CIA lag – und es ist aus meiner Sicht kaum vorstellbar, dass die
Folter als naheliegendes Mittel zur Erzeugung einer transmarginalen protektiven
Inhibition in den Gehirnwäscheprojekten dieses Geheimdienstes nicht angewendet
wurde.
Glickman war im übrigen nicht der erste, der den Vorwurf erhob, ihm Rahmen einer
Gehirnwäsche durch die CIA auch mit Elektrizität gefoltert worden zu sein. 1976
wurde die Geschichte von Candy Jones veröffentlicht, die angeblich einer
absichtlichen Persönlichkeitsspaltung und hypnotischen Dressur unterworfen und
dabei auch gefoltert wurde.539
Entsprechende Erlebnisse der mutmaßlichen Opfer Claudia Mullen und Chris
DeNicola sowie Lynn und Cheryl Hersha habe ich bereits geschildert. Der
investigative Journalist Alex Constantine zitiert ein mutmaßliches Opfer einer
Bewusstseinskontrollbehandlung mit folgender Beschreibung der Elektrofolter: „Sie
nutzten eine Vorrichtung, die ich die Folterhose nenne. Das ist eine Art
Lendenschurz aus Leder und Stahlbändern, durch den eine Elektrode an den
Genitalien des Opfers befestigt wird. Zur Stromversorgung benutzen sie ein Kabel
oder eine Batterie, so dass du dich frei bewegen kannst, und wenn der Folterer dich
foltern will, sendet er mit einem Sender ein Signal an die Batterie. Das ist ein
praktisches Gerät zur Verhaltensmodifikation...“540 Elektrofolter an der Vagina bzw.
am Penis wird auch von vielen angeblichen Opfern der Bewusstseinskontrolle im
sog. satanisch rituellen Missbrauch berichtet.
Während der nächsten, auf den Hospitalaufenthalt folgenden zehn Monate blieb der
Kunstmaler überwiegend in seinem Studio und erlebte eine Zeit intensiven Stresses
und Terrors mit Halluzinationen und Essstörungen. Freunde bemerkten seinen
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desolaten psychischen und körperlichen Zustand und benachrichtigten seine Familie.
Diese arrangierten schließlich seine Rückkehr in die Vereinigten Staaten im Juli
1953.541
Glickman wurde nach seinem Eintreffen in den USA mehrere Wochen psychiatrisch
behandelt. Zwar verbesserte sich seine körperliche, nicht aber seine psychische
Verfassung. Während der nächsten 24 Jahre konsultierte er hin und wieder
Psychiater, verweigerte aber eine kontinuierliche Behandlung. Er hatte verschiedene
Gelegenheitsjobs, malte aber nie wieder. Er führte das Leben eines Sonderlings und
starb am 11. 12. 1992.
Nach Glickmans Tod übernahm seine Schwester Gloria seine Rolle als Kläger im
Prozess gegen die Vereinigten Staaten und Sidney Gottlieb. Nach diversen
Gerichtsverhandlungen, die sich über sechzehn Jahre hinzogen, wurde der Fall
1999, kurz nach dem Tode des Angeklagten Sidney Gottlieb, endgültig entschieden.
An die Stelle Gottliebs war in diesem Zivilprozess seine Erbin und Ehefrau Margaret
Gottlieb getreten. Während des letzten Prozesses starb der Vorsitzende Richter
Dominick DiCarlo. Der Fall wurde sofort an Richter Kimba Wood übergeben, der den
Fall schon 1997 als unbegründet abgewiesen hatte. Kimba Wood entschied gegen
die Erben Glickmans. Das Urteil wurde vom United State Court of Appeals for the
Second Circuit bestätigt.542
Glickman war davon überzeugt, dass ihm Sidney Gottlieb den mit Drogen versetzten
Drink gegeben hatte, denn sowohl der Mann in seiner Erinnerung als auch der Leiter
der CIA-Drogenexperimente hatten einen Klumpfuß. Diese Erinnerung genügte den
amerikanischen Gerichten letztlich aber nicht als Beweis der Identität beider und
somit für die Schuld Gottliebs. Auch die Tatsache, dass Gottlieb 1973 zahllose Mind-
Control-Dokumente vernichtet hatte, wollten die Richter nicht als Indiz für seine
Schuld gelten lassen.
Stanley Glickman behauptete, Sidney Gottlieb habe ihm, ohne sein Wissen und
Einverständnis, eine halluzinogene Droge in sein Getränk gemischt. Glickman
äußerte sich allerdings zu diesem Vorfall erst öffentlich, nachdem er Berichte über
die Drogenexperimente der CIA gelesen hatte. Daher ist es natürlich denkbar, dass
er Opfer einer falschen Erinnerung wurde oder sogar, aus welchen Gründen auch
immer, bewusst log. Falls Gottlieb tatsächlich schuldig war, so hat er sein Geheimnis
mit ins Grab genommen.
Unbestritten ist allerdings, dass die CIA tatsächlich Menschen ohne ihr
Einverständnis und ohne ihr Wissen unter Drogen setzte. Martin Siegel, einer der
US-Anwälte in diesem Fall, räumte zwar ein: "Die CIA hat ein LSD-
Forschungsprogramm realisiert, und es war ein Bestandteil dieses Programms,
Menschen ohne ihr Wissen LSD zu geben." Aber es gäbe keinen Beweis dafür, dass
die CIA oder Sidney Gottlieb Stanley Glickman LSD verabreicht haben.543
1953 genehmigte Sidney Gottlieb die LSD-Studien der CIA.544 Häufig wurde in der
Berichterstattung der Medien jedoch der Eindruck erweckt, dass die Experimente mit
Drogen den Schwerpunkt der Projekte zur Bewusstseinskontrolle dieses
amerikanischen Geheimdienstes dargestellt hätten.545 Doch dies war keineswegs der
Fall. Von Anfang an wurden Drogen als Werkzeuge im Rahmen einer umfassenden
Strategie mit dem Ziel gesehen, Menschen aus militärischen und geheimdienstlichen
Gründen zu manipulieren.
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Warum die Medien sich auf die Drogen LSD konzentrierten, kann nur vermutet
werden: Die Projekte der CIA zur Bewusstseinskontrolle wurden der breiten
Öffentlichkeit in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre bekannt. In dieser Zeit erlebte
auch das LSD seine Blüte als Straßendroge. Die geschockte Öffentlichkeit musste
feststellen, dass die gefährliche „Wahnsinnsdroge“ LSD schon seit Jahren vom
amerikanischen Geheimdienst im Interesse der nationalen Sicherheit und im Kampf
gegen den Kommunismus eingesetzt wurde. Diese brisante Mischung
widersprüchlicher Elemente lieferte reichlich Stoff für reißerische Geschichten. Diese
verdrängten andere Themen, die, wenngleich nicht weniger explosiv, doch
wesentlich schwerer zu vermitteln gewesen wären.
1977 beschäftigte sich ein Untersuchungsausschuss des amerikanischen Senats546
u. a. mit den LSD-Experimenten der CIA. Ein Mitglied dieses
Untersuchungsausschusses war der Senator Edward M. Kennedy aus
Massachusetts. Der Vorsitzende, Senator Daniel K. Inouye547 aus Hawaii erteilte
Kennedy aus erstem Redner das Wort. Der Senator aus einer berühmten Familie
kam ohne große Umschweife zur Sache: „Die Geheimdienste (intelligence
community) dieser Nation, die für ihre Operationen einen Schleier des Geheimnisses
bedürfen, genießen ein sehr heiliges Vertrauen des amerikanischen Volkes. Die
Menschenversuche der CIA in den fünfziger und sechziger Jahren verletzten dieses
Vertrauen. Es wurde erneut an jenem Tage verletzt, als der Hauptteil der
(entsprechenden) CIA-Akten 1973 zerstört wurden. Es wurde jedes Mal verletzt,
wenn ein verantwortlicher Beamter sich weigerte, sich an die Details dieses
Programms zu erinnern. Der beste Schutz in der Zukunft ist die vollständige
Berichterstattung des Missbrauchs in der Vergangenheit.“548
Dies waren schöne, ergreifende Worte, die leider bis auf den heutigen Tag nicht
eingelöst wurden. Die von Kennedy als Vertrauensverletzung gerügte
Verschleierungsstrategie der CIA hat sich nicht geändert, im Gegenteil: Es scheint
heute schwieriger als je zuvor, Licht in das Dunkel der CIA-Programme zur
Verhaltensmodifikation zu bringen. Die CIA habe, so der Senator, amerikanische
Bürger ohne ihr Wissen und Einverständnis unter Drogen gesetzt. Diese Menschen
hätten ein Recht darauf zu erfahren, dass und wann sie missbraucht wurden. Was
dieses Recht in der Praxis bedeutete, zeigt der bereits beschriebene Fall Stanley
Glickmans.
Ein Sprecher der CIA, ein gewisser Al Brody, der in Begleitung des damaligen CIA-
Direktors Admiral Stansfield Turner549 vor dem Untersuchungsausschuss erschienen
war, rechtfertigte die Drogenexperimente mit einer Argumentationsfigur, die sich wie
ein roter Faden durch die Geschichte der Verschleierung dieses Kapitels in der
Geschichte der amerikanischen „intelligence community“ zieht. Zunächst hob er
hervor, dass der Präsident der Vereinigten Staaten selbstverständlich nichts von
diesem Projekt wusste. „Es war ein CIA-Projekt, und wie der Admiral bereits betonte,
handelte es sich um ein Projekt, das als Versuch gestaltet war, einer damals
befürchteten Bedrohung entgegen zu wirken, dass nämlich unsere Feinde Drogen
gegen uns einsetzen könnten.“550
Ob diese Argumentationsfigur tatsächlich der Wahrheit entsprach, lässt sich im
historischen Rückblick definitiv nicht mehr klären. Es ist mag sein, dass es sich hier,
wie so oft in der Geschichte der Rüstung und Waffenentwicklung, um eine
wechselseitige Aufschaukelung handelte. Es ist allerdings meine feste Überzeugung,
dass die Vereinigten Staaten an der „Drogenfront“ (und im Bereich der
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Bewusstseinskontrolle allgemein) meist führend waren und „die Feinde“ in der Regel
nur versuchten, mit der Entwicklung Schritt zu halten.551
Es handelte sich hier in der Tat um einen Rüstungswettlauf, um die Entwicklung und
Perfektionierung von Waffensystemen, auch wenn die Bewusstseinskontroll-
Experimente in den Medien gern als skurril und überflüssig dargestellt wurden. Doch
bei genauerer Betrachtung erweisen sich selbst die scheinbar abwegigen Elemente
dieser Forschungen und Projekte als sehr ernsthaft und zielführend. So beschäftigte
die CIA z. B. einen Zauberkünstler.552 Man mag sich fragen, was Magier im Geschäft
der Spione zu suchen haben.
Al Brody erklärte dies 1977 dem Untersuchungsausschuss des Senates wie folgt:
„Es ging um die heimliche Verabreichung von Substanzen, um Täuschungsmanöver,
darum, die Aufmerksamkeit einer Person abzulenken...“. 553 Bedenkt man, was
offenbar mit Stanley Glickman geschah, dann erscheinen derartige
Zauberkunststücke gar nicht mehr so harmlos. Sie waren unter Umständen der
Auftakt eines Ablaufs, an dessen Ende ein ruiniertes Leben stand – oder auch ein
ausgelöschtes.
Stansfield Turner betonte, dass die Drogenforschung der CIA ursprünglich zwar
ursprünglich das defensive Ziel verfolgt habe, sich vor den Drogenattacken der
Feinde zu schützen. Doch: „Ich habe in den Akten keine Hinweise auf die Absicht zu
töten gefunden, aber das Projekt veränderte mit seiner Entwicklung seinen
defensiven in einen offensiven Charakter und es gab sicherlich die Intention, Drogen
zu entwickeln, die sich als nützlich erweisen könnten.“554
Olson
Am 28. Nov. 1953 stürzte Frank Olson aus dem 10. Stock des Statler Hotels in New
York, nachdem er zuvor durch das geschlossene Fenster gekracht war. Frank Olson
war ein Wissenschaftler, der für eine Forschungseinrichtung der US-Armee in Fort
Detrick arbeitete (und, wie sich später herausstellte, auf der Gehaltsliste der CIA
stand). Die Armee informierte die Familie Olson, das Frank einem Unfall erlegen sei.
Am 11. Juni 1975 enthüllte die Washington Post, dass Olson unfreiwillig und ohne
sein Wissen als Versuchskaninchen in den Drogenexperimenten der CIA
missbraucht worden war.
Die CIA räumte nun ein, dass die Drogen den Selbstmord ausgelöst haben könnten.
Präsident Gerald Ford entschuldigte sich bei Franks Familie im Namen des Volks der
Vereinigten Staaten. Nach einer außergerichtlichen Einigung erhielten die Olsons $
750.000 als Entschädigung.555
Allerdings nährten die Umstände von Olsons Tod auch Zweifel an der Version der
CIA. So äußerte der irische Geheimdienstexperte Gordon Thomas den Verdacht,
Olson sei ermordet worden. Olson soll dem britische Psychiater und
Geheimdienstberater in Sachen Gehirnwäsche, William Sargant mitgeteilt haben,
dass er etwas Schreckliches beobachtet habe (nämlich tödlich endende
Menschenversuche der CIA mit Drogen, wie Thomas vermutet).556
Olsons Sohn Eric, ein Klinischer Psychologe, glaubt ebenfalls nicht an einen
Selbstmord seines Vaters. In seiner Web Site informiert er über die Hintergründe des
Falls.557
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Eric und sein Bruder Nils überzeugten den bekannten Gerichtsmediziner James E.
Starrs von der George Washington University, Frank Olsons Körper zu exhumieren
und erneut zu untersuchen. Mit seinem Team von 15 Experten entdeckte er sehr
schnell eine Reihe von Merkwürdigkeiten im offiziellen forensischen Gutachten, dass
nach dem Tod Olsons angefertigt worden war.
So wurden z. B. damals nur Spuren von Alkohol gefunden, aber keine anderen
Drogen, obwohl Olson angeblich doch LSD und kurz vor seinem Tod Nembutal
erhalten hatte. Überdies fanden sich erhebliche Widersprüche zwischen den
Befunden des Teams um Starrs und dem ursprünglichen Untersuchungsprotokoll:
Die Experten entdeckten Anzeichen dafür dass Olson einen vor dem Fenstersturz
einen vehementen Schlag gegen den Kopf erhalten hatte.558
Merkwürdige Fensterstürze von Regierungsangestellten, die als Selbstmorde
deklariert, aber niemals endgültig geklärt wurden, waren in jenen Tagen übrigens
keine Seltenheit.559 Eine ausführliche Schilderung des Todes von Frank Olson und
seiner merkwürdigen Hintergründe findet sich in dem Buch „Deckname Artischocke“
der Journalisten Egmont R. Koch und Michael Wech.560
Orlikow et al.
Val Orlikow und die anderen Kläger in diesem Rechtsstreit waren Opfer der
Gehirnwäsche-Experimente Donald Ewen Camerons. Nach Abschluss des
Prozesses veröffentlichten die Anwälte Joseph L. Rauh, Jr. und James C. Turner
einen umfangreichen Bericht über das langwierige Verfahren in einer
rechtswissenschaftlichen Zeitschrift.561 Meine Darstellung des Prozesses und seiner
Ergebnisse folgt im wesentlichen dieser ausgezeichneten rechtswissenschaftlichen
Arbeit.
Ende der fünfziger Jahre wurde Val Orlikow nach der Geburt einer Tochter
depressiv. Sie suchte Hilfe im damals führenden psychiatrischen Zentrum Kanadas,
dem Allan Memorial Institute der McGill Universität in Montreal. Zu jener Zeit war der
Direktor des Instituts der international anerkannte Psychiater Donald Ewen Cameron.
Unter dem Einfluss der fragwürdigen Behandlungsmethoden Camerons
verschlechterte sich ihre psychische Verfassung zunehmend.
Gegen Ende der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts lasen Val und ihr Mann David
einen Bericht über die wahren Hintergründe der Experimente Camerons, die sie
zuvor, ihrer Tarnung entsprechend, für eine medizinische Behandlung gehalten
hatten. Sie entschlossen sich, den in dieser Reportage genannten Auftraggeber
Camerons, die CIA zu verklagen. Diesen Entschluss hatten schon viele Opfer vor
und nach ihnen gefasst. Und vermutlich wäre es ihnen nicht besser ergangen wie
den meisten ihrer Vorgänger und Nachfolger, sie wären vermutlich vor eine Mauer
der Ignoranz, des Schweigens und der Vertuschung gestoßen, wäre ihnen nicht ein
Umstand zur Hilfe gekommen, der den Mind-Control-Forscher Martin Cannon zu der
süffisanten Bemerkung veranlasste: „Opfer von Mind-Control-Experimenten sollten
sich weise heiraten (merry wise)!“562
Diese Bemerkung wird verständlich, wenn man weiß, dass David Orlikow ein Mitglied
des kanadischen Parlaments war. Diesem Umstand verdanken die Schlapphut-
Psychiater ( „Spychiatrists“) der CIA ihre bisher empfindlichste Schlappe. Die
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Orlikows beauftragten das Anwaltsbüro von Rauh und Turner mit der Wahrnehmung
ihrer Rechte. Wenngleich die Position und die Respektabilität des Abgeordneten
Orlikows den Anwälten Rückendeckung gab, wurde die anfängliche Hoffnung, die
kanadische Regierung würde dem Parlamentarier zur Seite stehen, allerdings bitter
enttäuscht.
Der erste Ansatzpunkt der Anwälte war ein Antrag auf Forschungsförderung
Camerons, den er bei der im Frühjahr 1957 bei der „Society for the Investigation of
Human Ecology“ einreichte. Dies wäre eigentlich ein völlig normaler Vorgang, wäre
diese Gesellschaft tatsächlich gewesen, was sie zu sein vorgab: nämlich eine
gemeinnützige wissenschaftliche Institution, die sich der Erforschung des
Wechselspiels von Verhalten und Umwelt des Menschen widmete. Dies wäre im
übrigen für die damalige Zeit ein sehr fortschrittliches Projekt gewesen. Nur leider
verbarg sich hinter dieser unverdächtigen Fassade eine Institution zur Finanzierung
von Gehirnwäsche-Experimenten der CIA.563
In seinem Finanzierungsantrag beschrieb Cameron die wesentlichen Merkmale
seines Projekts:
Zerstören der gerade ablaufenden Verhaltensmuster des Patienten durch
besonders intensive Elektroschocks (depatterning);
intensive Wiederholung zuvor festgelegter verbaler Signale (16 Stunden am
Tag für 6 bis 7 Tage) (Psychic Driving);
Inaktivierung des Patienten während des Psychic Driving durch diverse
Drogen (wie LSD)
partielle sensorische Isolation während dieser Zeit;
anschließend medikamentös erzwungener Dauerschlaf von 7 bis 10 Tagen.564
Sidney Gottlieb und seine Kollegen bei der CIA waren gleich Feuer und Flamme.
Ende Februar 1957 begann das Geld zu fließen. Insgesamt zählte die CIA während
des vierjährigen Projektzeitraums in etwa $ 60.000 an Cameron.
Der zweite Ansatzpunkt der Anwälte war die Tatsache, dass Val Orlikow niemals ihr
Einverständnis gegeben hatte, an derartigen Experimenten teilzunehmen. Sie war
auch nicht über deren wahre Natur informiert worden. Vielmehr hatte Cameron ihr
vorgegaukelt, es handele sich um ihre Behandlung ihrer Depression. Tatsache war
aber, dass die Vereinigten Staaten und Kanada an den sog. „Nuremberg Code“
gebunden waren.
Dieser war nach den Nürnberger Prozessen angesichts der verbrecherischen
Menschenversuche der Nazi-Doktoren in den Konzentrationslagern beschlossen
worden. Ein Herzstück dieses Codes war die Bestimmung, das medizinische
Experimente nur mit dem „informierten Einverständnis“ („informed consent“) der
Versuchsteilnehmer stattfinden durften. Aus diesen beiden Ansatzpunkten ergab
sich, dass die CIA Experimente finanziert hatten, die gegen den „Nuremberg Code“
verstießen. Die CIA habe sich damit, so argumentierten die Anwälte, der
Fahrlässigkeit gegenüber den Versuchspersonen der Experimente Cameron schuldig
gemacht. Der Einsatz nicht informierter Versuchspersonen sei im übrigen ein
Wesensmerkmal der MKULTRA-Projekte gewesen, zu denen Camerons
Experimente zählten.
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Erschwerend kam hinzu, dass es zuvor bereits einen öffentlich bekannt gewordenen
Todesfall bei einem Gehirnwäsche-Experiment gegeben hatte (Frank Olson). Die CIA
hätte also wissen müssen, so argumentierten die Anwälte, wie riskant derartige
Experimente für die Versuchsteilnehmer waren.
1979 versuchten die Anwälte, wie in solchen Fällen vom Gesetz vorgesehen, sich mit
den Anwälten der CIA außergerichtlich zu einigen. Neben Frau Orlikow vertraten sie
zu diesem Zeitpunkt zwei weitere kanadische Opfer, nämlich Charles Pagé und
Robert Logie. Doch die CIA weigerte sich, die Angelegenheit zu regeln. Sie
behauptete tatsachenwidrig, dass sie Cameron sich unaufgefordert um die
Forschungsförderung bemüht habe, Dies war nicht nur falsch, sondern auch
juristisch unerheblich. Der Geheimdienst versuchte dennoch, sich mit dieser
Ausflucht aus der Verantwortung zu stehlen.
Im Laufe der Zeit schlossen sich noch weitere Opfer mit ähnlichen
Leidensgeschichten den ursprünglichen Klägern an; unter ihnen Louis Weinstein, der
Vater des Psychiaters, aus dessen Buch über die Experimente Camerons ich bereits
ausführlich zitiert habe. Ihn traf es besonders hart. Er kam als erfolgreicher
Geschäftsmann in Camerons Klinik. Dort erhielt er massive Elektroschocks und LSD,
wurde monatelang, oft in sensorischer Isolation, dem Psychic Driving unterworfen
und danach in drogeninduzierten Dauerschlaf versetzt. Weder damals noch heute
war diese Behandlung seiner Krankheit, einer Angststörung angemessen. Louis
Weinstein verließ das Krankenhaus als psychisches Wrack. Er verlor sein Geschäft
und war nie wieder in der Lage, seine Familie zu ernähren. Keiner der Patienten
erklärte sein Einverständnis zur Teilnahme an einem Experiment. Sie alle hatten sich
vertrauensvoll zur Behandlung von Krankheiten an die Klinik gewandt.
Die Strategie der CIA bestand darin, den weiteren Prozess zu verzögern. Die Kläger
waren ebenso wie der führende Anwalt, Rauh, bereits im vorgerückten Alter.
Offenbar hoffte man auf eine natürliche Regelung der Angelegenheit zugunsten der
CIA. Auch der in dieser frühen Phase der rechtlichen Auseinandersetzung
zuständige Richter trug nicht gerade zur Beschleunigung der Angelegenheit bei. Er
brauchte Monate, um Routineaufgaben zu bewältigen.
Endlich, nach mehr als einjähriger Verzögerung, bewirkte eine Beschwerde beim
vorgesetzten Richter mit Hinweis auf das hohe Alter der Kläger den Durchbruch: Das
Gericht wies den Antrag der CIA auf Einstellung des Verfahrens zurück. Dennoch
hatte dieses Spiel der CIA einen deutlichen Vorteil gebracht: Ein wichtiger Zeuge war
zwischenzeitlich verstorben: James Monroe, ein MKULTRA-Veteran, der u. a.
geschäftsführender Gesellschafter der „Society for the Investigation of Human
Ecology“ war.
In der Folge setzte die CIA alle ihr zur Verfügung stehenden Machtmittel ein, um den
Prozess zu verschleppen und die Wahrheitsfindung zu behindern. Sie berief sich
dabei auf ihre Pflicht zur Geheimhaltung im Interesse der nationalen Sicherheit. In
Wirklichkeit aber stand nur ein Interesse zur Debatte – nämlich das Interesse der CIA
bzw. der Vereinigten Staaten, Schwierigkeiten zu vermeiden und aktive bzw.
ehemalige Mitarbeiter vor Strafverfolgung zu schützen.
Die Prozessvorbereitungen der Anwälte begleiteten weitere Bemühungen, sich
außergerichtlich zu vergleichen. Sie versuchten, die kanadische Regierung als
Verbündete zu gewinnen. Doch das Kabinett von Premierminister Brian Mulroney
konnte sich nicht dazu durchringen, die eigenen Landsleute öffentlich zu
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unterstützen. Es fanden scheinbar bilaterale Gespräche auf diplomatischer Ebene
statt, die aber geheim gehalten wurden. Der Versuch, die Unterstützung des
kanadischen Botschafter in Washington zu gewinnen, führte zu undiplomatisch
feindseligen Reaktionen des Diplomaten, der sie schließlich aus der Botschaft
hinauskomplimentieren ließ. Ein zweitrangiger Mitarbeiter der Botschaft machte sich
aber für seine von Cameron geschundenen Landsleute stark... und wurde wenig
später nach Ottawa versetzt.
Im Januar 1985 allerdings strahlte das kanadische Fernsehen einen Bericht über den
Fall aus. Dieses Feature führte zu einer sofortigen und landesweiten Reaktion in den
Medien, die Druck auf die kanadische Regierung ausübten. Die veröffentlichte
Meinung in Kanada hat allerdings generell wenig Einfluss auf die öffentliche Meinung
in den Vereinigten Staaten und damit erst recht nicht auf die CIA. Die „Agency“ war
nach wie vor wild entschlossen, die Geschichte unter den Teppich zu kehren. Sie
hoffte immer noch auf eine natürliche Lösung durch den Tod der Kläger und ihres
betagten Anwalts Rauh. Der mit diesem Fall betraute, notorisch langsame Richter
bestärkte den Geheimdienst in seiner Hoffnung.
Die Anwälte sahen sich gezwungen, das hohe Risiko einer zweiten Intervention bei
der Gerichtsverwaltung auf sich zu nehmen. Dieser Mut wurde belohnt. Doch
unglücklicherweise erlitt Rauh eine beinahe tödliche Herzattacke, und die langwierige
Genesung verzögerte den Prozess weiterhin. Die CIA schoss nun aus allen Rohren.
Der hinterhältigste Attacke bestand in der Enthüllung, dass auch die kanadische
Regierung Camerons Experimente finanziert habe.565
Dies war juristisch zwar irrelevant, hatte aber verheerende politische Konsequenzen.
Dadurch wurden die ohnehin zögerliche Kanadier natürlich auf die Seite der CIA
gezwungen. Die beiden Staaten saßen in dieser Angelegenheit nun in einem Boot.
Die kanadische Regierung gab eine „unabhängige“ Studie in Auftrag, die Cameron
im besonderen und die kanadische Politik im allgemeinen von aller Schuld entlastete.
Die Patienten Camerons hätte keinen bleibenden Schaden erlitten. Die „Studie“
führte zu einer weiteren Prozessverzögerung um ein Jahr. Immerhin enthielt die
Studie den Vorschlag, die kanadische Regierung solle den Opfern (ohne
Schuldeingeständnis) $ 100.000 zahlen. Diese erhielten dann allerdings nur $
20.000.
Am 19, Januar 1988 entschied das Gericht gegen den Antrag der CIA auf
Verfahrenseinstellung. Trotz weiterer juristischer Tricks der CIA wurde die
Gerichtsverhandlung auf den 7. Juni 1988 festgesetzt. Doch auch dies hielt die CIA
nicht davon ab, den Prozess mit aberwitzigen juristischen Konstruktionen weiter zu
verzögern. Mit Erfolg: Der Prozess wurde auf in den Oktober 1988 verlegt. Doch
damit nicht genug: Die CIA bestand nun auf einer psychiatrischen Untersuchung der
Kläger. Dies bedeutete natürlich eine Retraumatisierung der Opfer in einer
Befragung durch feindselige Psychiater der Gegenseite.
Angesichts des hohen Alters der Kläger und mit der Aussicht, dass aufgrund des
Verhaltens der CIA mit einer endgültigen Gerichtsentscheidung erst in Jahren zu
rechnen sei, entschieden sich die Anwälte zu einem weiteren Versuch der
außergerichtlichen Einigung. Diesmal entschloss man sich, über die Köpfe der
untergeordneten Kämpfer hinweg zu operieren und wandte sich im Juli 1988 direkt
an den CIA-Direktor William Webster, der 1987 neu ins Amt gekommen und daher
nicht vorbelastet war. Der Brief zeigte in der Tat Wirkung. Webster machte den Weg
für Verhandlungen frei. Am 2. Oktober 1988 stimmten die Anwälte des
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Geheimdienstes schließlich zu, den Angeklagten insgesamt $ 750.000 zu zahlen. Da
es sich um einen Vergleich handelte, war damit kein Eingeständnis eines
Fehlverhaltens seitens der CIA verbunden.566
Niemand aber, schreiben Rauh und Turner, zahlt soviel Geld, wenn er nichts falsch
gemacht hat. Dies mag sein. Angesichts des unermesslichen Leidens der acht
Kläger ist es aber dennoch eine lächerlich geringe Summe. Die Behandlung
Camerons hatte nicht nur Hirnschäden, sondern eine Fülle lebenslanger Probleme
wie Depressionen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen hervorgerufen. In vielen
Fällen hatte Cameron das Leben seiner Opfer ruiniert.567
Und das Verfahren zog sich über quälende zehn Jahre hin. Dabei hätte man viel
schneller zu einem Ergebnis kommen können, wenn... ja wenn die kanadische
Regierung nicht ein sehr böses Spiel gespielt hätte. 1998 strahlte der kanadische
Sender CBS in seinem Magazin „This Week on the Fifth Estate“ das Feature „In the
Sleep Room“ über die Experimente Camerons aus. Neben einigen Opfern,
Zeitzeugen und Fachleuten wurden auch die beiden Anwälte Turner und Rauh
interviewt. Es folgt ein kurzer Ausschnitt aus einer Mitschrift der Sendung:
MacIntyre (Moderator): „Ottawa half tatsächlich, eine Schlüsselinformation zu
unterdrücken, einen Beweis dafür, dass sich die US-Botschaft bei der kanadischen
Regierung entschuldigt hatte, als die CIA-Experimente zum erstenmal enthüllt
wurden. Jim Turner haut das immer noch um.“
Turner: „Man muss wissen, wie bedeutend diese Entschuldigungen und dieser
Ausdruck des Bedauerns waren. Dies ist ein Eingeständnis, das auch vor Gericht
zählt. Denn eine Partei des Verfahrens räumt ein, dass sie etwas falsch gemacht
habe und sich dafür entschuldige. Dies ist ein Prima-Facie-Beweis der Fahrlässigkeit
und des Fehlverhaltens, der uns einen großen Schritt auf dem Weg zu einem
rechtzeitigen Schluss weitergebracht hätte...“568
Dieser Vorgang ist meines Erachtens paradigmatisch für die Behandlung derartiger
Fälle in der von den Vereinigten Staaten geführten westlichen Welt. Ein
Menschenrechtsverletzung wird – meist durch Zufall – bekannt. Die erste Reaktion
von sich zuständig fühlenden Politikern, Behörden oder Institutionen ist Entsetzen
und Bedauern. Doch dann wird eine Maschinerie in Gang gesetzt, die im angeblichen
Interesse der nationalen Sicherheit bzw. der Sicherheit des westlichen Bündnisses
die peinlichen Sachverhalte verschleiern oder verharmlosen soll. Diese Maschinerie
wird offensichtlich von höchster Ebene gestartet und gesteuert. Opfer, die diese
Maschinerie bei der Arbeit beobachten, werden natürlich entmutigt, den Schritt vor
Gericht zu wagen. Und dies ist vermutlich auch der übergeordnete Sinn dieser
Praxis.
Die internationale Psychiatrie hat den Fehltritt des früheren WPA-Präsidenten
Cameron zur Kenntnis genommen und ist dann zur Tagesordnung übergegangen.
Der Fall wurde verdrängt oder verharmlost. Sogar der sonst sehr klarsichtige
Psychiatrie-Kritiker Eliot S. Valenstein, ein renommierter Neuropsychologe, stellt die
Tatsachen auf den Kopf, wenn er schreibt: „... soweit festgestellt werden konnte, war
sich Cameron nicht der wahren Quellen des US-Geldes bewusst, das er erhielt.
Überdies waren die Zeiten damals so, dass alle Techniken, die Cameron nutzte –
LSD und andere Drogen, Schlaftherapie, und wiederholte Schockbehandlung – von
vielen prominenten Psychiatern in Europa und der westlichen Hemisphäre eingesetzt
wurden. Es gab sogar eine Zahl psychiatrischer Kongresse zum
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Erfahrungsaustausch über diese Methoden. Wahrscheinlich aus diesem Grund
waren die Kläger zu einem außergerichtlichen Vergleich für den Geldbetrag bereit,
den ihnen die CIA anbot, um jede weitere negative Publizität zu vermeiden.“569
Valenstein begreift neben anderen Sachverhalten vor allem die Tatsache nicht, dass
nicht Cameron der Angeklagte war, sondern die CIA. Außerdem übersieht er die
Tatsache, dass die von Cameron eingesetzten Methoden zwar auch von anderen
praktiziert wurden, dass jedoch die Art der Verwendung und die Zusammenstellung
in Form von „Depatterning Treatment“ und „Psychic Driving“ absolut einmalig waren
und eindeutig das Ziel der Gehirnwäsche verfolgten. Es handelte sich definitiv nicht
um eine Krankenbehandlung.
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Satanisten vor Gericht
Die amerikanische Elternorganisation „Believe the Children“570 hat eine umfassende
„Verurteilungsliste“ mit einschlägigen Gerichtsurteilen zum rituellen Missbrauch von
Kindern zusammengestellt. Eine ähnliche Liste stammt von der Amerikanerin Karen
Curio Jones.571 Die Autoren der Zusammenstellung von „Believe the Children“ weisen
in ihrem Vorwort darauf hin, dass viele Fälle rituellen Missbrauchs niemals
strafrechtlich verfolgt werden – und dies wegen des Unglauben der Behörden und
der Tatsache, dass viele der sehr jungen, traumatisierten Kinder einem
Gerichtsverfahren nicht standhalten würden.
Dennoch ist die Zahl der rechtskräftigen Urteile so groß, dass ich hier aus
Platzgründen nur eine kleine Auslese der wichtigsten Fälle präsentieren kann. Die
Behauptung mancher Skeptiker, es gäbe keine Beweise für rituellen Missbrauch bzw.
Satanismus, ist also offensichtlich absurd. Interessanterweise behaupten diese
Skeptiker mitunter im gleichen Atemzug, es säßen viele Unschuldige wegen
angeblichem „Satanisch Rituellem Missbrauch“ im Gefängnis. Dies deutet auf ein
gespaltenes Verhältnis zum Rechtsstaat und wohl auch zur Wahrheit hin.
Fran’s Day Care Center
Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts behaupteten einige Kinder in
Austin, Texas, die eine Kindertagesstätte, „Fran’s Day-Care Center“ besuchten, sie
seien dort in haarsträubender Weise sexuell und rituell missbraucht worden. Die
Vorwürfe richteten sich gegen die Betreiber der Tagesstätte, Frances und Dan Keller
sowie drei weitere Personen. Die Kinder berichteten u. a. folgende Vorfälle:
Sie wurden zusammen mit Tieren lebendig begraben.
Sie wurden gezwungen, Bilder von in Blut getauchten Knochen zu malen.
Sie wurden „erschossen“ und dann wiederbelebt.
Sie mussten auf einem Friedhof Leichen ausgraben und die Knochen
zusammennageln.
Sie wurden unter vorgehaltener Pistole zur Teilnahme an pornographischen
Filmen gezwungen.
Sie mussten ihre Augen schließen, während die Kellers ihnen drohen, sie
würden ihre Finger mit einem Beil abtrennen.
Sie wurden gezwungen, dabei zuzuschauen, wie die Kellers Babys in ihrem
Swimmingpool ertrinken ließen, sie dann herausholten, mit Blut beschmierten
und Satan opferten.
Sie wurden gezwungen, dabei zuzuschauen, wie die Kellers einen Säugling
töteten, indem sie ihm das Herz herausrissen.
Die Strategie der Verteidigung bestand darin, die Glaubwürdigkeit der kindlichen
Zeugen und Opfer zu erschüttern. Die Anschuldigungen seien viel zu phantastisch,
um wahr zu sein. Schließlich zwang das Gericht ein kaum fünfjähriges Kind, seine
Anklagen im Gerichtssaal in Anwesenheit der mutmaßlichen Täter zu wiederholen.
Das Kind widerrief alle Vorwürfe und bestritt sogar, jemals Fran’s Day Care Center
besucht zu haben.572
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Die Verteidigung behauptete nun, dass die Anschuldigungen der Kinder nicht nur
falsch, sondern von Eltern, Therapeuten und anderen Erwachsenen provoziert
worden seien. Der von der Staatsanwaltschaft bestellte Gutachter James Randall
Noblitt betonte, dass es keinerlei wissenschaftliche Beweise für eine so weitgehende
Beeinflussung unter solchen Umständen gäbe. Die Geschworenen gelangten zu
einem Schuldspruch, und die Kellers wurden zu jeweils 48 Jahren Gefängnis
verurteilt. Die Urteile wurden in einem Revisionsverfahren bestätigt.573 Ein dritter
Angeklagter, der geständig war, sein Geständnis später aber widerrief, erhielt eine
zehnjährige Gefängnisstrafe (mit Möglichkeit zur Bewährung). Der Mann hatte
eingeräumt, mit den Kellers sowie zwei weiteren Beschuldigten an „Bier-und-Sex-
Partys teilgenommen zu haben, in deren Verlauf Kinder sexuell missbraucht und
dabei fotografiert wurden. Bei den weiteren Beschuldigten handelte es sich um zwei
Hilfspolizisten, die jedoch nie vor Gericht gestellt wurden.574
Figuered & Hill
1992 wurden Patrick Figuered und seine Freundin Sonja Hill aus Smithfield (North
Carolina) wegen sexuellen Missbrauchs von drei Kindern im Alter von zwei bis fünf
Jahren verurteilt. Figuered erhielt dreimal lebenslänglich575, Hill eine Gefängnisstrafe
von zehn Jahren576. Die Kinder berichteten u. a.,
sie seien mit einem Schraubenzieher anal penetriert worden,
sie seien gezwungen worden,
- an satanischen Ritualen teilzunehmen,
- Figuered zuzuschauen, wie er, als Teufel verkleidet, Bibeln verbrannte,
- Urin und Blut zu trinken,
- Figuered, Hill und ihrer Tochter beim Sex zuzuschauen
sie seien
- vor laufender Videokamera sexuell missbraucht worden,
- unter Drogen gesetzt,
- mit dem Zweig eines Dornbuschs ausgepeitscht
- und gezwungen worden, den Urin eines Hundes zu trinken.
Prescott
47 Mitglieder eines kanadischen Sexrings in Prescott, Ontario wurden Anfang der
neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zu Freiheitsstrafen verurteilt, nachdem sie
sich teilweise schuldig bekannt und gegenseitig belastet hatten. Ursprünglich waren
120 Personen verdächtigt worden, zu diesem Sexring zu gehören, schließlich
wurden 52 Verdächtige angeklagt. Die betroffenen Kinder hatten ausgesagt, sie
seien von maskierten Erwachsenen vergewaltigt, mit Messern geschnitten, zum
Trinken von Blut gezwungen und in ein „Gefängnis“ unter einer Falltür eingesperrt
worden. Sie hätten sogar beobachtet, wie ein Baby ermordet wurde. Die Täter
entstammten der untersten Sozialschicht und lebten z. T. seit Generationen von der
Sozialhilfe. 1989 sagte die ersten drei Kinder aus; 1993 hatten die
Ermittlungsbehörden 225 mutmaßliche Opfer registriert.577
McGregor Ellis
1993 wurde in Christchurch, Neuseeland der Mitarbeiter einer Kindertagesstätte
Peter Hugh McGregor Ellis wegen des sexuellen Missbrauchs von sieben Kindern zu
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zehn Jahren Gefängnis verurteilt.578 Kinder, die diese Tagesstätte besuchten, hatten
schwere Vorwürfe gegen Ellis erhoben. So seien sie z. B. auf Friedhöfe und in
Logenhäuser gebracht und dort von schwarz und weiß gekleideten, maskierten
Erwachsenen sexuell missbraucht worden. Sie seien in Käfige und Kästen
eingesperrt und darin begraben worden. Man habe sie mit Nadeln und Stöcken
gequält. Sie hätte zuschauen müssen, wie Erwachsene Tiere quälen und töten. Man
habe sie gezwungen, andere Kinder zu quälen. Sie seien unter Drogen gesetzt
worden. Man habe Blut über ihre Köpfe ausgegossen. Sie hätten unter Zwang
Speisen essen müssen, die wie Menschenfleisch aussahen.
Ellis wurde 2000 aus dem Gefängnis entlassen, nachdem er zwei Drittel seiner Strafe
verbüßt hatte. Er behauptet nach wie vor seine Unschuld. Eine Begnadigung wurde
nach einer vom Justizminister angeordneten Untersuchung seines Falles
verworfen.579
Ein legendärer Fall: McMartin Preschool
Die vorangestellten Fälle stellen nur eine kleine Auswahl aus der einschlägigen
Rechtsprechung dar. Natürlich kann ich nicht ausschließen, dass in dem einen oder
anderen Fall Unschuldige verurteilt wurden. Es ist natürlich gleichermaßen möglich,
dass in anderen Fällen Schuldige freigesprochen oder gar nicht erst angeklagt
wurden. Es lässt sich jedenfalls angesichts der Befundlage nicht bestreiten, dass
eine größere Zahl von Personen, die des (satanisch) rituellen Missbrauchs angeklagt
wurden, von rechtsstaatlichen Gerichten rechtskräftig verurteilt wurden. Gail
Goodman und ihre Mitarbeiter untersuchten Anfang der neunziger Jahre des vorigen
Jahrhunderts 2.292 mutmaßliche Fälle rituellen Missbrauchs. 30 % der Täter in
Fällen mit kindlichen und 15 % der Angeklagten in Fällen mit erwachsenen Opfern
waren geständig.580
Ich möchte diese Skizzen aus der Rechtsgeschichte des satanisch rituellen
Missbrauchs mit einem Fall beschließen, der zwar nicht mit Schuldsprüchen endete,
aber der dennoch paradigmatisch ist. Der Fall der McMartin Preschool in Manhattan
Beach (Kalifornien) war der längste und kostspieligste Kriminalprozess der
amerikanischen Rechtsgeschichte. Am 12. August 1983 wandte sich die Mutter eines
Kindes, das die Preschool besuchte, an die Polizei. Ein Mitarbeiter der Vorschule,
Ray Buckey habe ihren Sohn sexuell missbraucht. Der Leiter der zuständigen
Polizeidienststelle schrieb einen vertraulichen Brief an die Eltern der anderen Kinder
dieser Vorschule. In diesem Brief bat er die Eltern, ihre Kinder zu befragen, ob dieser
Mitarbeiter sich auch an ihnen vergangen habe. Daraufhin wurden die Kinder der
Schule von der Beratungsgesellschaft „Children’s Institute International“ untersucht.
Bei 360 lautete die Diagnose „Sexueller Missbrauch“. Die Kinder berichteten u. a.
auch, in satanischen Ritualen missbraucht worden zu sein. Der Prozess gegen Ray
Buckey, die beiden Besitzerinnen und vier Mitarbeiter der Vorschule dauerte
insgesamt sieben Jahre und kostete 13 Millionen Dollar. Es kam zu keiner
Verurteilung.
Dieser Fall wäre, trotz seiner Monstrosität, nicht erwähnenswert, wenn da nicht die
Tunnel wären – jene Tunnel unter der Preschool, von denen viele Kinder berichtet
hatten.581 In diese Tunnel gelangte man nach Aussage der Kinder durch Falltüren im
Erdgeschoss der Vorschule. Sie führten zu einem Ausgang unter dem Kaninchenstall
vor dem Gebäude sowie zu einem Nachbargebäude. In der Gerade dieses
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Gebäudes wurden die Kinder angeblich in Fahrzeuge verfrachtet und andere Orte
gebracht, wo sie an satanischen Gruppenritualen teilnehmen mussten.
Einige der selbstbewussteren Eltern übten Druck auf die Staatsanwaltschaft aus,
nach diesen Tunneln und den Ritualplätzen außerhalb des Schulgeländes suchen zu
lassen. Als sie feststellen mussten, dass die Staatsanwaltschaft mauerte, begannen
sie mit eigenen, laienhaften Untersuchungen. Deren Ergebnisse nahm der
Staatsanwalt allerdings nicht ernst. Doch er gab schließlich dem Druck der Eltern
nach und ordnete im März 1985 eine archäologische Untersuchung an, bei der keine
Tunnel gefunden wurden. Allerdings fanden die Grabungen nur außerhalb der
Schule statt. Im April erlaubte der neue Besitzer des Geländes einigen nach wie vor
umtriebigen Eltern eine archäologische Untersuchung in der Schule, bevor diese
dem Erdboden gleich gemacht wurde, um dort ein neues Gebäude zu errichten.
Die Eltern beauftragten einen namhaften Archäologen, E. Gary Stickel mit den
Ausgrabungen. Er fand nicht nur solide, wissenschaftliche Beweise für die Existenz
von Tunneln unter der Preschool, sondern zugleich auch Spuren des Versuchs,
diese Tunnel zu kaschieren. Der Archäologe befragte eines der missbrauchten
Kinder, Joanie, ob sie ihm die Stelle zeigen könne, wo sich der Eingang des Tunnels
befand. Das archäologische Team grub genau an der von Joanie beschriebenen
Stelle und wurde fündig. Die Tunnel waren mit Müll aufgefüllt worden. Man fand eine
Lunch-Tüte aus Plastik mit der Aufschrift: „Disney Class 82/83“ sowie dem Copyright
„1982 Walt Disney Productions“. Die Fundstelle lag in einem Tunnelbereich im
Fundament der Westmauer, das 1966 gelegt worden war.
Dennoch weigerte sich die Staatsanwaltschaft, diese Studie zu verwenden. Weder
Stickel, noch viele Eltern konnten diese Entscheidung nachvollziehen. Schließlich
war die zunächst erfolglose Suche nach Tunneln von Vertretern der Verteidigung und
Skeptikern in Sachen „Ritueller Missbrauch“ als Beweis dafür in Feld geführt worden,
dass die Berichte der Kinder insgesamt auf Phantasie beruhten – einer Phantasie,
die durch ein Klima der „Hexenjagd“ hervorgerufen worden sei. Und nun lagen die
Beweise für die Existenz der Tunnel vor, doch die Staatsanwaltschaft war nicht
interessiert. Da keine Verurteilung erfolgte, können wir diesen Fall trotz erdrückender
Hinweise nicht als Beweis für die Existenz des satanisch rituellen Missbrauchs
verbuchen. Denn gesetzt den Fall, die Tunnel existierten wirklich und sie waren nach
dem Bau der Vorschule gegraben worden, dann bedeutet es ja noch nicht
zwangsläufig, dass die Kinder tatsächlich von Mitarbeitern der Preschool rituell
missbraucht wurden.
Vielleicht ist dieser Fall paradigmatisch für mein gesamtes Buch: Es gibt eine
Vielzahl von Fakten und Interpretationen, die darauf hindeuten, dass
Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung tatsächlich möglich ist und in
unterschiedlichen Formen praktiziert wird. Die Hinweise kann man ohne
Übertreibung als erdrückend bezeichnen. Sie haben sich dennoch nicht zu
schlagkräftigen Beweisen verdichtet, die nicht mehr hinterfragt werden können.
Wenn sich nichts Grundlegendes ändert, ist damit auch nicht zu rechnen. Die
Voraussetzung für eine grundlegende Änderung wäre, dass sich die Regierungen,
Polizei und Justiz in den betroffenen Staaten mit uneingeschränktem Engagement
um Aufklärung bemühen. Trotz des bemerkenswerten Einsatzes einzelner
Persönlichkeiten sehe in dieser Hinsicht jedoch schwarz.
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Teil 7: Schlussfolgerungen und Konsequenzen
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Der freie Wille und das Bewusstsein des Mandschurischen
Kandidaten
Können wir einen Menschen mit welchen Mitteln auch immer zwingen, ohne sein
Wissen und gegen seinen Willen unsere Befehle auszuführen und dabei sogar
gegen seinen Selbsterhaltungstrieb zu handeln? Diese Frage bildete das Leitmotiv
der CIA-Forschungen zur Bewusstseinskontrolle. Welche Antwort die Spezialisten
der CIA sich auf diese Frage selbst gegeben haben, weiß ich nicht. Die
entsprechenden Dokumenten lagern in Panzerschränken, sofern sie nicht dem
Reißwolf zum Opfer fielen. Ein Außenstehender kann diese Frage allein auf Basis
des öffentlich zugänglichen Materials nicht entscheiden und Experimente hierzu
wären illegal.
Nach langjähriger Beschäftigung mit diesem Thema und einer grundlegenden
Auseinandersetzung mit Dokumenten und Erinnerungen, empirischen Forschungen
und theoretischen Analysen, nach zahlreichen Kontakten mit Betroffenen und
Experten bin ich gleichwohl zu einer Antwort gelangt, die ich auch ohne definitive
Beweise für wahr halte: Ja, es ist möglich und ja, es ist nicht nur möglich, diese
Möglichkeit wurde und wird auch verwirklicht. Aus psychologischer Sicht kann es gar
keinen rationalen oder empirisch begründbaren Zweifel daran geben, dass die von
mir beschriebenen Methoden, sachgemäß und mit geeigneten Opfern angewendet,
auch tatsächlich zum Erfolg führen – nicht immer, natürlich: Die Erfolgsquote ist aber
hoch genug, um angesichts des ungeheuren Nutzens für die Täter die mit der
Anwendung verbundenen Risiken zu rechtfertigen.
Doch sogleich zögere ich, diese rigorose Antwort so uneingeschränkt stehen zu
lassen. Ja, ich glaube daran, dass man einen Menschen mental versklaven kann. Ja,
ich glaube daran, dass man ihn durch mentale Versklavung, mittels
Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung veranlassen kann, gegen seine
„objektiven“ Interessen zu handeln, ja sogar gegen seinen Selbsterhaltungstrieb.
Doch geschieht dies, wie in der Ausgangsfrage formuliert, dann wirklich gegen
seinen Willen und ohne sein Wissen? Oder entscheidet er sich in einem Augenblick
totaler Hilf- und Hoffnungslosigkeit dazu, sich dem Willen seiner Peiniger zu
unterwerfen?
Bedeutet diese Entscheidung, dass er, den Befehlen der Täter entsprechend, so
handelt und sich auch so erlebt, als sei er eine gespaltene Persönlichkeit – als wisse
die jeweils aktive Alternativpersönlichkeit nicht, warum, in wessen Auftrag und dass
sie überhaupt einem fremden Willen gehorcht?
Diese und ähnliche zusätzliche Fragen wären freilich leichter zu beantworten, wenn
der Mensch gar keinen freien Willen besäße, sondern vollständig determiniert wäre,
wenn sein Verhalten und Erleben ausschließlich bestimmt wäre durch
Umwelteinflüsse und Erbanlagen. In diesem Fall wäre der Mensch ein Automat – ein
Automat auf höchstem Niveau zwar, aber immer noch ein Automat, eine Maschine,
ein Bio-Computer. Bei einem solchen Bio-Computer gliche die „Gehirnwäsche“ dann
dem Austausch der zentralen Programme und Daten, die sein Verhalten und auch
die etwaige Illusion eines freien Willens erzeugen. In diesem Fall wäre der
Mandschurische Kandidat nicht qualitativ unterschieden von einem Menschen, der
keiner Gehirnwäsche unterzogen wurde.
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Wenn aber der Mensch einen freien Willen besitzt, wenn er also in der Lage ist, sich
von seinen „Programmen“ zu distanzieren, über sie zu reflektieren und sie eventuell
zu ändern bzw. neue zu schaffen und wenn diese Fähigkeit nicht selbst wieder in
Form und Inhalt determiniert wird durch Anlage und Umwelt - kurz: wenn der Mensch
ein freies Wesen ist, dann allerdings lassen sich meine Zusatzfragen präzisieren und
zu einer einzigen Frage vereinfachen: Wird der Mandschurische Kandidat durch die
Methoden der Bewusstseinskontrolle zu einem Automaten degradiert oder bleibt er
ein Mensch, der sich einer ungeheuerlichen Situation angepasst hat?
Eine Antwort auf diese Frage finden wir vielleicht in den Methoden der
Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung selbst. Wenn nämlich der freie
Wille eine Realität darstellt und wenn er ein unzerstörbares Merkmal des
Menschseins ist, dann müssen die Bewusstseinskontrolleure Wege finden, diesen
freien Willen in ihrem Sinn zu formen. Und dies geschieht in der Tat, und zwar durch
ein komplexes System von Täuschungen, die das Opfer zu verinnerlichen und in
Selbsttäuschungen zu verwandeln gezwungen wird. Es geht darum, das Opfer in
eine Situation zu bringen, in der es objektiv und unumstößlich tatsächlich völlig hilflos
und auf Gedeih und Verderb seinen Peinigern ausgeliefert ist. Und der nächste
Schritt besteht darin, das Opfer davon zu überzeugen, dass er sich bis an das Ende
seines Lebens sich aus dieser Lage nicht mehr befreien kann. Und sogar die
Ausflucht in ein schnelles Ende durch Selbstmord wird ihm verwehrt, weil es aus den
Bedingungen der totalen Kontrolle und Folter erst entlassen wird, wenn es sich
vollständig unterworfen hat.
Und doch ist auch diese Strategie nicht unfehlbar; das wissen die
Bewusstseinskontrolleure nur zu gut. Denn diese Strategie baut letztlich auf eine
rationale Entscheidung des Opfers: Es passt sich der ungeheuerlichen Forderung
nach Selbstaufgabe an, um schier endloser Folter zu entgehen. Das hat nur einen
Haken: Menschliche Persönlichkeiten sind nicht nur rational. Und sie sind mitunter
unangepasst, auch wenn Anpassung vernünftiger wäre. Selbst wenn es gelingt, die
Persönlichkeit in tausend Scherben zu zerschlagen und zahllose
Scherbenpersönlichkeiten im Sinne der Täter zu dressieren, muss dennoch immer
damit gerechnet werden, dass sich ein Persönlichkeitskern regt, der sich an sein
Menschsein erinnert, an seinen freien Willen und der rebelliert, koste es, was es
wolle.
Die Bewusstseinskontrolle müssen daher diesen Persönlichkeitskern deaktivieren.
Dies ist ein komplexer Prozess. Zur Verdeutlichung zitiere ich einen Auszug aus
einem Modell der Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung, in dem ich
das hierzu bekannte Wissen zu einem fiktiven Beispiel verdichtet habe. Das Wissen
stammt aus Quellen, die ich für überaus zuverlässig halte, die ich aber aus vielleicht
nachvollziehbaren Gründen geheim halten muss. Die im folgenden Beispiel
erwähnten Namen und ausschmückenden Details sind dabei nicht wesentlich; sie
sollen nur die Lektüre erleichtern. Entscheidend ist der Zusammenhang mit den
bisher referierten Befunden.
Die Organisation der Bewusstseinskontrolleure nenne ich in diesem fiktiven Beispiel
„Human Robots“. Human Robots erhielt Mitte der fünfziger Jahre den Auftrag, in
Deutschland bewusstseinskontrollierte Attentäter zu produzieren. Aus diesen
Attentätern sollte eine Spezialeinheit gebildet werden, die Bestandteil einer
Partisaneneinheit sein sollte. Die mental versklavten Attentäter sollten ihre
Anschläge, falls erforderlich, ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben realisieren. Die
politischen Hintergründe der Aktivität von Human Robots sind allerdings nicht weiter
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von Belang, da es mir im folgenden, wie ja generell im vorliegenden Buch,
ausschließlich um die Methodik der Bewusstseinskontrolle durch
Persönlichkeitsspaltung geht.
Die erste und für den Erfolg des Projekts entscheidende Aufgabe, die sich Human
Robots stellte, bestand in der Auswahl eines geeigneten Kindes mit geeigneten
Eltern. Es kam also nicht nur darauf an, ein Kind im richtigen Alter zu finden, dessen
Persönlichkeit leicht zu spalten war und das sich gut dressieren ließ. Es kam auch
darauf an, kooperationswillige Eltern zu finden – Eltern, deren
Kooperationsbereitschaft auf Jahre gesichert war. Diese Eltern mussten im vollen
Bewusstsein der Tatsache kooperieren, dass ihr Kind grausam gequält wurde, um es
in einen mentalen Roboter zu verwandeln. Human Robots wusste, dass für diese
Aufgabe nur Eltern in Frage kamen, die sadistisch und erpressbar waren.
Dank exzellenter Kontakte zu Stellen, die so etwas zu arrangieren wissen, fand
Human Robots schließlich einen Mann, den sie mit belastendem Material aus der
Nazizeit unter Druck setzen konnte. Vor Gericht hätte dieses Material lebenslänglich
bedeutet. Seine Frau war eine psychisch Kranke mit soziopathischen Zügen und
pädosexuellen Neigungen. Wer sich vornehmer Zurückhaltung bei der Wortwahl
enthält, könnte dieses Paar als „Abschaum“ bezeichnen. Aber sie waren genau das,
was Human Robots suchte und brauchte. Sie hatten noch einen weiteren Vorzug,
den Human Robots sehr schätzte: Sie verstanden es, sich hinter einer Fassade aus
Biederkeit, Rechtschaffenheit und Servilität zu verstecken.
Die Charaktereigenschaften, Motive und Lebensbedingungen dieses fiktiven Paares,
Anne und Otto Knapp, sind allerdings nicht weiter von Belang, da es mir im
folgenden, wie ja generell im vorliegenden Buch, ausschließlich um die Methodik der
Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung geht.
Das Kind, Heinz Knapp, war zum Zeitpunkt des Beginns der „Behandlung“ gerade
vier Jahre alt geworden. Dies ist relativ spät, die meisten
Bewusstseinskontrollbehandlungen starten offenbar früher.
Manche Bewusstseinskontrolleure beginnen mit der Behandlung schon, bevor das
Kind die ursprünglich fragmentarische Welt seines Erlebens zu einheitlichen
Konzepten zu integrieren beginnt, also noch im ersten Lebensjahr. In meinem Modell
berücksichtige ich die frühe Phase der Bewusstseinskontrolle durch
Persönlichkeitsspaltung jedoch nicht, und dies aus zwei Gründen: (1) Es gibt keine
verwertbaren Dokumente zu Maßnahmen der Bewusstseinskontrolle in diesem
frühen Alter. (2) Erinnerungen mutmaßlicher Opfer an die ersten drei, vier Jahre ihres
Lebens sind noch kritischer zu bewerten als die Erinnerungen an spätere Zeiten; und
Erinnerungen an den Lebensabschnitt vor Entwicklung der Sprachfähigkeit oder gar
an Erlebnisse im Mutterleib sind wohl eher als Phantasie zu deuten.
Und so bricht das Unheil in meinem Modell über Heinz Knapp erst zu Beginn seines
fünften Lebensjahres herein. Der Leser sollte aber in Erinnerung behalten, dass die
absichtliche und gezielte Traumatisierung und Dressur der Opfer in aller Regel früher
einsetzt. Manche Kenner der Methodik behaupten, dass die Kinder vor Beginn der
eigentlichen Dressur in den ersten Jahren ihres Lebens zunächst ihren Eltern
entzogen und brutal gequält würden, wobei die Bewusstseinskontrolleure genau
wissen, wie weit sie gehen können, ohne den (eventuell psychosomatisch
verursachten) Tod des Kindes zu riskieren.
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Später würden sie dann ihren Eltern zurückgegeben, die es über einen längeren
Zeitraum überaus liebevoll behandeln („love bombing“). An diese Phase schließe
sich dann erst die eigentliche Bewusstseinskontrollbehandlung nach dem Prinzip von
Zuckerbrot und Peitsche an. Auf Basis meiner Informationen kann ich diese
Darstellung weder bestätigen, noch dementieren. Psychologisch macht sie allerdings
Sinn, daran kann kein Zweifel bestehen. Doch zurück zu Anne, Otto und Heinz
Knapp.
Im Auftrag von Human Robot übernahmen zwei Spezialisten die Betreuung der
Knapps, nämlich Klaus und Petra Müller, ein Ehepaar. Die beiden waren entweder
Psychiater oder Psychologen. Die Fachrichtung ist nicht wesentlich. Entscheidend
war, dass sie die Methoden und die Strategie der Bewusstseinskontrolle durch
Persönlichkeitsspaltung beherrschten. Den Müllers stand ein Team zur Verfügung,
dass mit allen Wassern konspirativer Arbeit gewaschen war. Das Team war für die
Überwachung der Knapps sowie für die Logistik zuständig, leistete technische Hilfen
und garantierte den reibungslosen Ablauf der langwierigen Behandlung.
Dazu gehörte bei Bedarf natürlich auch die Manipulation des Umfelds der Knapps.
Das Team griff ein, wenn Nachbarn, Lehrer oder auch das Jugendamt misstrauisch
wurden, wenn evtl. sogar Anzeige wegen Verdachts auf Kindesmisshandlung bei der
Polizei erstattet wurde usw. Wie es dem Team gelang, diese Störfelder
auszuschalten und welche Beziehungen es dabei nutzte, spielt für unser Modell der
Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung keine Rolle. Einscheidend ist,
dass es dem Team gelang, eine Beeinträchtigung der Arbeit des Ehepaares Müller
von außen zu verhindern. Das Team konnte sich die Tatsache zu nutze machen,
dass in jener Zeit der Missbrauch und die Misshandlung von Kindern ein großes
Tabu war. Dennoch konnte das Team diese Aufgabe nur erfolgreich bewältigen, weil
Human Robot beste Beziehungen zu Menschen mit sehr großem Einfluss pflegte.
Nach einer schönen und harmonischen Geburtstagsfeier sagte Anne Knapp plötzlich
und unerwartet mit kaltem Blick zu ihrem Sohn Heinz: „Du wurdest aus der Familie
ausgeschlossen. Du gehörst jetzt anderen Leuten. Wir haben dich verkauft. Du wirst
bei uns wohnen bleiben. Aber andere Leute bestimmen jetzt über dich. Papi und
Mami sind nicht mehr deine Eltern. Du wohnst noch bei uns, aber wir lieben dich
nicht mehr.“
Heinz war völlig verwirrt und natürlich unfähig, den Sinn dieser Worte zu verstehen.
Er wurde nach dieser Ankündigung sofort zu Bett geschickt. Am anderen Morgen
sprachen die Knapps nicht mehr darüber, und Heinz wagte nicht zu fragen; vielleicht
hatte er auch vergessen, was ihm gesagt worden war. Das Kind suchte nach seinen
Geburtstagsgeschenken, fand sie aber nicht mehr. Als es danach fragte, wurde es
brutal verprügelt und ermahnt, ja niemals wieder danach zu fragen. Ansonsten
verhielten sich die Knapps normal zu ihrem Sohn, als sei nichts geschehen.
Dies war ein wohlgesetzter und gut berechneter Schlag gegen die kindliche Seele.
Die Idee dazu stammte natürlich nicht von den Knapps, sondern natürlich von den
Müllers, und diese wieder hielten sich an das Manual zur Bewusstseinskontrolle, das
von den Wissenschaftlern der Human Robots entwickelt worden war. Das Ziel
bestand darin, dem Kind völlig überraschend und ohne jede Vorwarnung den Boden
unter den Füßen wegzuziehen. Die Attacke richtete sich gegen das kindliche
Selbstwertgefühl, gegen seine soziale Orientierung und sollte zu einer innerlichen
Vereinsamung bei intakter äußerer Einbindung in die Familie führen.
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Hier gilt es aber zu bedenken, dass die Müllers den Auftrag hatten, einen
bewusstseinskontrollierten Attentäter zu produzieren, die sich bei Bedarf auch selbst
tötet. Wäre Heinz für andere Aufgaben mit stärkerer sozialer Komponente
vorgesehen gewesen, dann hätten die Müllers selbstverständlich nicht so elementar
die Bindungsfähigkeit des Kindes attackiert.
Einige Tage nach der Geburtstagsfeier stellte Anne Knapp ihrem Sohn Petra Müller
vor. Diese sei sehr lieb zu Kindern und würde gern mit ihm spielen. Er sollte sie
Tante Petra nennen. Tante Petra begann, Heinz spielerisch zu hypnotisieren. Die
Spiele wurden immer komplexer und die Trancen immer tiefer. Schließlich konnte sie
ihm auch mit Erfolg suggerieren, dass sie, Petra Müller, seine Mutter Anne Knapp
sei.
Nachdem Petra Müller, einige Wochen nach der Geburtstagsfeier, die vollständige
hypnotische Kontrolle über Heinz erlangt hatte, begann eine Phase, in der die
grundlegende Spaltung der Persönlichkeit des Kindes angestrebt wurde. Die Ziel war
die Erzeugung eines Tag- und eines Nachtkindes, die voneinander nichts wissen
durften. Am Abend wurde das Kind von Anne Knapp hinterrücks chloroformiert.
Wenn Heinz wieder aufwachte, fand er sich in seinem Bett wieder. Er war an Händen
und Füßen gefesselt und in seine Harnröhre war eine Elektrode gesteckt, durch die
Strom gejagt werden konnte. Ein Knebel hinderte ihn daran zu schreien.
Oft war der Junge während der Torturen allein, mitunter saß Anne Knapp an seinem
Bett und ließ ihn wissen, was er doch für ein missratenes, minderwertiges Kind sei.
Nach den Folterungen wurde er durch Drogen eingeschläfert. Morgens aber war die
Mutter wie ausgewechselt. Sie überschüttete das Kind mit Freundlichkeiten, liebte
und herzte es, gab ihm euphorisierende Drogen, auch LSD und las ihm Märchen vor.
Sie hatte ein großes, in Leder gebundenes Buch mit Goldrand. Die Mutter sagte,
dass es sich um Hauffs Märchen handele. Allerdings waren die Märchen zum
Zwecke der Bewusstseinskontrolle modifiziert und kindgerecht gestaltet worden.
Zunächst stand das Märchen „Das kalte Herz“ im Mittelpunkt der Spezialbehandlung
für das „Tagkind“. In diesem Märchen geht es darum, dass der teuflische
Holländermichel dem armen Schwarzwaldköhler Peter Munk ein gutes Leben
verschafft, als Gegenleistung dafür aber dessen lebendiges Herz fordert und dieses
gegen ein Herz aus Stein austauscht. Nachts, unter der Folter, suggeriert die Mutter
dem Kind, dass der Holländermichel Heinzens Herz fordere und gegen ein Herz aus
Stein eintauschen wolle. Heinz müsse dem Holländermichel gehorchen, denn sonst
würde dieser den Vater Otto „einkassieren“ und für immer ins Gefängnis stecken. Im
Märchen wird Peter Munk zu guter Letzt mit Hilfe des wohlmeinenden Glasmännleins
errettet. Doch die Bewusstseinskontrolleure hatten das Märchen in ihrem Sinne
abgeändert. In dieser Version zerspringt das Glasmännlein bei dem Versuch, Peter
zu retten, in tausend Scherben.
Der Sinn dieser Formung der Phantasie Heinzens durch ein Märchen leicht zu
durchschauen, wenn man die Grundidee der Bewusstseinskontrolle durch
Persönlichkeitsspaltung verstanden hat. Es geht darum, Heinzens
Ursprungspersönlichkeit mit seinem schlagenden, lebendiges Herzen zu
identifizieren. Dieses Herz muss er dem Holländermichel geben, der es in einem
Schrank in seiner Behausung verschließt. Heinz soll dann eine Front- oder
Fassadenpersönlichkeit entwickeln, nämlich Peter Munk. Peter Munk hat ein Herz
aus Stein, und damit keine eigene Identität. Das schlagende, lebendige Herz aber
hat es sehr gut im Schrank des Holländermichels. Dort kann es sich ausruhen und
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die schönsten Träume genießen. Heinz wurde später systematisch abgerichtet,
eigene Wünsche nur in einer exzessiven Traumwelt auszuleben.
Heinz wurde unmissverständlich klargemacht, dass er nur die Wahl hat, die in
märchenhafter Form vermittelten psychischen Transformationen zu vollziehen oder
noch brutaler gefoltert zu werden als je zuvor. Die Peter-Munk-Identität Heinzens
wurde dressiert, bedingungslos den Forderungen des Holländermichels zu
entsprechen. Die Müllers wussten, dass man den Kern der Persönlichkeit nicht
zerstören kann, daher muss man ihn „verstecken“ und das Versteck durch einen
„magischen Bann“ vor Entdeckung schützen. Als Gegenleistung für seine
Bereitschaft, sich dem Holländermichel zu unterwerfen, gab die Mutter Heinz das
Versprechen, er würde nicht mehr gefoltert, wenn er den Holländermichel von
seinem Gehorsam überzeugt habe.
Doch auch andere Themen aus Hauffs Märchen eigneten sich vorzüglich für die
Ziele der Müllers. Petra Müller hatte Heinz konditioniert, auf ein bestimmtes Signal
hin sofort in einen tiefen hypnotischen Zustand zu versinken. Anne Knapp konnte
dieses Signal nutzen, um unter der Supervision der Müllers nun selbst mit Heinz
hypnotisch zu arbeiten. Eines Tags löste sie mit dem entsprechenden Signal eine
Hypnose aus und gab Heinz den posthypnotischen Befehl, lauthals zu lachen, sobald
sie in die Hände klatsche. Danach spielte sie mit Heinz das Märchen „Kalif Storch“
aus Hauffs Sammlung. Der Kalif konnte sich in einen Storch verwandeln und sich
wieder zurück verwandeln, wenn er das Wort „Mutabor“ aussprach. Aber wehe, er
lachte, solange er ein Storch war. Dann vergaß er das Zauberwort und musste auf
ewig ein Storch bleiben.
Anne Knapp suggerierte Heinz, er sei der Kalif und könne sich in einen Storch
verwandeln. Durch „Mutabor“ wurde er dann wieder der Kalif. Nachdem er mehrmals
zwischen seine Gestalt vom Kalifen zum Storchen und zurück gewandelt hatte,
klatschte die Mutter in die Hände, als er sich im Storchenzustand befand. Das Kind
gehorchte dem posthypnotischen Befehl und lachte. Und schon hatte das Kind das
Zauberwort vergessen und musste auf ewig Storch bleiben. Die Ewigkeit wurde
abgekürzt, weil die Müller aus einem Nebenzimmer von hinten auf ihn zutrat und ihn
mit einem chloroformierten Tuch betäubte. Als er aufwachte, fand er sich in seinem
Bett wieder, an Armen und Beinen gefesselt, geknebelt, mit einem elektrischen
Kontakt an seinem Penis...
Auf diese Weise wurde die Fixierung von Alternativpersönlichkeiten trainiert.
Selbstverständlich wurde Heinz suggeriert, dass nur die Mutter bzw. Tante Petra die
Zauberwörter kannten, mit denen man Alternativpersönlichkeiten hervorrufen und
wieder verschwinden lassen konnte....
Ich möchte dieses modellhafte Beispiel hier abbrechen, weil deutlich geworden ist,
wie sich die Bewusstseinskontrolleure dem für sie so heiklen Problem der natürlichen
und unzerstörbaren menschlichen Freiheit stellen. Sie zertrümmern die
Persönlichkeit und projizieren die ursprüngliche Freiheit und Selbstbestimmtheit auf
eine Alternativpersönlichkeit, die sie „verstecken“, die sie systematisch abschotten
von den anderen Fragmentpersönlichkeiten. Sie bedienen sich dabei der leicht
formbaren Phantasie des Kindes und frieren diese manipulierten Phantasien im
Unbewussten ein. Das Unbewusste aber ist zeitlos, und solange die Phantasien nicht
bewusst gemacht werden, kanalisieren sie auch das Erleben des Erwachsenen.
Das Opfer einer Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung ist also kein
Roboter im technischen, sondern nur im fiktiven Sinn. Es unterwirft sich der Fiktion,
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ein Roboter zu sein, weil dies subjektiv die einzige Möglichkeit war, lebenslänglicher
Folter zu entgehen.
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Opfer wehren sich
Die wohl wichtigste Schlussfolgerung aus den Fakten zur Bewusstseinskontrolle ist
die Notwendigkeit des Widerstands. Die mutmaßlichen Opfer können in aller Regel
ihre persönliche Betroffenheit nicht zwingend beweisen. Daher stoßen sie
überwiegend auf Unglauben (oder auf eine kritiklose Gläubigkeit, die ihnen
vermutlich mehr schadet als nutzt). Wie mein Buch gezeigt hat, ist die Beweisnot der
Opfer kein Hinweis auf deren Unglaubwürdigkeit, sondern liegt in der Natur der
Sache. Auch Skeptiker, die in einem Gedankenspiel der Realität der von mir
geschilderten Methoden und Anwendungsmöglichkeiten voraussetzen, müssten
einräumen, dass die Beweisnot der Opfer im Grunde die logische Konsequenz der
Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung ist.
Es handelt sich hier ja um ein beinahe perfektes Verbrechen. Wenn die mentale
Versklavung gelingt, dann verhindert die künstlich erzeugte Amnesie, dass sich die
Opfer der Taten bewusst werden, die an ihnen zum Zweck der
Bewusstseinskontrolle begangen wurden. Und wenn die Amnesie dann doch
vielleicht nach Jahren durchbrochen wird, dann hatte die Täter genug Zeit, ihre
Spuren zu verwischen.
Mutmaßliche Opfer, die sich mit ihren Berichten und Anschuldigungen an die
Öffentlichkeit wenden, laufen also immer Gefahr, als Spinner oder Verrückte und
bestenfalls als Aufschneider oder Profilierungssüchtige verspottet zu werden.
Überdies haben die meisten mutmaßlichen Opfer Angst vor der Rache der
mutmaßlichen Täter der angeblichen Taten. Unter diesen Bedingungen ist es doppelt
mutig, sich also Mind-Control-Opfer zu bekennen.
Die meisten Opfer von Bewusstseinskontroll-Projekten sind vermutlich vereinzelt und
schwanken als Schattenexistenzen zwischen Auflehnung und Verzweiflung. Viele
wurden in der Regel mit falschen Diagnosen psychiatrisch behandelt, manche
befinden sich auf Dauer in psychiatrischen Kliniken oder in Heimen. Einige begingen
Selbstmord oder kamen (manchmal unter ungeklärten Umständen) ums Leben.
Andere haben erfolgreich eine Psychotherapie bei sachkundigen und
verständnisvollen Therapeuten durchlaufen und sind heute psychisch gesund und
integriert, soweit wie dies unter den gegebenen Bedingungen überhaupt möglich ist.
Manche mutmaßliche Opfer haben sich auch organisiert. Eine dieser Gruppen ist
ACHES-MC582. Diese Abkürzung bedeutet: Advocacy Committee for Human
Experimentation Survivors & Mind Control.
In der Selbstdarstellung dieser Gruppe heißt es: „Wir repräsentieren die
nordamerikanischen Opfer von Menschenversuchen, die von der Regierung
finanziert und ohne Einverständnis der Betroffenen realisiert wurden. ACHES-MC
wurde ursprünglich für Überlebende von Bewusstseinskontroll-Experimenten
gegründet, doch inzwischen wurden andere Opfer von Experimenten gegen den
Willen der Betroffenen identifiziert. Zu diesen Überlebenden zählen Kinder, geistig
Behinderte, Angehörige des Militärs und deren Familien, Menschen also, die gar
nicht frei über eine Teilnahme an derartigen Experimenten entscheiden konnten.“583
Die Gruppe betont, dass spätestens seit 1945 Tausende von amerikanischen und
kanadischen Opfern, überwiegend Frauen, physisch und sexuell gefoltert, in Käfige
eingesperrt, systematisch mit Elektrizität, Drogen und experimenteller militärischer
Technologie gehirngewaschen und programmiert wurden, bestimmte Taten,
einschließlich Verbrechen, zu begehen. Einige seien als Kinder, andere als
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Jugendliche oder Erwachsene ausgewählt worden. Ihre Berichte ähnelten sich
frappierend. Die Opfer seien nun in ihren dreißiger, vierziger und fünfziger Jahren
und entdeckten, dass sie wie Multiple Persönlichkeiten funktionieren. Diese seien
absichtlich geschaffen worden, um als Mandschurische Kandidaten zu dienen.
Die Web Site584 dieser Gruppe enthält umfangreiches Informationsmaterial zur
Bewusstseinskontrolle sowie Adressen anderer Hilfsorganisationen und
Ansprechpartner.
Eine andere Gruppe mit Sitz in Easthampton (MA) organisiert Konferenzen und
veröffentlicht eine zweimonatliches Mitteilungsblatt zu den Themen „Ritueller
Missbrauch“ und „Mind Control“. Diese Gruppe namens S.M.A.R.T. möchte über
Zusammenhänge zwischen rituellem Missbrauch, Geheimgesellschaften und
Bewusstseinskontrolle aufklären. Die Abkürzung bedeutet: “Stop Mind control And
Ritual abuse Today”. Während sich ACHES-MC überwiegend für mutmaßliche Opfer
staatlicher Bewusstseinskontrolle einsetzt, liegt der Schwerpunkt von S.M.A.R.T. also
im Bereich der destruktiven Kulte. Es gibt aber offensichtlich Überschneidungen, da
viele Opfer mit beiden Organisationen zusammenarbeiten.
Einige Opfer haben ihre Erlebnisse zu Papier gebracht und in Zeitschriften, mitunter
sogar in eigenen Büchern veröffentlicht. Zu diesen Autoren zählt Carol Rutz. In ihrem
Buch „Nation Betrayed“585 berichtet sie über eigene Erfahrungen als Opfer von
Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung und ergänzt diesen Bericht
durch eine umfangreiche Dokumentation der CIA-Gehirnwäsche-Projekte sowie
einen Abriss der historischen Entwicklung. Carol Rutz ist eine Aktivistin, die als
Autorin und Rednerin auf Konferenzen wichtige Beiträge zur Aufklärung über die
historischen Hintergründe und über die entsprechenden Quellen leistet.
Ich könnte hier noch eine größere Zahl von Organisationen und Einzelpersonen
nennen, doch dies würde den Rahmen eines Buchs über die Methodik der
Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung sprengen.
Leider beschäftigen sich nur sehr wenige Wissenschaftler und Journalisten mit dieser
Thematik. Zu den wenigen Ausnahmen zählt der kanadische Psychiater Colin Ross,
der in den Vereinigten Staaten mehrere Kliniken zur Behandlung von Menschen mit
traumatisch bedingten psychischen Krankheiten leitet. Er ist einer der weltweit
führenden Experten für die Multiple Persönlichkeitsstörung, über die er mehrere
Bücher und zahllose Beiträge für Fachzeitschriften verfasst hat. Unter den
Journalisten möchte ich Gordon Thomas hervorheben, dessen Buch über die
Gehirnwäsche-Experimente Donald Ewen Camerons (Journey into Madness586) als
Klassiker des investigativen Journalismus zu dieser Thematik aufgefasst werden
kann.
Doch Ross und Thomas sind Ausnahmen unter ihren jeweiligen Fachkollegen. Zu
nennen wären auch noch einige Juristen wie die Rechtsprofessoren Alan Scheflin
und Hal Pepinsky. Doch auch in dieser wie in allen anderen relevanten Disziplinen ist
die Zahl namhafter Unterstützer gering. Dies führt natürlich dazu, dass den
Organisationen der Opfer viel zu wenig professionelle Hilfe zuteil wird. Viele
Psychotherapeuten kümmern sich zwar aufopferungsvoll um die Individuen, halten
sich aber mit öffentlichen Stellungnahmen oder gar weitergehender Parteiname
zurück. Der Grund für diese Zurückhaltung ist in vielen Fällen Angst um die
Reputation und die Karriere.
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Unter diesen Bedingungen habe ich wenig Hoffnung, dass den Opfern in absehbarer
Zeit Gerechtigkeit wiederfahren oder dass auch nur eine angemessene
interdisziplinäre Klärung der Sachverhalte in Angriff genommen wird. Es sei denn,
dass sich nennenswerte Teile der Bevölkerung die Forderung nach Aufklärung zu
eigen machen und auf unterschiedlichen Wegen politischen Druck ausüben. Die Zahl
der Opfer der Bewusstseinskontrolle durch Persönlichkeitsspaltung mag jetzt noch
verhältnismäßig gering sein. Aber je weniger gegen diesen Missbrauch
psychologischer bzw. psychiatrischer Erkenntnisse und Methoden unternommen
wird, desto größer wird ihre Zahl in Zukunft.
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Endnoten
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